Ken Bruen liest heute Abend aus seinen Romanen rund um den irischen Privatdetektiv Jack Taylor

Ärger belebt das Schreiben

Krimi als Kritik: Ken Bruen

Syke - Von Mareike Bannasch(Eig. Ber.) · Seit der Veröffentlichung des ersten Bandes der Jack-Taylor-Reihe erfreuen sich die dunklen Kriminalromane über einen Privatdetektiv mit starken Alkohol- und Drogenproblemen von Ken Bruen immer größerer Beliebtheit. Heute Abend liest der Ire im Bremer Concordia aus den ersten drei Teilen der Reihe. Vorab sprach unsere Zeitung mit dem Autor über Stereotypen und trockenen Humor.

?In diesem Jahr ist Ihnen der Deutsche Krimi Preis verleihen worden. Rund sieben Jahre nachdem der erste Jack-Taylor-Roman im Original erschienen ist. Überrascht Sie der Erfolg in Deutschland?

!Bruen: Ich war sehr überrascht darüber. Zuerst dachte ich, das sei ein Scherz. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass eine private Sicht auf Irland so gut bei den deutschen Lesern ankommen würde. Aber sie verstehen eben den trockenen Humor der Romane.

?Dieser große Erfolg hängt wohl auch mit dem deutschen Übersetzer Harry Rowolt zusammen, dem Urvater der irisch-deutschen Übersetzung. Kennen Sie ihn?

!Wir haben uns das erste Mal während einer Lesung in Hamburg getroffen. Es gab da sofort eine gewisse Chemie. Ich habe sogar gesungen, das mache ich sonst nie. Ich bin mit allen Übersetzern befreundet – das ist wirklich ungewöhnlich. Aber die Übersetzer arbeiten sehr hart und die Autoren ernten die Lorbeeren. Ohne sie wäre mein großer Erfolg nicht möglich.

?Wie kreiert man einen Anti-Helden wie Jack Taylor, der trinkt und seinen Job verliert? Ist er lebenden Personen nachempfunden?

!In der Tat. Jack Taylor ist aus zwei Personen entstanden. Die erste war mein älterer Bruder, zu dem ich ein enge Beziehung hatte. Er hatte wie Taylor ein Alkoholproblem und wurde vor einigen Jahren tot in Australien aufgefunden. Die zweite ist ein guter Freund von mir, der sich umbrachte, während ich den ersten Band schrieb. Die Iren werden gezeigt, wie sie heute sind und welche Probleme, besonders mit Alkohol, momentan akut sind. Außerdem höre ich jedes Jahr im November Jack Taylors Stimme und dann muss ich wieder eine neue Geschichte zu Papier bringen. Insgesamt sind es jetzt neun Bücher und jedes Mal hoffe ich, dass er jetzt verstummt.

?Aus welchem Grund? Sind Sie es leid, sich mit seinem komplexen Charakter auseinander zu setzen?

!Das nicht. Aber es ist anstrengend, sich in diese dunklen Abgründe zu versetzen. Mit all seinen Problemen, angefangen beim Alkoholismus. Da bin ich schon froh, wenn ich die Arbeiten zu einem Buch abgeschlossen habe.

?Beim Betrachten Ihrer eigenen Biografie könnte man den Eindruck gewinnen, dass sie Taylor nicht erfinden mussten, sondern sein Leben gelebt haben. Sehen Sie das auch so?

!Auf jeden Fall. In meinen 20ern habe ich viele Drogen ausprobiert und krumme Sachen gemacht. Doch irgendwann wollte ich Schriftsteller sein, und um das erreichen zu können, musste ich mich ändern. Außerdem wurde ich langsam zu alt für solche Dinge. Es gibt aber zwei starke Gemeinsamkeiten zwischen mir und Jack: Die Liebe zu Büchern und die Hitzköpfigkeit. Letztere kann ich aber ganz gut kontrollieren.

?Es heißt, dass ein Besucher ihrer Heimatstadt Galway, in der auch die Romane spielen, sehr viele Jack Taylors treffen kann. Entspricht das wirklich der Realität?

!Ganz sicher. Viele Iren haben nicht erst seit der Finanzkrise die gleichen Probleme wie er. Aber in der Reihe möchte ich insbesondere mit zwei Stereotypen brechen. Zum einen mit dem Bild des netten Priesters, der sich um alle Schäfchen kümmert. Heute wissen wir, dass das nicht so ist, aber als das erste Buch erschien, gab es viele Anfeindungen. Die Iren konnten nicht verstehen, dass ein Priester einfach nur seine Arbeit macht – ohne sie zu mögen.

Das zweite ist die Beziehung des irischen Mannes zu seiner Mutter. Er muss sie vergöttern. Taylors Mutter ist aber einer sehr arrogante, dabei eher schlichte Person, die man nicht ehren kann. Dafür bin ich auf der Straße angespuckt worden.

?Also sehen Sie ihre Romane auch als Mittel zur Kritik?

!Auf jeden Fall. Besonders in den späteren Fällen, die noch nicht auf deutsch erschienen sind, werden die Machenschaften der katholischen Kirche, gerade auch hier in Irland, zum Thema. Das hat mir zwar viel Ärger eingebracht, aber das mag ich. Ärger belebt das Schreiben.

?Der erste Teil der Reihe wurde bereits fürs Fernsehen verfilmt. Weitere Kinofilme sind abgedreht oder in Arbeit. Wie stehen Sie als Autor zu der Adaption Ihrer Romane für das Fernsehen?

!Der erste Film bekam sehr gute Kritiken und wird im November auch im deutschen Fernsehen zu sehen sein. In einem der neuesten Filme spiele ich sogar einen Priester. Das ist natürlich die pure Ironie. Aber ich bin sehr zufrieden und glücklich darüber, dass die Romane auch ins Kino kommen.

Ken Bruen liest heute um 19.30 Uhr im Bremer Concordia aus der Jack-Taylor-Reihe.

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