„SommerNacht“ im Rahmen von „KompeTanz“

Die alte Macht zuckt noch

Uraufführung und ein gelungenes Beispiel dafür, dass Inklusion mehr ist, als nur der Anspruch auf gesellschaftliche Teilhabe: „SommerNacht“ in der Schwankhalle Bremen. - Foto: Daniela Buchholz

Bremen - Von Mareike Bannasch. Der Lack ist ab, und auch die Feenkönigin hat ihre besten Zeiten hinter sich. Doch sie gibt nicht auf, klammert sich verzweifelt an die ramponierten Reste ihrer Macht – während das Volk ausgelassen die letzte große Party feiert.

Bereits seit Jahren arbeiten die Macher der „tanzbar_bremen“ daran, inklusiven Tanz in der Hansestadt auf eine neue Stufe zu heben. Vor einem Jahr zahlte sich die Beharrlichkeit endlich aus, und mit dem Modellprojekt „KompeTanz“ bekamen die Bemühungen auch eine strukturelle Basis verpasst. Und was für eine. Mit Hilfe des Integrationsamts und der Agentur für Arbeit schaffte die „tanzbar“ mehrere sozialversicherungspflichtige Tänzerstellen für Schulabgänger mit Förderbedarf. So sollen die Teilnehmer nicht nur einen leichteren Start in den Arbeitsmarkt haben, sondern auch neue Perspektiven bekommen – außerhalb einer Behindertenwerkstatt.

Das Ganze hat natürlich auch einen künstlerischen Anspruch, wie sich am Freitagabend eindrucksvoll in der Schwankhalle zeigte. Dort gab es für die Zuschauer im Prinzip eine Doppelpremiere zu sehen: Zum einen die erste Arbeitsprobe des „KompeTanz“-Modells und außerdem eine Uraufführung. Inspiriert von Shakespeares „Sommernachtstraum“ bringt „tanzbar“-Mitbegründer Günther Grollitsch eine zuweilen bitterböse Balletsatire auf die Bühne. Vor einem Hintergrund aus munter zusammengewürfelten barocken Soundschnipseln nehmen die acht Tänzer die achso perfekte, hübsch anzusehende Welt des Balletts aufs Korn. Und zelebrieren mit affektiert übersteigerten Pirouetten die Erinnerung an die einstige Macht der Feenkönigin, die nun in einem Verschlag aus kahlen Ästen haust. Royaler Glanz sieht irgendwie anders aus. Doch die alte Macht zuckt noch, und so schwingt sich die Majestät immer wieder zur Marionettenspielerin auf.

Schließlich ist „SommerNacht“ eben nicht nur eine gut gemachte Parodie, sondern fächert zudem fundiert die verschiedenen Eben von Macht auf – und macht dabei auch nicht vor den Tänzern selbst Halt. Immerhin gewinnen Isabel Helmers-Lopez, Lisa Janik und Oskar Spatz im Rahmen des „KompeTanz“-Projektes nicht nur Macht über ihre Zukunft. Nein, die Drei nutzen an diesem Abend ihr jeweiliges Handicap auch dazu, Dominanz über ihr Publikum zu erlangen. Zumindest über all jene, die keine Gebärdensprache beherrschen, und nun einmal nachvollziehen müssen, wie es ist, außen vor zu sein.

Doch den Auftritt der drei Tänzer nur auf ihre Fähigkeiten in der Gebärdensprache zu reduzieren, täte ihnen massiv Unrecht. Denn Spatz, Helmers-Lopez und Janik sind vollwertige Mitglieder des Ensembles, deren Leistungen nicht hinter denen der professionellen Tänzer zurückstehen. Stattdessen untermauern sie eindrucksvoll, welche ästhetischen Mittel ihnen nach nur zwei Monaten intensiver Trainingsarbeit bereits zur Verfügung stehen. Dass es da noch die ein oder andere Ungenauigkeit gibt – geschenkt. Schließlich bleibt von dieser gelungenen Premiere doch vor allem eine Erkenntnis: Die Party für „KompeTanz“ fängt gerade erst an.

Eine Vorstellung gibt es noch: Morgen um 10.30 Uhr in der Schwankhalle Bremen.

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