Interview vor Konzert in Cuxhaven

Alligatoah heiß aufs Deichbrand: „Ich bin ein Fan von Verkleidungen“

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Vielleicht wieder mit Streitwagen: Alligatoah steht am Sonntag beim Deichbrand auf der Bühne.

Neuenwalde/Nordholz - Von Ralf G. Poppe. Am Wochenende startet die 15. Auflage des Deichbrand-Festivals, das nun seit zehn Jahren auf dem Seeflughafen Cuxhaven-Nordholz über verschiedene Bühnen geht. Lukas Strobel, besser bekannt als Alligatoah, steht am Sonntagabend als einer der Headliner auf der Bühne. Wir haben vor seinem Auftritt mit ihm gesprochen.

Herr Strobel, Medien und Fans halten Sie für einen Lokalmatadoren beim Deichbrand.

Für Festivals ist es immer ein schöner Aufhänger, dass man sagen kann, dass ist hier einer aus dem Norden. Obwohl ich es nie zu meinem Aushängeschild gemacht habe, dass ich jetzt der norddeutsche Sänger oder Rapper bin. Sondern ich habe eher dafür plädiert, dass es egal ist, wo ich wohne, wo ich bin. Die Musik ist davon unabhängig.

Alligatoah spielt nun zum zweiten Mal hintereinander auf dem Deichbrand. Im vergangenen Jahr gab es die Alligatoah-Akustikshow. Wie war’s?

Es war schön heimspielartig. Ich glaube, ich war bereits zum dritten Mal auf dem Deichbrand. Ich hatte 2018 eine besondere Nummer, denn wir haben meine Akustikshow erstmals auf eine Festivalbühne gebracht. Was irgendwie sehr ungewöhnlich war. Vielleicht war es das Ungewöhnlichste, was ich jemals gemacht habe. Denn wir wussten überhaupt nicht, was passiert. Ob es wirklich gut wird, ob die Leute am Sonntag um 12 Uhr mittags überhaupt aus ihren Zelten herauskommen oder ob sie noch besoffen herumliegen. Ob ich vor einer leeren Bühne spiele, ob sich die Leute wirklich auf die Stühle setzen, die wir vor die Hauptbühne gestellt haben. Sie haben sich tatsächlich hingesetzt, und es war rappelvoll vor der Bühne. Die Leute waren super gelaunt, es war eine richtig schöne Stimmung dort. Es war das schönste ,12 Uhr mittags‘, das ich je hatte! Strahlende Mittagssonne. Strahlende, zusehende Augen blickten mich an.

Sie pflegen keine persönlichen Beziehungen zu den Veranstaltern. Was meinen Sie, warum wird Alligatoah dennoch so gern für das Deichbrand gebucht?

Ich denke, man bucht mich, weil ich eine gute Booking-Agentur habe, die dafür sorgt, dass ich auf den großen Festivals des Landes spiele. Die Herren vom Deichbrand werden sicher gesehen haben, dass da ein paar Leute hinkommen, wenn ich dort auftrete. Und, dass das sicher gut ankommt.

Auf dem Album „Schlaftabletten, Rotwein V“ schlüpfen Sie in verschiedene Rollen. Warum?

Ich bin ein Fan von Verkleidungen, bin es immer gewesen. Das betrifft nicht nur Kostüme, sondern auch metaphorisch Rollen. So ist es auch musikalisch mit den Texten. In ihnen spiele ich Rollen, die mit meinen Leben gar nicht soviel zu tun haben.

Irgendetwas an der neuen Titelsammlung erinnert latent an „Clockwork Orange“. Mögen Sie den Film?

Tatsächlich habe ich den Film sehr gerne gesehen, weil ich durch und durch Stanley-Kubrick-Fan bin.

Ist Alligatoah wirklich ein Rapper? Im Promotext des Labels heißt es, er werde als ein solcher bezeichnet, obwohl er regelmäßig singe.

Das ist in der Tat witzig formuliert. ,Regelmäßig Singen‘ klingt ja auch, als würde ich jeden Morgen eine Stunde lang singen. Manchmal stimmt das aber sogar.

Sie arrangieren Ihre Songs so, als würden Sie einen „Solo-Song“ erarbeiten. Warum haben Sie zum Track „Beinebrechen“ den Kraftklub-Sänger Felix Brummer für Gast-Vocals eingeladen?

Felix und ich kommen aus derselben Zeit, in der zudem Casper und Marteria hochgekommen sind. Ich dachte, dieser Song würde ganz gut klingen, wenn der Felix darauf zu hören wäre. Also ruf ich ihn an, frage, ob er Lust darauf hat. Ich habe mich sehr über seine Zusage gefreut, weil Felix als jemand aus einer Rockband gut zum Album passt. Auf ein Album, wo ich zum ersten Mal auch viele Rockeinflüsse drin verpackt habe, wo ich mir sehr viel Metal erlaubt habe.

Auch Themen wie zum Beispiel „Ein Problem mit Alkohol“ finden sich auf „Rotwein, Schlaftabletten V“ wieder. Warum?

Wenn ich an Alkohol bejahende Malle-Hits von Micki Krause denke, ist das ein anderer Ansatz als bei mir. Eigentlich ist der Track gar kein Lied über Alkohol, eher ein bisschen ein Lied über die Liebe meiner Generation, sich in Selbstmitleid zu ergießen. Sich die Rechtfertigung zu schaffen, wie man sich selbst zerstören kann, und andere damit hineinzieht.

Selbst hören

Für Sonntag gibt es noch Tagestickets für 89 Euro unter www.deichbrand.de

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