Bedrich Smetanas „Die verkaufte Braut“ am Stadttheater Bremerhaven

Aber böhmisch muss es sein

Hoch geht‘s her: Reto Raphael Rosin (Hans, l.) und Bart Driessen (Kecal). ·
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Hoch geht‘s her: Reto Raphael Rosin (Hans, l.) und Bart Driessen (Kecal). ·

Von Wolfgang DenkerBREMERHAVEN · Es wird viel getrunken, getanzt und gerauft in Böhmen. Und geliebt natürlich auch. Marie liebt Hans und Hans liebt Marie. Die soll aber Wenzel heiraten, den Sohn des reichen Grundbesitzers Micha. So wollen es ihre Eltern und der Heiratsvermittler Kecal. Hans verzichtet für 300 Gulden auf Marie, aber unter der Bedingung, dass sie nur den Sohn des Micha heiraten darf. Der kleine Trick dabei: Hans ist der lange verschollen geglaubte Sohn Michas aus erster Ehe.

„Die verkaufte Braut“ ist die erfolgreichste Oper des tschechischen Komponisten Bedrich Smetana. Regisseur Hinrich Horstkotte hat sie liebevoll und werkgetreu in Bremerhaven inszeniert (in deutscher Sprache). Da wurde nichts verbogen, aktualisiert oder verfremdet – alles frei nach dem Motto „Aber böhmisch muss es sein“. Das beginnt schon mit den sehr aufwändigen, zauberhaften Bühnenbildern von Martin Dolnik: Ein dörflicher Platz vor dem Gasthof, ein kleiner Stall, ein Innenhof und ein großräumiges Wirtshaus mit bunten Lampions, Schankanlage und Tanzfläche. Die Schauplätze wechselten mittels Drehbühne nahtlos ineinander über. Allein diese Optik sorgte schon für pures Entzücken.

Dazu kam die mit vielen Details angereicherte Regie, die zwar am Anfang bei der dörflichen Hochzeit noch etwas bieder daherkam, aber im Laufe der Aufführung immer mehr an Fahrt aufnahm. Der glatzköpfige, bebrillte Kecal radelte mit einem Fahrrad auf die Bühne und wirkte in seinem karierten Anzug wie ein schmieriger Winkeladvokat. Sein alkoholintensives Duett mit Hans gipfelte in einem skurrilen Tanz der beiden. Eine köstliche Szene. Und es hagelt Ohrfeigen, die Marie freigiebig an Kecal und auch an Hans nach seinem vermeintlichen Verrat verteilt. Der bezieht sogar von der empörten Dorfgemeinschaft eine saftige Tracht Prügel. Man ist eben impulsiv und wenig zimperlich in Böhmen.

Auch die Zirkustruppe mit ihrem vergnüglichen Direktor (Vladimir Marinov) wurde von Horstkotte mit viel Phantasie, Witz und kleinen Zauberkunststücken eingeführt. Die Regie überzeugte oft auch mit winzigen Details, zum Beispiel die Mutter, die mit ihrem Sohn den Festplatz verlässt, weil die zersägte Jungfrau nicht jugendfrei ist, oder der ständig über die Bühne schlurfende Greis, dem man die Ereignisse erklären muss. Kleinigkeiten, die aber in ihrer Gesamtheit ein liebevolles Bild des dörflichen Lebens ergaben.

Die Marie sang Katja Bördner. Die Sängerin ist das wohl profilierteste Ensemblemitglied in Bremerhaven und hat bis jetzt in jeder Rolle begeistert. Nicht anders bei der Marie, die sie mit leuchtendem und warm timbriertem Sopran gestaltete, zudem darstellerisch temperamentvoll und mit viel Gefühl verkörperte. Auch Reto Raphael Rosin machte als jungenhafter, burschikoser Hans eine gute Figur. Sein Tenor klingt in der mittleren Lage angenehm und rund. Nur mit den Höhen hat er so seine Mühe. Bart Driessen hat für den Kecal nicht unbedingt das notwendige Bassfundament, schöpfte aber sein bemerkenswertes komödiantisches Talent voll aus.

Den stotternden, tollpatschigen Wenzel profilierte Thomas Burger mit prägnantem Charaktertenor. Allerdings wurde die Figur von der Regie überzeichnet. Einen derartigen Schwachkopf hätte wohl auch die bezaubernde Esmeralda (Franziska Krötenheerdt) nicht genommen. Die Elternpaare (Peter Kubik und Svetlana Smolentseva beziehungsweise Andrey Telegin und Kathrin Verena Bücher) wurden durch die bäuerlichen und dandyhaften Kostüme gut charakterisiert. Für erfrischende Tupfer sorgte die Choreographie von Sergei Vanaev bei der übermütigen Polka und beim Tanz der Komödianten.

Der Chor (Einstudierung Ilia Bilenko) drehte mitunter etwas zu mächtig auf, erfüllte seine Aufgaben aber insgesamt sehr gut. Das kann man im Großen und Ganzen auch vom Städtischen Orchester unter der Leitung Stefan Veselka sagen, auch wenn die Ouvertüre noch etwas abgehackt und „zackig“ ertönte. Aber Dirigent und Orchester fanden schnell zum beschwingten, süffigen und rhythmischen Tonfall der Musik Bedrich Smetanas.

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