Tänzerisch Strategien des Überlebens

Allein machen sie dich ein

Schlussbild: Einzelne werden ein Kollektiv. - Foto: Jörg Landsberg
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Schlussbild: Einzelne werden ein Kollektiv. 

Bremen - Von Rolf Stein. Einen Vorschlag, wie miteinander umzugehen wäre in ungemütlichen Zeiten, wollte das Ensemble von „Tales of Survival“ unterbreiten. Dafür haben sieben Jugendliche, zwei Musiker und drei Tänzer lange und intensiv mit der Choreographin Alexandre Morales und dem Dramaturgen Gregor Runge zusammengearbeitet. Herausgekommen ist ein eigenwilliger Tanztheaterabend, der sein Ende in einer kollektiven Improvisation findet.

In einem sich über Minuten aufbauenden Drone scheint hier auf, was vor allem im freieren Jazz gelebte soziale Praxis ist: Der vermeintliche Widerspruch zwischen Individuum und Kollektiv wird gleichsam dialektisch auf einem höheren Plateau aufgelöst. Dem voraus geht ein nicht immer scharfer Bilderbogen, der die Körpersprache des modernen Tanztheaters aufbricht, indem er ganz gezielt auf die Differenz von Profis und Laien setzt.

Die Eröffnung bestreiten die drei Profi-Tänzer aus Samir Akikas Ensemble „Unusual Symptoms“. Sie belauern sich, verbünden sich, rempeln sich an, verfolgen und durchkitzeln sich, wobei die Übergänge ins Kämpferische allgegenwärtig sind; verstärkt wird das Drohende noch durch die Schabgeräusche der Musiker Simon Camatta und Stefan Kirchhoff.

Sinnbild für Abschottung

Die Jugendlichen warten derweil auf einem Gerüst auf ihren Einsatz, das an einen provisorischen Wachtturm erinnert. Ein Sinnbild für Abschottung – mithin also ein Fingerzeig auf die Flüchtlingskrise? Das würde schließlich einleuchten, wo es doch darum geht, wie wir miteinander leben könnten – nicht gegeneinander.

Mit den Jugendlichen gewinnt das ohnehin schon bewegte Bühnengeschehen, das die Akteure bisweilen bis auf die Tribünen hinter die Zuschauer treibt, noch an Dynamik. Zunächst in einer Weiterführung der Motive der Eingangssequenz, in teils gefährlich anarchisch anmutenden Jagden durch den Raum des Moks, den Aaron Stratmann unbehauen eingerichtet hat. Später dann auch in kleineren Kombinationen, langsamerer Taktung. Nach etwas mehr als der Hälfte des 70-minütigen Abends gehen dann die Lichter aus. Taschenlampenlicht zuckt durch das Dunkel, schlaglichtartig, beunruhigend, auch auf der Bühne kehrt keine Ruhe ein.

Die anarchischen Rangeleien des Ensembles lösen sich auf in kleine, tolle Bilder, wie das eines Jungen, der auf den Händen geht, während er Trompete spielt – was natürlich nur funktioniert, weil er auf den Händen eines der Profitänzer herumsteigt, der ihn wenig später auf den Schultern trägt, immer wieder einknickend, was den Trompetenton unsanft unterbricht. Erst im Zusammenspiel mit allen anderen wird er wieder möglich.

Die nächsten Vorstellungen: Mittwoch, 8. Februar bis Samstag, 11. Februar, 19 Uhr, Moks, Theater Bremen.

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