Seit 974 Jahren Tradition

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Erst Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Freimarkt zu einem Vergnügungsmarkt.

Bremen – Alles fing mit einem Warenmarkt an. Als Kaiser Konrad II. Im Jahre 1035 Bremen die Jahrmarktsgerechtigkeit verlieh, konnte noch keiner erahnen, dass sich daraus eines der ältesten und größten Volksfeste Deutschlands entwickeln sollte.

Zweimal im Jahr, jeweils in der Woche vor Pfingsten und dem Willehadfest, wurde der Stadt erlaubt, einen Jahrmarkt auf dem Kirchhof „Unser Lieben Frauen“ abzuhalten. Erst 1710 wurde der Frühjahrstermin abgeschafft. Da es dabei keine Beschränkungen gab, durften auch Krämer und Wandersleute ihre Waren verkaufen. Bis 1793 war es immer der Kaiser, der den Kaufleuten die Erlaubnis zum Markt erteilte, erst im Anschluss entschieden die Bremer, ob und wann sie den Markt haben wollten.

Die erste Erwähnung des Freimarkts erfolgte erst rund 300 Jahre nach dem ersten Jahrmarkt. Nachdem der Rat der Stadt die Markthoheit erhielt, wurde im Jahr 1339 der Name Freimarkt erstmals offiziell erwähnt. Doch bis ins 15. Jahrhundert gab es eigentlich nur ein Markttreiben. Erst mit dem fahrenden Volk, also Gaukler, Spielleute, Marktschreier und Wahrsager kamen die Vergnügungsstände nach Bremen. Für Aufsehen sorgte im Jahre 1445 ein exotisches Tier. Ein Löwe war auf dem Freimarkt zu bestaunen, ab dem 17. Jahrhundert kamen noch dressierte Bären, Affen und Dromedare hinzu. Aber auch der Mensch wurde gnadenlos ausgestellt. Der „Hottentott“ aus Afrika (1687), die 68 Zentimeter „kleine Mademoiselle“ (1799) oder der am ganzen Körper beharrte „Löwenmensch Lionel“ (1938) wurden ausgestellt.

Trotz der Gaukler und anderen Schaustellern blieb der Freimarkt für rund 750 Jahre ein Warenmarkt. Erst am Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte er sich langsam zu einem Vergnügungsmarkt. Erstmals gab es 1809 ein Karussell, das damals noch mit einer Handkurbel betrieben wurde.

Mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Bremen-Hannover erlebte der Markt einen regelrechten Aufschwung. So konnten nicht nur die Menschen von außerhalb nun den Freimarkt besuchen, sondern auch die Schausteller hatten die Möglichkeit, größere Fahrgeschäfte zu transportieren.1857 kam der Hau den Lukas in die Hansestadt, eine Drehorgel folgte dreizehn Jahre später. Für Stimmung sorgten auch die 1881 erstmals aufgebaute Schiffsschaukel sowie die Berg- und Talfahrt 1890.

Mit der immer größeren Beliebtheit ergab sich für die Organisatoren aber auch ein Problem: der Markt wurde immer größer. Über den Domshof, den Rathausplatz, die Domsheide, dem Bahnhofsplatz, dem Rembertiviertel bis in die Hohenloherstraße reichte er 1889. Da sich gleichzeitig die Innenstadt durch die Bebauung verdichtete, dehnte sich der Freimarkt 1890 in die Neustadt aus, wo er auf der großen Freifläche Grünenkamp einen Platz fand. Ab 1919 einigte man sich darauf, das Fest nur noch dort zu veranstalten – eine Vereinbarung, die 15 Jahre später wieder aufgehoben wurde. 1934 zog der Freimarkt wieder zurück auf die rechte Seite der Weser auf die Bürgerweide, wo er auch heute noch seinen Platz hat. Neben der großen Veranstaltung gibt es aber auch noch den Kleinen Freimarkt, der zeitgleich auf dem Bremer Marktplatz in der Innenstadt stattfindet sowie den Historischen Freimarkt rund um die Unser Lieben Frauen Kirche.

Mit rund vier Millionen Besuchern ist der Freimarkt mittlerweile der größte Markt Norddeutschlands und einer der größten bundesweit. Auf einer Fläche von über 100000 Quadratmetern sind in diesem Jahr 345 Schausteller zugelassen, darunter 32 Fahrgeschäfte und 18 Kinderfahrgeschäfte.

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