Marathonmann Lettner im Interview

"Es geht um Freundschaften, ums Weitermachen und Nichtaufgeben"

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Marathonmann Sänger Michael Lettner: "Das Reload sollte das größte sein." Foto: Tom Wunderlich - http://www.flickr.com/photos/tomtompictures/sets

Sulingen / München – Wer rannte damals nicht mit einem selbst gebastelten Schwert im Garten herum und hatte große Träume? Kindheitsträume, die verblassen, wenn die Zeit weiterläuft.

„Holzschwert“ heißt das neue Album der Band Marathonmann, das es seit ein paar Tagen gibt. Die Münchener Posthardcore-Band wird dieses Werk beim Reload-Festival vom 5. bis 7. Juli auch in Sulingen vorstellen. Wir sprachen mit Sänger Michael Lettner.

Marathonmann sind viel unterwegs, andauernd auf Tour. Gibt es da in der Band eine Vorliebe für Auftrittsorte? Club, Halle oder Festival?

Michael Lettner: Nein, eigentlich nicht. Wir spielen alles super gerne. Was wir nicht mehr so gerne haben, sind kleine Sachen. Also kleine, heruntergekommene Miniclubs, denn dort können wir nicht mehr die Power bringen, die wir sonst transportieren. Eine Minibühne und Catering, Merchandise-Stand und Technik im selben Raum erschweren die Auftritte. Aber sonst sind kleine Clubshows in einem schönen Laden cool. Festivals spielen wir am liebsten, das ist immer super.

Ist das Reload-Festival für Sie der größte Auftritt in diesem Jahr?

Wir spielen noch beim „Mair 1 Open Air“ im Westerwald oder auch beim „Traffic Jam Open Air“ in Dieburg, welche recht groß sind, aber ich denke, das Reload sollte das größte sein.

Marathonmann passen in die Punk-, Hardcore- und Metal-Mixtur des Reload ganz gut rein.

Ja, das finden wir auch. Damit sind wir sehr zufrieden. Eine echt coole Sache.

Mit den Donots oder Kmpfsprt haben Sie zusammen Songs produziert. Gibt es Bands bei dem Festival, die Sie gerne hören?

Hmmm... Motörhead ist auf jeden Fall gut, mit denen zu spielen ist geil und die Emil Bulls aus München sind ja auch dabei.

Sie haben eine Cover-Version eines Motörhead-Songs gemacht...

Ja genau, den Song „Bite the Bullet“ kann man exklusiv bei iTunes zu unserem Album bestellen. Das Stück ist im Studio für einen Sampler der Zeitschrift Metal Hammer entstanden, kam dann aber nicht mit auf die CD und nun haben wir uns gedacht, wir hauen das exklusiv über iTunes raus. Es war aber eher ein Spaß.

Kann der Festivalbesucher erwarten, dass Sie den Song auch beim Reload spielen?

Wir überlegen die ganze Zeit und müssen schauen. Ist ja irgendwie auch blöd, wenn Motörhead den Song spielen und wir covern ihn dann. Aber mal sehen, vielleicht spielen wir ihn ganz spontan.

Am 22. März erschien Ihr Album „Holzschwert“. Warum hat es nach der EP „Die Stadt gehört den Besten“ so lange gedauert, bis Sie ein Album veröffentlichten?

Die Münchener Posthardcore-Band Marathonmann

Wir hatten schon im Juni aufgenommen, es wurde gemischt und dann haben wir uns überlegt, welche Gastsänger - wir wollten unbedingt welche – mit auf das Album sollen. Nach Rumfragen und Nachdenken hat alles nicht so funktioniert und wir haben uns an befreundete Bands gewandt. Wir wollten nicht diese und jene Persönlichkeit drauf haben, damit das Album besser läuft, sondern Typen, die wir gerne haben. Wir haben uns dann für Adolar-Sänger Tom Mischok für den Song „Räume“, Richard Meyer von Kmpfsprt für „In den Trümmern deine Sätze“ und Guido Knollmann von den Donots für „Wir sind immer noch hier“ entschieden. Aber wir wollten uns beim ersten Album Zeit lassen, um es so hinzubekommen, wie wir es haben wollten. Ich denke, die Wartezeit hat sich gelohnt.

Das Album haben Sie komischerweise im Norden aufgenommen. Wie kommt eine Münchner Band dazu, in Oldenburg ins Studio zu gehen?

