Zum neunten Mal in Bremen: Die Norddeutschen Klarinettentage

Alles total locker

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Traten mit einem „America“-Programm auf: „Clarinet News“. ·

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. „Nur ein Hauch!“, sagt der Dirigent Marco Thomas zu den 70 Klarinettisten, die sich auf der Bühnen drängeln, „wenn das alle machen würden, hätten wir eine super Klangfarbe!“ Das machen aber eben nicht alle, und das soll auch gar nicht sein.

Denn wir befinden uns auf einer Probe des Klarinettenorchesters, das gebildet ist aus den diesjährigen Teilnehmern der neunten internationalen Klarinettentage in Bremen. Und da dürfen alle kommen, die Klarinette spielen, vom jüngsten – dieses Jahr neun – bis zum Ältesten – dieses Jahr 75 Jahre alt.

Der Professor für Klarinette und Kammermusik an der Bremer Hochschule für Musik, Marco Thomas, hat das Konzept entwickelt und 2005 zum ersten Mal durchgeführt. Die Teilnehmerzahl, damals 31, hat sich mit 70 in diesem Jahr mehr als verdoppelt. Die meisten kommen wieder: „Es bringt Spaß. Wir können uns austauschen, das geht oft in den kleineren Orten nicht“, sagt eine Frau, die Bassklarinette spielt. „Ich kenne zu Hause niemand, mit dem ich spielen kann“, sagt ein Naturwissenschaftler aus Köln, der seit Jahren Feuer gefangen hat an dem Instrument, dass der menschlichen Stimme so gleichkommt wie keines. „Es ist alles total locker, ich komme bestimmt wieder“. Laienstreicher haben es da viel leichter: schnell ist ein Orchester gefunden, schnell auch ein Quartett.

Thomas koppelt in den vier übervollen Tagen mehrere Anliegen, die ihm, dem „Klarinettenverrückten“, wie er von sich selbst sagt, am Herzen liegen. Das ist einmal der Kontakt zu den Laien. Das ist zum zweiten das Anliegen, die Vielseitigkeit der Klarinette zu zeigen. Die angebotenen Kurse umfassen Klezmer, Bassklarinette, Meisterkurs, Jazz, Saxophon und Tarogato (eine ungarische Sonderform der Klarinette). Darüber hinaus dokumentieren die vier abendlichen Konzerte den Reichtum der Literatur aus allen Stilen. „Viele sehen hier auch zum ersten Mal alle Instrumente der Instrumentenfamilie, wie die hohe Es-Klarinette, die Bassklarinette, die Bassettklarinette, die Kontrabassklarinette“, erläutert Dozentin Regine Müller. Und das dazwischen liegende Bassetthorn, das Mozart so liebte. Alle können in der Ausstellung der Instrumentenbauer ausprobiert werden .

Wie macht man das nun, dass alle 70 mit verschiedenen Leistungsniveaus – auch Profis waren dabei – auf ihre Kosten kommen? Eine logistische Meisterleistung, alle hatten bei neun Dozenten vier Unterrichtsstunden, beziehungsweise Ensemblestunden beziehungsweise Kursteilnahme.

Viele Klarinettenlehrer sind mit ihren Schülern von weither gekommen, „und es ist eine helle Freude, zu sehen, mit welchen Impulsen aus den Kursen vom Vorjahr sie sich entwickelt haben“, sagt Thomas, „es ist auch interessant, dass die meisten mit klaren Vorstellungen kommen, welches Problem sie haben und was sie lernen wollen“. Sicher können nicht alle Profis derart auf Laien eingehen, wie Thomas das kann. Es war erstaunlich zu erleben, was mit seinen Korrekturen bezüglich Dynamik, Bögen, Atem und vieles mehr umgesetzt werden konnte.

Herrliche

Effekte

In diesem Sinne waren alle siebzig dann im sogenannten „Klarinettenorchester“ gefordert, das im Konzert, in dem alle Ensembles ihre Ergebnisse präsentierten, in Arrangements von Stücken Debussys und Rachmaninows wunderschön zur Geltung kam.

Vier Konzerte gibt es, ein klassisches mit namhaften Spielern und das Abschlusskonzert „Happy End“ mit den Ergebnissen der Ensemblearbeit. Dazwischen gibt es wechselnde Konzerte. Dieses Jahr trat viel bejubelt die Big Band der Hochschule unter der Leitung von Martin Classen auf und das Klarinetten-Ensemble „Clarinet News“, das in aller Welt erfolgreich gastiert. Deren sechs Mitglieder bilden den Dozentenstamm der Klarinettentage. „Clarinet News“ tummelten sich, launig moderiert, in einem „America“-Programm unterhaltsamster Art. Im klassischen Konzert entstanden mit den Wiedergaben von Schumanns Märchenerzählungen und Mozarts „Kegelstatt-Trio“ mit Esther van Stralen (Viola) und Liga Skride (Klavier) wunderbare Stimmungen.

„Ach, wenn wir nur auch Clarinetti hätten!“, schrieb Mozart 1778 an seinen Vater, „Sie glauben nicht, was eine Sinfonie mit Clarinetten einen herrlichen Effect macht!“ Davon hat Marco Thomas mit seinem Team wieder einmal alle überzeugt. Die nächsten Klarinettentage finden vom 2. bis 5. Januar 2014 statt.

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