200 000 Zuschauer schunkeln bei Freimarktumzug

Bremen - Rund 200 000 Zuschauer verfolgten am Samstag den Bremer Freimarktumzug. Um die zu begeistern, verteilten die Karnevalisten alles Mögliche: Neben den klassischen Bonbonregen wurden auch Brötchen, Bananen und Bismarckhering unters Volk gebracht.

Lange Schatten kriechen über den Asphalt. Ein Trommelwirbel, eine Fanfare, dann verhaltener Applaus vom Straßenrand. Ein herannahender Partywagen kündigt sich durch wummernden Bass an, ein Bonbonregen geht auf die Zuschauer am Straßenrand nieder und ist dann auch gleich wieder vorbei. Trotz Sonnenschein müssen sich die Bremer beim Freimarktumzug am Samstag erst warm feiern. Doch mit jeder vorbeiziehenden Gruppe steigt die Stimmung. Die Kinder werden flinker beim Bonbonaufsammeln, die ersten Bierflaschen zischen, und bald fangen auch ein paar Schaulustige an, zur Musik mitzuschunkeln.

Die ersten Fotos

Die ersten Bilder vom Freimarktumzug

146 Gruppen mit mehr als 3000 Teilnehmern ziehen zu Fuß oder auf Festwagen von der Bremer Neustadt Richtung Innenstadt. Rund 200 000 Zuschauer verfolgen nach Angaben der Veranstalter den drei Kilometer langen Festzug. Von all dem Krach durch Posaunisten und Bassverstärkern bekommt Emil Bölling vom Sittensener Fahrzeugmuseum nicht viel mit. Er fährt in der vorderen Hälfte des Zuges einen alten Lastwagen, dessen Motor im Fahrerhäuschen untergebracht ist und selbst einen Heidenlärm macht.

„Das ist in erster Linie, um Werbung zu machen“, sagt Bölling über die erste Freimarkt-Teilnahme seines Vereins. „Aber wir hoffen auch, den Zug zu bereichern.“ Alkohol, wie er in Strömen auf den anderen Festwagen fließt, gibt es im nostalgischen Militärlaster von Bölling allerdings nicht.

Obwohl die größte Party auf den Festwagen selbst steigt, animieren die Karnevalisten, Tänzer und Vereinsleute auch die Zuschauer am Straßenrand. Da wird Bier ausgeschenkt, Wurst und Brötchen werden verteilt, Bananen, Äpfel und Bonbons geworfen. Schüler Jörg Heinrich von der Organisation „Slow Food“ verteilt sogar Sauerkrautsalat mit Bismarckhering. „Wir werben für gesundes Essen“, sagt er. Und das auf dem Freimarkt, wo sonst Liebesäpfel, gebrannte Mandeln und Würstchen Hochkonjunktur haben.

„Es ist egal, was verteilt wird, solange die Kinder etwas zum Sammeln haben“, sagt Paula Glück. Ihr zweijähriger Sohn ist völlig auf den Umzug konzentriert, um keinen Bonbonschauer zu verpassen. Ablenken lässt er sich aber doch von besonders faszinierenden Kostümen oder Festwagen: Im Gewühl erkennt er SpongeBob und blickt mit offenem Mund einem großen rosa Drachen hinterher. Und damit ist die Kreativität des Umzugs nicht erschöpft: Da fährt ein Ameisenhaufen vorbei, Hippies feiern Woodstock nach, und zwischen den Wagen schlängelt sich ein uraltes Fahrrad vorbei. „Es wird nicht langweilig“, sagt Zuschauerin Ursula Werner, für die der Umzug jedes Jahr das Highlight des Freimarkts ist.

Gegen Nachmittag wählt eine siebenköpfige Jury den schönsten Festwagen und die beste Fußgruppe. Der Umzug endet dann am Hauptbahnhof. Damit feiert Bremen auch die Halbzeit des Freimarkts, der in diesem Jahr sein 975. Jubiläum feiert. Das Volksfest geht noch bis zum 31. Oktober.

Von Denise Müller, dpa

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