In Oldenburg in der Tonmeisterei hat die Band Escapado aufgenommen, die mögen wir sehr und finden den Sound ihrer Platte ziemlich gut. Der Sound ist authentisch, sag ich mal, also nicht überproduziert. Es knallt so richtig. Wir haben uns zudem entschlossen, weit weg aus München zu fahren, um unsere Ruhe zu haben, damit wir uns komplett auf die Aufnahmen konzentrieren können. Wir haben also auch im Studio geschlafen. Es war die beste Entscheidung. Mit Robin Völkert hatten wir zudem einen echt guten Produzenten, von dem wir viel gelernt haben.

Im Pressetext zum neuen Album steht, dass Sie ehrlich und echt seien. Sie sagten selbst, der Sound solle authentisch sein. Warum ist das wichtig?

Wir wollen authentisch sein und bleiben, aufgesetzte Sachen mögen wir nicht. Wir sind auf der Bühne und wenn man mit uns redet, immer genau so, wie wir sind. Wir verstellen uns nicht und unseren Sound nicht. Wir haben versucht, unsere Musik so auf die Platte zu bringen, wie sie auch live klingt. 1000 Keyboards oder zehn Gitarren übereinander sind nicht unser Ding. Auch die Texte sollen nichts super Ausgedachtes sein, über tiefe Liebe oder irgendeinen Schmarrn, sondern Persönliches, Erlebtes oder Dinge von denen wir Ahnung haben.

Zu wie viel Prozent stecken Sie also in den Texten?

Eigentlich zu 100 Prozent. Ich schreibe meine Gedanken, oder was ich erlebt habe, nieder. Es gibt in dem Album keine speziellen Situationen, sondern es ist eher allgemein gehalten. Es geht um Freundschaften, ums Weitermachen und Nichtaufgeben. Dann kann jeder aus dem Text ziehen, was er möchte.

In vielen Texten geht es um den Sinn, um Träume, um die Frage, wann der Zeitpunkt gekommen ist, alles aufzugeben. Warum beschäftigen Sie gerade diese Themen?

Im März wurde ich Dreißig. Man wird immer älter und denkt über Vergangenes aus den Kindheitstagen nach - wie bei dem Song Holzschwert. Über die Träume, die man hatte, die man verwirklichen wollte, aber irgendwie nie gemacht hat. Und ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich denke, vielleicht sollte ich ein paar Sachen, die ich früher machen wollte, doch noch in Angriff nehmen. Beruflich neu orientieren oder nochmal eine Jahrhundertparty feiern, was man schon immer wollte. Nur so als Beispiel. Ich mache mir halt Gedanken.

Bis Mitte April haben Sie 2013 schon 16 Konzerte gespielt. Leben Sie damit nicht einen ihrer Träume gerade?

Doch, auf jeden Fall. Ich lebe meinen Traum. Aber es gibt ja auch andere Träume, die man verwirklichen sollte. Ich mache mittlerweile seit zehn Jahren Musik und jetzt funktioniert es halt mal so langsam, ich habe halt nie aufgegeben. Auch das ist in den Songs drin.

Ihre EP gab es in drei verschiedenen Platten-Versionen. Gibt es in Ihrer Band einen Plattensammler? Oder warum stellen sie diese Liebhaberstücke her?

Ich kaufe mir noch alles auf Vinyl. Da bin ich auch der einzige in der Band. Mit Vinyl hat man etwas in der Hand, mit einem schönen Artwork. CDs werden gebrannt und kosten einen Euro, aber eine Platte hat noch ihren Wert, vor allem, wenn sie dann noch verschiedene Farben hat. Ich als Sammler fand das natürlich total cool. Wir haben aber auch bemerkt, dass es im Hardcore, Post-Punk-Bereich viele Vinylliebhaber gibt. Das Album „Holzschwert“ gibt es auch als Platte, 100 Stück sind limitiert im roten Vinyl. Es ist eine andere Art Musik anzuhören, wenn man eine Platte auflegt oder den Computer anmacht und eine Playlist ablaufen lässt.

Wie wichtig sind die sozialen Netzwerke für eine Band? Sie nutzen Facebook, Twitter, Instagram. Und bedienen Sie die Kanäle selbst?

Ja, wir machen es noch selber. Ich finde es eine gute Sache, die Leute, die uns mögen, auf dem Laufenden zu halten. Unser Gitarrist Robin Konhäuser bedient hauptsächlich Twitter und Instagram. Ich persönlich muss mich allerdings noch an Twitter gewöhnen, auch bei Facebook bin ich nicht so aktiv. Ich finde es aber wichtig, sich dort als das, was man ist, zu präsentieren. Dadurch kann man viel aussagen.

Warum sollten sich die Festivalbesucher Ihren Auftritt anschauen?

Ich bin überzeugt von unserer Live-Show. Ich denke, unsere Musik ist noch nicht überlaufen.

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