Flora, Fauna und Neil Armstrong im Reagenzglas: Werke von Carola Beismann sind in der Galerie Herold zu sehen

„Allah, alle alläh, hä?“: Die Welt ist nicht immer verstehbar

Präzisierung und Verunklarung: Werke von Carola Beismann sind in der Galerie Herold zu sehen.

Von Johannes BruggaierBREMEN (Eig. Ber.) · Im Reagenzglas haben die gewöhnlichsten Dinge Bedeutung gewonnen.

Der aus dem elterlichen Garten gepflückte Grashalm wurde unversehens zu einem wissenschaftlich relevanten Forschungsobjekt, und die tote Kellerassel aus der Garage sah aus wie ein exotisches Insekt aus südamerikanischen Wäldern. Mit Hilfe der schmalen Gefäße ließ sich das Kinderzimmer in ein Labor verwandeln, und es hat den Anschein, als habe sich auf diese Weise die Welt einfach besser begreifen lassen. Carola Beismann hat es nicht allein bei der Welt belassen, sondern auch noch den Mond ins Reagenzglas gestopft. Die Bremer Galerie Herold zeigt bis zum 12. November einige ihrer Werke.

Eine Aufnahme der rauen Kraterlandschaft ist in einem der ordentlich aufgereihten Behältnisse zu sehen. Das Glas rechts daneben zeigt das berühmte Fotodokument der ersten Mondlandung: Neil Armstrong im Staub, hinter ihm die Finsternis des Weltalls. Andere Gefäße beherbergen Land- und Stadtkarten oder auch handschriftliche Aufzeichnungen. „Allah, Allah, äh ala alle, Alläh, hä? Aah! Ha, ha, Allah!“: Hä? Die Welt ist eben nicht immer verstehbar.

Leichter zugänglich erscheinen da schon Beismanns grafische und zeichnerische Arbeiten. Ein Vogel füttert da die weit aufgerissenen Schnäbel des Nachwuchses, realistisch skizziert mit Sinn fürs Detail. Links daneben zeigt Beismann die Szene noch einmal, jetzt auf ihre Silhouette beschränkt. Der Vogel verwandelt sich zum Symbol, die Konturen der Schnäbel mutieren zu einem Gebirge: Durch Reduktion auf die Umrisse lässt sich ebenso Präzisierung wie Verunklarung bewirken.

Am Überzeugendsten offenbart sich Beismanns Ästhetik in ihren großformatigen Studien der Flora. Wie ein Ufo senkt sich ein Blütenkelch herab, gleich einer Bogenlampe schwingt sich der Stengel von rechts ins Bild. Nichts weniger als die unmittelbare Schönheit natürlicher Formen ist diesem Werk zu entnehmen – im Zweifel immer noch unverständlichen Konzeptionen vorzuziehen. Weil letztere in der Bremer Ausstellung allerdings überwiegen, hält sich der Erkenntnisgewinn in Grenzen.

Bis 12. November in der Galerie Herold, Künstlerhaus Güterabfertigung. Öffnungszeiten: Di., Mi. und Do. 16-19 Uhr, So. 15-18 Uhr.

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