Anders als bei WDR kein Verkauf geplant

Auch NDR besitzt Kunst

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Gebäude des NDR in Hamburg-Lokstedt: Anders als beim WDR will man sich hier nicht von seinen Kunstwerken trennen.

Bremen/Hamburg - Von Johannes Bruggaier. Nordrhein-Westfalens Kulturszene ist in Aufruhr. Erst versteigert der Casino-Betreiber „Westspiel“ zwei Werke des Popart-Künstlers Andy Warhol, immerhin einstiger Landesbesitz. Dann werden Pläne des Westdeutschen Rundfunks (WDR) bekannt, wonach der Sender mit Verkäufen aus seinem rund 600 Kunstwerke umfassenden Bestand sein Haushaltsdefizit verringern will. Für den Deutschen Kulturrat markieren die Pläne des WDR einen „Tiefpunkt der Kulturpolitik Nordrhein-Westfalens“. Wie aber sieht es mit den Rundfunkanstalten im Norden aus? - Von Johannes Bruggaier.

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt der Pressesprecher des Norddeutschen Rundfunks (NDR), Martin Garzke, auch seine Einrichtung sei im Besitz von Kunst. Die Sammlung gehe zurück auf den Erwerb von Werken durch die Vorgängeranstalt Nordwestdeutscher Rundfunk (NWDR) in den fünfziger Jahren. Motiv der Käufe sei damals gewesen, dass sich der Sender auch für bildende Kunst engagieren solle.

Auch aus dieser Sammlung seien schon einmal Werke verkauft worden. Doch anders als beim WDR geplant, seien diese Verkäufe nicht aus finanziellen Gründen erfolgt, sondern aus ästhetischen. Der NDR-Kunstbeauftragte Rudolf Großkopff habe Ende der neunziger Jahre bei einer Sichtung der Sammlung festgestellt, dass ihr eine thematische Ausrichtung fehlte und eine künftige Konzentration auf norddeutsche Landschaftsmalerei angeregt. Diese Profilierung sei durch den Verkauf einzelner Bilder und die Investition des Erlöses in passende Objekte möglich gewesen.

Zum Wert der Sammlung sind vom NDR keine Angaben zu erfahren, man verfüge nicht über eine Expertise zu ihrem aktuellen Marktwert. Es handele sich allerdings um insgesamt 130 Bilder von rund 100 Künstlern, nach Informationen der Redaktion befinden sich darunter Werke von so bekannten Namen wie Erich Heckel und Horst Janssen. Mit einer Wanderausstellung mache der Sender sie der Öffentlichkeit zugänglich, unter anderem seien sie bereits im Staatlichen Museum Schwerin und im Landesmuseum Braunschweig zu sehen gewesen.

Man habe die Werke in früheren Jahrzehnten für „aus heutiger Sicht wenig Geld gekauft“. Pläne, sie zu veräußern, verfolge der NDR aber nicht, zumal die laufenden Kosten für ihren Unterhalt wegen ehrenamtlichen Engagements sehr gering seien.

Auch Radio Bremen besitzt nach eigenen Angaben Kunstwerke, diese allerdings seien mit den Exponaten von WDR und wohl auch NDR nicht zu vergleichen. Laut Pressesprecher Jens Böttger ist die Sammlung Umfang und Wert betreffend überschaubar, bei der letzten Zählung im Jahr 2010 habe man lediglich 20 Bilder registriert. Dem Sender zugefallen seien sie beispielsweise im Zuge des Umzugs im Jahr 2007 ins Bremer Stephaniviertel oder auch im Rahmen von Kunst im öffentlichen Raum. Laut Böttger hängen heute alle in den Räumlichkeiten des Neubaus: „So etwas wie eine Paula Modersohn-Becker ist aber nicht dabei.“

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