Auf dem Album „Claque [klak]“ widmet sich „Chapeau“ dem Werk Wilhelm Buschs

Zeitloser Menschengeist

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Max Heckel (v.l.), Tabiha Harzer und Aron Thalis bilden die Band „Chapeau“.

Syke - Von Marvin Köhnken. Comiczeichner im 19. Jahrhunderts – wo gab‘s denn sowas? Einer, der manchem in der Erinnerung herumgeistert, ist Wilhelm Busch. Lehrmeister mit wenigen Worten, Schöpfer von „Max und Moritz“ und Inspiration für die Musiker der Band „Chapeau“. Elf Werke hat die Gruppe unter Federführung von Sänger und Komponist Max Heckel interpretiert, vertont und an einigen wenigen Ecken auch neu getextet. Herausgekommen sind Lieder voller Kritik an selbstgefälligen Menschen und Ironie, die Heckel in Buschs Texten für sich entdeckt hat.

Bewusst hat der Comic-Fan darauf verzichtet, andere Busch-Vertonungen als Grundlage für seine Kompositionen zu nutzen. Vielmehr nutzt der Germanistik-Student seine seit der Schulzeit gesammelte Erfahrung bei der musikalischen Interpretation bekannter Texte der deutschen Literatur – von Goethes „Faust“, über Heinrich Heines „Lorelei“ bis hin zu Walther von der Vogelweides „Under der linden“. Unterstützung bekommt Heckel (Gitarre, Banjo und Geige) von den beiden 18-jährigen Musikern Aron Thalis (Schlagzeuger) und Sängerin Tabiha Harzer (Klavier und Querflöte).

Musikalisch bewegen sich die klassisch ausgebildeten Bandmitglieder aus der Altmark in Sachsen-Anhalt irgendwo zwischen Country, Folk und Pop. Mit klarem Gesang, im Duett oder einander ergänzend – und stets im Mittelpunkt der Stücke. Sprechgesang lässt beim Lied „Ein frohes Ereignis“ aufhorchen. „Der Maulwurf“ kommt mitunter ironisch sächselnd und mit treibendem Gesangstempo daher.

Einige Werke lässt Max Heckel gänzlich unberührt, aus anderen streicht der Komponist manche Verse und hebt so die Bedeutung der übrig gebliebenen hervor. Aus wieder anderen ragen einzelne Zeilen als wiederkehrender Refrain hervor. Derart neu gewoben, hebt die Gruppe Buschs Werke auch textlich ins Hier und Jetzt.

Heckel macht deutlich, dass sich der Humorist aus dem 19. Jahrhundert mit „menschlichen Defiziten, sei es Jähzorn, Selbstzufriedenheit oder Lethargie“ beschäftigt. „Buschs Kritik offenbart unendlich viel zeitlosen Menschengeist“, erklärt der Kammermusiker und schreibt den Bildgeschichten eine Doppelfunktion zu: „Wer es nicht besser kann, der mag in den Versen lustige Anekdoten lesen – wer indes von mehr Geist zeugt, wird den eigenen Kleingeist, den inneren Philister und Ruheliebenden ausfindig machen können.“ Diese „zeitlose Kritik am Leser selbst“ greifen die Künstler auf – wohl wissend, auch selbst nicht immer vor üblen Eigenarten wie Arroganz oder Trägheit gefeit zu sein.

Chapeau: „Claque [klak]“

Prosodia-Verlag, 12 Euro

www.chapeau-band.de

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