Heiko Fortmann steht mit Imbissbuden und Karussell auf dem Freimarkt

Familie seit 92 Jahren als Schausteller unterwegs

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Heiko Fortmann ist mit Schießbuden, mehreren Fischwagen und einem Kettenkarussell zu Gast auf dem Bremer Freimarkt. ·

Bremen - Von Nadine Reiter · Wenn sich ab heute auf der Bremer Bürgerweide die ersten Karussells drehen und der Duft von gebrannten Mandeln über den Platz zieht, ist von den aufwendigen Vorbereitungen nichts mehr zu spüren. Schon vor gut einer Woche füllte sich die Bürgerweide nach und nach mit Campingwagen. Schausteller von nah und fern waren angereist – so auch Heiko Fortmann aus Stuhr.

Bereits um 5 Uhr in der Früh war er Ende vergangener Woche mit seinen Verkaufsbuden und dem Wohnwagen in der Hansestadt angekommen. „Wer später kommt, kann das Pech haben, für seinen Wohnwagen keinen Platz mehr direkt an seiner Bude zu bekommen.“ Dann müsse man täglich zu seinen Buden fahren, viel Zeit und Nerven investieren, berichtet der 42–Jährige aus Erfahrung.

Er ist der Kopf des Stuhrer Familienunternehmens „Schaustellerbetrieb Fortmann“. Seit 92 Jahren ist seine Familie in der Branche tätig, seit 2004 führt Heiko Fortmann den Betrieb. In diesem Jahr ist er zusammen mit seiner Frau Anchalee (39), seinem Team, vier Fischwagen, vier Schießwagen, zwei Wurstbuden und einem Kettenkarussell nach Bremen gekommen. „Ohne zuverlässige Angestellte und die Hilfe der Verwandtschaft wäre das ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt er.

Die Haupteinnahmequelle sind mit über 50 Prozent die Fischwagen. Im Vergleich zu den Schießbunden würde der Umsatz vier bis fünf Mal so hoch sein. „Obwohl wir insgesamt immer weniger verkaufen“, ergänzt der Schausteller. Dabei sei das Fischangebot wie jedes Jahr gleichbleibend. Vor allem Bismarckhering- und Krabbenbrötchen wandern, wenn auch weniger, über die Verkaufstheke.

Eng mit dem Verkauf der Leckerbissen sind in jedem Jahr auch die Hygienevorschriften verbunden. „Schausteller unterliegen weit strengeren Auflagen, als die ortsgebundenen Imbisse und Restaurants.“ Bei jedem Fest komme ein Kontrolleur unangemeldet vorbei und schaue sich ganz genau um. „Es gibt sogar Geräte, die den Verschmutzungsgrad von flüssigem Fett testen können.“

Doch damit nicht genug. Jeder Schausteller, der Lebensmittel verkauft, ist verpflichtet, Zusatzstoffe für den Verbraucher kenntlich zu machen. Vor einigen Jahren hatte Fortmann die Zusatzstofflisten an den Seiten seines Wagens, und nicht direkt vor der Brötchenauslage angebracht. 80 Euro Strafe musste er deshalb zahlen. „Dabei habe ich doch nur logisch gedacht. Die Leute kommen schließlich von links oder rechts, da fallen die Listen doch sofort ins Auge.“

Immer neue Vorschriften 

Nun ist noch eine neue Vorschrift hinzu gekommen: Sobald ein Lebensmittel den Farbstoff E124/E110 enthält, wie auch der Schnitzellachs, muss Folgendes vermerkt werden: „Farbstoff E124/E110 kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen.“ Mehr als ein Schmunzeln hat der Verkäufer dafür nicht übrig.

Was ihn weit mehr geärgert habe, sei die Aussage des Veranstalters vor einigen Jahren gewesen: „Ihr Wagen Fisch-Delikatessen ist zu schlicht.“ Die Aufmachung sei nicht auffällig und aufwendig genug gestaltet, da könne Fortmann auch keinen guten Standplatz erwarten.

Abgesehen von den kleinen Ärgernissen ist Fortmann „immer wieder gerne“ auf dem Bremer Freimarkt. Neben dem Brokser Heiratsmarkt und dem Stoppelmarkt in Vechta sei dies ein Höhepunkt des Jahres. Insbesondere die vielen Familien sorgten auf dem Freimarkt immer wieder für eine angenehme Atmosphäre.

Von April bis Oktober ist er in der ganzen Region um Bremen und Diepholz unterwegs. „Während dieser Monate habe ich immer eine Sieben-Tage-Woche. Erst im Winter ist ein wenig Zeit zum Erholen“, sagt der Schausteller.

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