Allzu viel Brillanz beim Wettbewerb „choroegraphy 29“ in Hannover

Ärger schmerzlich vermisst

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Viel Schönes, wenig Irritierendes: "Pishpesh" von Eyal Dadon aus Israel.

Hannover - Von Jörg Worat. Paare, überall Paare: Der formale Schwerpunkt beim 29. Internationalen Wettbewerb für Choreographen, neudeutsch als „choreography 29“ bezeichnet, war schnell ausgemacht. Ausschließlich Duette bei den neun Wettbewerbern, die es in die Endrunde schafften, schon im Halbfinale hatte es unter 18 Teilnehmern lediglich zwei Ausnahmen in Form von Trios gegeben. Zeichen für eine neue Privatheit? - Von Jörg Worat.

Wie dem auch sei, interessant wirkte es allemal, was sich da im Aegi-Theater zu den bekannten Bedingungen tummelte – die Choreographen dürfen nicht älter sein als 35 Jahre, ihre Stücke müssen zwischen fünf und zwölf Minuten dauern. Teils witzig war der Pas-de-deux-Reigen, teils streng, fast durchweg ohne Requisiten, fast durchweg handwerklich brillant und meist pointiert.

Letzteres traf allerdings gerade auf den Gewinner des ersten Preises nur bedingt zu: Eyal Dadon aus Israel erhielt 6000 Euro für seinen Tanz mit Partnerin Tamar Bar Lev. So neckisch wie der Titel „Pishpesh“ kam die Choreographie zwar nicht über die Rampe, wohl aber so unbestimmt: Es gab Momente von Ein- und Zweisamkeit, von Nähe und Distanz, es war schön ausgeleuchtet und beeindruckend in seiner gewissen Strenge – aber nachhaltig im Gedächtnis blieb es nicht haften.

Da hatte die Chinesin Xin Xie, die den mit 3000 Euro dotierten zweiten Platz erreichte und zudem einen der Publikumspreise gewann, schon mehr im Angebot. Zusammen mit dem eigentlich aus dem klassischen Lager stammenden Kollegen Xing Li zeigte sie einen Tanz, in dem die Körperkonturen zeitweilig nachgerade zu zerfließen oder auszufransen schienen. Wunderbarer Einsatz von Kostüm und Licht, erstklassige Bewegungskultur, indes sehr formal, und der Begriff „in Schönheit sterben“ konnte einem da schon mal durch den Kopf geistern.

Dritter Platz, somit 2000 Euro, und zweiter Publikumspreis für das holländisch-taiwanesische Doppel Besim Hoti und Hsin-I Huang und „Some think completly different”: sehr dynamisch, technoide Anflüge, großartig punktgenauer Einstieg, danach etwas beliebig. In manchen Passagen legten die Akteure Hand an Partner oder Partnerin und tanzten sich quasi gegenseitig. Klasse, aber das hatten Sara Angius und Gemma Miro Roca, die mit ihrem fantastischen Stück „The Fish Bowl“ komplett leer ausgingen, noch weit besser auf der Pfanne.

Zwei weitere Preise gab’s für Choreographien mit Sprachelementen. Besonders ausgeprägt kamen diese bei „WWW“ von der Dänin Simone Wierod zur Geltung: Sie und Partner Thomas Rohe vertanzten dauergrinsend einen Text mit Wetterberichts-Einschlag und bekamen den Kritikerpreis. Als eine Mischung aus Klassik, Märchenspiel, Posing und Pantomime entpuppte sich die Choreographie „The Beauty and the Beast“, für die Martin Harriague aus Frankreich den Scapino-Produktionspreis erhielt. Frida Dam Seidel und Niv Elbaz brannten bei diesem schrägen Eifersuchts-Dramolett ein äußerst facettenreiches Feuerwerk ab, das gegen Ende fast ein wenig in Richtung „overdone“ driftete.

Das Publikum zeigte sich, wie so oft bei diesem Wettbewerb, leicht enthusiasmierbar, juchzte oft und laut. Es bekam ja auch viel Brillanz geboten, allerdings kaum Irritierendes, Verstörendes, Biestiges. Ob die vergangenen Jahre nicht doch im Durchschnitt spannender waren, als man sich manchmal wenigstens so richtig ärgern konnte?

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