Paul Esterhazy vollendet mit „Götterdämmerung“ in Oldenburg Richard Wagners Ringzyklus

Alles könnte anders weitergehen

Randall Jakobsh als (Hagen) mit Herrenchor und Extrachor des Oldenburgischen Staatstheaters. Foto: Stephan Walzl
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Randall Jakobsh als (Hagen) mit Herrenchor und Extrachor des Oldenburgischen Staatstheaters.

Oldenburg - Von Ute Schalz-Laurenze. Die Waschküche, aus der am Anfang von Richard Wagners „Rheingold“ in Oldenburg den Rheintöchtern von Wotan der Ring gestohlen wird, ist nun am Oldenburgischen Staatstheater wieder zu sehen: In der „Götterdämmerung“, die am Wochenende ihre zu Recht umjubelte Premiere hatte. Der Regisseur Paul Esterhazy wiederholt mit der ungemein geschickt genutzten Drehbühne (Mathis Neidhart) mehrere Bühnenbilder – wie auch schon für „Die Walküre“ und „Siegfried“. Insgesamt wird nicht nur dadurch die monumentale, 16-stündige Geschichte vom „Ring des Nibelungen“ schlüssig erzählt, sondern auch durch manche durchgehende Besetzung. So war Nancy Weißbach schon in der Walküre die seelisch schwer verletzte Wotan-Tochter Brünnhilde – jetzt in der „Götterdämmerung“ nimmt sie die Fäden in die Hand und sorgt mit dem Brand von Wallhall dafür, dass Wotans verkorkste Götterwelt untergeht und es vielleicht anders weitergehen kann. Ihre schauspielerische und gesanglich überragende Leistung dieser Riesenpartie setzt ergreifende Maßstäbe.

Mit der Welt der „Götterdämmerung“ zeigt der Österreicher Esterhazy einmal mehr seine politik- und machtkritische Sicht, indem die Personen keine Götter, sondern in einem schweizerischen Bergdorf böse, sich belauernde und zerstörerische Menschen sind. Wagner selbst sah den Mythos als „ungemein scharfe Erkenntnis vom Wesen des Besitzes, des Eigentums“.

Allen voran glänzt Randall Jakobsh als Drahtzieher Hagen, dessen Intrigenfäden alle zu spüren bekommen: der einfältige und tapsig-marionettenhafte Gunther (Michael Kupfer-Radecky) und seine Schwester Gutrune (Aile Asszonyi), die sich an Siegfried heranmacht. Vor allem aber Siegfried, der nach Verabreichung des Zaubertranks seine Vergangenheit vergisst. Seine Naivität, Unwissenheit und Lebenslust wird wunderbar von Zoltán Nyáry (Siegmund in „Walküre“) verkörpert. Das und vieles mehr ist psychologisch fein herausgearbeitet und sorgt für fünfeinhalb Stunden krimiartige Spannung. Melanie Lang (Fricka aus „Rheingold“ und „Walküre“) bietet eine große Waltraute, als sie Brünnhilde vergeblich zur Rückgabe des Goldes bewegen will. Die Rheintöchter setzen mit der Ermordung Hagens starke Akzente, ebenso Leonardo Lee als Alberich. Toll auch der Chor als ein Haufen zur Passivität verdammter Menschen.

Die komplexe Story ist nicht immer durchschaubar, aber die Inszenierung bezieht ihr hohes Niveau auch aus der Tatsache, dass im Grunde genommen die Musik mit dem Netzwerk ihrer immer beziehungsreichen und verweishaften Themen die Geschichte erzählt. Da lässt Esterhazy dem Oldenburgischen Staatsorchester und dem Dirigenten Hendrik Vestmann allen Raum. Die Durchsichtigkeit, die Transparenz, die Spannungsaufbauten mit ihren Crescendi und treibenden Rhythmen, die Klangfarbe: Da bleiben keine Wünsche offen. Mit solchen Leistungen – und da müssten besonders die Bläser eigentlich einzeln genannt werden – verbietet sich der Ausdruck „Provinz“ oder auch „kleines Haus“.

Die nächsten Termine

Am 3., 13., 20., 27. und 31. Oktober sowie am 3. November jeweils 16 Uhr. Der komplette Zyklus ist vom 26. Juni bis 4. Juli 2020 und zweimal im Herbst 2020 in Oldenburg zu sehen.

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