Bremer Domchor singt Matthäus-Passion von Carl Philipp Emmanuel Bach

Die Allmacht feiert den Tod

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze„Er ist der Vater, wir die Buben“, sagte Wolfgang Amadeus Mozart nicht etwa über Johann Sebastian Bach, sondern über dessen zweitältesten Sohn Carl Philipp Emmanuel Bach.

Von ihm sind vor Jahren hunderte von Manuskripten aus dem Nachlass der Singakademie in Berlin in Kiew gefunden worden. Unter anderem seine erste große Passionsmusik „Matthäus-Passion“ – er schireb insgesamt sechs Mattäus-Passionen –, die dankenswerter Weise jetzt der Bremer Domchor unter der Leitung von Tobias Gravenhorst im gut besuchten Dom aufgeführt wurde.

Der weltberühmte Pianist wurde 1767 Musikdirektor in Hamburg und hatte in der Kirchenmusik Vergleichbares zu leisten wie sein Vater in Leipzig. Er baute in seine 1969 entstandene Matthäus-Passion die Choräle aus dem Werk seines Vaters ein. Warum er das tat, ist unbekannt, es ist jedenfalls ein musikgeschichtlliches Ereignis von enormer Spannung. Carl Philipps Festhalten an der traditionellen Form der Passionsvertonung – erzählender Evangelist, betrachtende und reflektierende Arien und ebenso die Choräle des alten Bach – führt er in seinen ganz persönlichen Ausdruck über, den Stilmitteln des Sturm und Drang mit seinen hochexpressiven Eigenheiten: „Das Herz rühren und die Leidenschaften regen“ wollte Carl Philipp Emmanuel.

Genau das gelang in dieser Aufführung: den Schönheiten ging Gravenhorst mit dem „Concerto Bremen“ so klangschön und mit nie nachlassender Spannung nach, dass die Neugier auf diesen bis heute unterschätzten Komponisten nur wachsen konnte. Das meint einmal zahlreiche Orchestervorspiele zu den Arien oder Ariosi, das meint die erregten Volkschöre mit großer szenischer Qualität, dass meint die ungemein dicht gesungenen Choräle, die dramaturgisch an ganz anderen Stellen eingesetzt werden als bei Johann Sebastian.

Vieles bleibt im Gedächntnis: so der geheimnisvolle Trauermarsch mit Hörnern und Pauken nach Jesu' Tod, das Duett der zwei Soprane „Muster der Geduld und Liebe“, die Bass-Arie „Die Allmacht feiert den Tod“, in dem im Orchester das Aufbrechen des Grabes gemalt wird oder auch die klangfarbenreiche Orchestereinleitung zur Sopran-Arie „Wie tobt das wilde Volk“.

Der Dom-Chor präsentierte sich in bester Verfassung. Leider war der Evangelist insdisponiert, herausragend Margaret Hunter mit ihrem unbeschreiblich fließenden Melisma, aber auch Alfred Pöhl als Jesus und Götz Philipp Görner, Tenor und Jens Hamann, Bass, überzeugten. Dass der Bremer Dom so gut besucht war, ist vielleicht ein Zeichen dafür, dass die unbedingt notwendige Akzeptanz des Publikums gegenüber dem einfallsreichen Repertoireangebot Tobias Gravenhorsts wächst.

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