Mit Flatterband gegen die Zuschauermassen

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Oliver Kastens aus Syke leitet einen Sicherheitsdienst.

Syke - Von Pascal Faltermann. Die Augen schauen aufmerksam Richtung Publikum. Kein Blick zurück zur Bühne. Das ganze Konzert über. Eine Absperrung trennt Oliver Kastens aus Syke von den Festivalbesuchern. Zehntausende blicken zur Bühne, aber ihn sehen sie nicht.

Oliver Kastens aus Syke leitet einen Sicherheitsdienst.

Reload, Hurricane, Rock am Ring, Deichbrand, Highfield – die Liste der Festivals von Kastens ist lang. Doch von den zahlreichen Bands wird er nur wenige auf der Bühne sehen. Er leitet den Sicherheitsdienst OKS Security und kümmert sich um den Schutz der Veranstaltung. Die Mitarbeiter überprüfen auf dem Gelände Personen. Sie stehen an der Einlasskontrolle, im Bühnengraben oder vor dem Backstage-Bereich. Ein Knochenjob, denn zehn Stunden am Stück sind die Männer und Frauen häufig im Einsatz. Vor allem direkt vor der Bühne bedeutet dies kraftraubende Arbeit. Die Sicherheitskräfte ziehen erschlaffte Körper aus dem Publikum: Gäste, die nicht mehr stehen können, dehydriert sind oder denen es einfach zu viel wird in der Festivalmasse.

Beim Reload-Festival (5. bis 7. Juli) hatte Oliver Kastens im vergangenen Jahr 67 Personen im Einsatz, 15 davon in der Nachtschicht. „Dieses Jahr werden es sicherlich ein paar mehr“, sagt er. In zwei bis drei Schichten arbeitet das Personal, je nachdem, wie groß der anfallende Aufwand ist. Und so eine Großveranstaltung muss gut geplant sein. Deeskalationspolitik, Situationskontrolle und das vor allem die Kommunikation stehen im Vordergrund. Schon im Vorfeld muss sich Kastens Gedanken über Dinge wie Crowd-, Risiko- oder Notfallmanagement machen. Das sind Statistiken und Pläne, wie in bestimmten Situationen reagiert werden muss.

„Die Versammlungsstättenverordnung ist eine der Grundlagen. Meine Sicherheitskräfte müssen Notausgänge, Bühnenbarrier und Breiten von Rettungswegen mit im Blick haben“, erklärt Kastens, der in seinem Unternehmen in Syke Schulungen gibt.

Für das Festival selbst plane er in drei Phasen. Erstens die Anfahrt: Bei der Anreise befinden sich die Menschenmassen an einem anderen Punkt als während des laufenden Festivals. Also müssen anfangs Wege, Eingänge und Parkplätze abgesperrt und kontrolliert werden. Zweitens die Anwesenheit: Während des Festivals stehen die Bühne und der Backstagebereich im Mittelpunkt. Dort trifft sich der tanzende und feiernde Pulk an Menschen. Über den Parkplatz laufen dann wesentlich weniger Sicherheitskräfte. Drittens die Abfahrt: Die Abreisenden verlassen das Festivalgelände, strömen Richtung Zeltplatz und dann zum Parkplatz. Der Abfluss muss gewährleistet sein.

Nach diesen drei Punkten muss Sicherheits-Chef Kastens seine Leute einsetzen. Er selbst steht dabei nicht mehr so häufig im „Graben“. Er kümmert sich mit seiner Kollegin Ronja Meggers um die Koordination der Einsatzkräfte. Die beide sind die Einzigen, die bei OKS Security festangestellt arbeiten. Fast alle anderen Kräfte arbeiten auf 400-Euro-Basis.

In seinen Teams sind nicht wie erwartet nur Zwei-Meter-Männer mit Bodybuilder-Statur. „Die typischen Sportstudio-Typen brechen häufig nach ein paar Stunden ab“, so Kastens. Sportliche Personen mit viel Durchhaltevermögen seien ihm da lieber.  

Beim Reload-Festival mag Security-Head Kastens, dass die Campingplätze in der Nähe sind und viele Zuschauer zwischen den Konzerten zurück zu ihren Zelten gehen. „Beim Rock am Ring oder dem Hurricane bleiben die Leute im Infield, weil die Wege wesentlich weiter sind.“ Das sorgt beim Reload für etwas Luft zwischendurch.

Stolz ist der OKS-Inhaber auf sein Flatterband-System bei den Einlässen. Mit dem Band teilen seine Kräfte die anstehende Masse in mehrere Abschnitte. „Damit nehmen wird den Druck von den Eingangstoren. Dabei ist die Kommunikation der Schlüssel, damit die Gäste die Bänder nicht zerreißen.“ Sowieso ist die Kommunikation bei Karstens besonders wichtig. Seine Mitarbeiter fangen auch mal an zu tanzen oder fordern die Menschen zum Singen oder zur La Ola auf. Mit einem wichtigen Ziel: Etwas Bewegung in der Masse bringt Luft zwischen die Menschen und löst den Druck.

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