Wenn Freimarkt ist, kann der Wetterfrosch einpacken

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Trotz grauer Wolken am Himmel dreht die Wilde Maus unbeirrt ihre Runden.

Bremen - Von Kristina Gottschlich · Regen, Kälte, Wind – das Wetter zum Freimarkt zeigt sich in diesem Jahr nicht gerade von seiner besten Seite. Doch stört es eigentlich irgendjemanden, wenn es Bindfäden regnet und die Temperatur gefühlt um den Gefrierpunkt pendelt? Wir haben vor Ort nach Antworten gesucht.

Sonnabends auf dem Freimarkt: Es regnet wie aus Eimern. Wer von oben noch nicht nass ist, für den hält die Bürgerweide zahlreiche Pfützen bereit. Die Temperaturen bemühen sich ebenfalls, einen Teil zum Schlechtwetter-Gesamtpaket beizutragen. Trotzdem ist es auf dem Freimarkt voll. So voll, dass an ein zügiges Vorankommen nicht zu denken ist. Auf den zweiten Blick fällt allerdings auf: In den Gläsern der Besucher schwappt zurzeit eher selten ein kühles Bier. Vielmehr dampft es allerorten, Heißgetränke sind der Renner. Ob Glühwein, Lumumba oder Eierpunsch – die Geschäfte für die Heißgetränkeverkäufer laufen gut.

„In der ersten Woche wurde eindeutig mehr Glühwein getrunken“, bestätigt Gerhard von Salzen, Inhaber von „Bärbels Moorkate“. „Ich habe auch noch nie so viel Kinderpunsch verkauft wie in diesem Jahr.“ Die Planungen des Vorjahres hat er auf jeden Fall schon überschritten. Sorgen macht er sich deshalb nicht, denn im Hinblick auf den stetig näher rückenden Weihnachtsmarkt hat er bereits einen großen Vorrat an heißen Getränken eingelagert. Und sollte das letzte Oktoberwochenende noch golden werden, kann er die Besucher auch mit Kaltgetränken verwöhnen. In der „Friesendiele“ geht Heißes derzeit ebenfalls deutlich besser als Bier. „Besonders beliebt sind Glühwein und Lumumba“ sagt Wirtin Sabine Fischer. Glühwein mit Schuss bedeutet bei ihr aber nicht zwangsläufig Rum. Es darf auch Amaretto oder sonst ein alkoholischer Zusatz sein. Mit dem Wetter hadert sie keineswegs, im Gegenteil. „Es ist Oktober, da muss man damit rechnen“, nimmt sie es gelassen. „Das ist eben Freimarktswetter.“ Ähnlich sehen es die Kollegen bei „Hanse-Kogge“, „Scheune“ und „Schwarzwaldmühle“. Überall fließt der Glühwein – vielleicht nicht in Strömen, aber doch üppig.

Einen Drehwurm bekommen kann man auf dem Freimarkt auch ohne Glühwein, zum Beispiel im Olympia-Looping. Der kann übrigens bei jedem Wetter fahren, wie Inhaber Rudolf Barth betont. „Bei Sturm werden unsere Fahnen eingeholt, aber das ist schon alles“, sagt der Schausteller. Von Regen, Wind oder Kälte lässt sich die Loopingbahn nicht lahmlegen, selbst Eis und Schnee sind kein Hindernis. „Problematisch ist es nur, wenn es nachts schneit“, sagt Barth. Dann muss am nächsten Tag nämlich der Schnee in Handarbeit von den Gleisen weggeräumt werden, was für die Mitarbeiter wahlweise eine Kletterpartie oder eine Fahrt mit dem Montagekorb bedeutet. Wetterfest ist auch das 55 Meter hohe Europa-Riesenrad der Familie Kipp. Lediglich Sturm kann zu einem Problem werden. Nicht für das Rad selbst, das mit seinem Gesamtgewicht von 380 Tonnen nahezu unverwüstlich ist. Anders sieht es bei den Gondeln aus, die bei extrem starken Windböen ins Schaukeln geraten könnten. „Bevor das passiert, ist es aber schon so stürmisch, dass ohnehin keiner mehr über den Freimarkt geht“, meint Erni Kipp. Bei welcher Windstärke ihre Familie den Betrieb des Riesenrades einstellen muss, legt das Baubuch fest.

Baubücher gibt es für jedes Fahrgeschäft und darin steht ganz genau, unter welchen Bedingungen beispielsweise der Wellenflug abheben oder der Rocket in die Höhe steigen darf. „Unser Fahrgeschäft hat einen Windmesser, der bei zu großen Windstärken ein Signal an den Computer gibt“, erklärt Michaela Goetzke, die zusammen mit ihrem Mann den Rocket betreibt. „Dann kann keine Fahrt mehr gestartet werden.“ Am Ende sei aber auch der gesunde Menschenverstand ausschlaggebend. „Den schalten wir wegen des Computers ja nicht aus“, sagt die Schaustellerin.

Übrigens: Zum bevorstehenden Freimarktsfinale dreht der Wetterfrosch noch einmal richtig auf. Die Prognosen sagen für Sonnabend Temperaturen bis zu 16 Grad voraus, am Freitag und Sonntag schafft es das Thermometer voraussichtlich bis auf 14 Grad. Sogar die Sonne soll sich laut Wettervorhersage über Bremen blicken lassen. 

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