Donots-Gitarrist Guido Knollmann:

„Ich will ihn nochmal, diesen Höllenritt “

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Die typischen Rockstar-Posen hat Guido Knollmann, Gitarrist und Sänger von den Donots, bestens drauf. 

Sulingen - Von Pascal Faltermann. Wenn der erste Gitarrenriff erklingt, ist Guido Knollmann bei 100 Prozent. Er springt, kniet, rennt und haut in die Saiten. Gemeinsam mit seinem Bruder Ingo gibt er bei der Band Donots den Ton an.

Der Gitarrist und Sänger war mit seiner Band gerade zum ersten Mal in Amerika auf Tour. Im Sommer kommt er zum Reload-Festival (5. bis 7. Juli) nach Sulingen.

Hey, wie geht’s?

Guido Knollmann: Super, ich hab lange geschlafen und war gerade joggen, meine Freundin war mit dem Fahrrad dabei und musste sechs Mal anhalten, aber sonst ist alles gut.

Die Band ist gerade aus den USA zurück. Wie war es?

Knollmann: Das war der Wahnsinn. Es waren so unfassbar viele Eindrücke. Von bis war alles dabei. Große Festivals, also von 50 000 Leuten am St. Patricks Day bis zu acht zahlenden Gästen in Portland. Irgendwie war es geil, dieses hoch und runter. Und gerade die kleinen Shows waren wieder wie früher, als wir angefangen haben. Also ich fand, die ganze Rutsche war einfach super. Sehr, sehr entspannt.

Sie haben laut Webseite 17 Konzerte in den Staaten gegeben. Gibt es da einen Favoriten, bei dem Sie sagen „Das war der Knaller“?

Knollmann: Ich fand Portland generell sehr geil. Dort spielten wir eine kleine Show, die mit den acht zahlenden Gästen – das war abgefahren, weil die Tonic Lounge super war, ein ganz dunkler, muffiger Laden. Und eine Show mit Flogging Molly, die haben uns mitgenommen. Das war im Roseland Theater, deren Shows haben im Schnitt immer so 2000 bis 5000 Leute und da war eine Mörderstimmung. Portland hat mir auch von der Stadt her am besten gefallen. Dort ist es ein bisschen entspannter als in den anderen Städten. Die sind so sehr strukturiert, amimäßig, alles nach Plan. Portland ist eher so, wie ich es machen würde, so „machen wir mal, gucken wir einfach.“

Wenn Sie auf der Bühne stehen, fotografiert und angeschaut werden – wie fühlen Sie sich dabei?

Knollmann: Eigentlich musst du dir daraus einen Spaß machen, du darfst die ganze Sache nicht zu ernst nehmen. Natürlich musst du die Musik ernst nehmen und das, was und wie du es machst. Weil die Leute dafür Eintritt zahlen. Wenn die Leute einen anschauen und Fotos machen, denke ich manchmal, was wollen die eigentlich von einem wie mir? Ich koche auch nur mit Wasser? Es ist natürlich schön, dass ich das machen darf, ich kann auch nichts anderes und will auch nichts anders machen.

Wenn man Ihre Show sieht, bemerkt man, das Sie der lebendigste in der Band sind. Sie hüpfen, posieren und sind nach dem ersten Song schweißgebadet. Denken Sie nicht manchmal, dass es von manchen Aktionen keine Fotos geben sollte?

Knollmann: Ach, das ist doch immer wieder lustig. Meine Freundin zückt nach Livekonzerten immer irgendwelche Fotos und ich habe oft eine Hackfresse auf Bildern – du bewegst dich ganz schnell und das Gesicht ist noch ganz woanders, als es eigentlich sein sollte. Sie sucht mir immer die besten raus, schickt sie mir per Mail oder sammelt sie und ärgert mich damit. Das gehört dazu. Ich meine, auch wenn ich still halte, viel schöner bin ich nicht (lacht).

Gibt es einen gefühlsmäßigen Unterschied zwischen den USA und Deutschland, auf der Bühne?

Knollmann: Puhh ... ja, in den USA war ich vollgefressener. Weil, egal was man isst, man denkt, man hätte einen Medizinball drin. Komisch ist für uns, dass das Längste was wir in den USA gespielt haben eine Dreiviertelstunde war. Wenn du Vorband bist, spielst du eine halbe Stunde und im Rahmen einer eigenen Show eine Dreiviertelstunde. Was ich sehr merkwürdig finde, weil wir bei unserer Tour in Deutschland im Oktober jeden Abend über zwei Stunden gespielt haben. Da ist eine halbe oder Dreiviertelstunde wie „einmal vom Brötchen abgebissen und dann gehe ich nach Hause“. Also irgendwie ist man gerade drin und dann muss man schon aufhören. Die Spielzeiten sind anders, aber von den Leuten her ist das ziemlich identisch.

Über das Crowdfunding-Projekt PledgeMusic produzieren Sie eine DVD zur US-Tour. Zwischenzeitlich hatten Sie ein eigenes Label, sind dann zum Majorlabel Universal gewechselt – in welche Richtung geht der Weg der Donots?

Gitarre hinter den Kopf und Spaß dabei: Guido Knollmann.

Knollmann: Universal und die Tour in Amerika sind getrennte Sachen. Der Trend bei uns ist es, so viel wie möglich in der eigenen Hand zu haben. Die Sache mit Universal ist so, dass unser Label da angedockt ist. Die haben eine riesige Erfahrung und wir können unsere Ideen mit deren zusammenpacken. Zudem sind sie finanziell besser aufgestellt. Das Crowdfunding-Ding haben wir genutzt, weil die Tour unglaublich viel Kohle gekostet hat, wir es aber unbedingt machen wollten, um Erfahrungen zu sammeln. Von anderen Bands vor allem aus den Staaten haben wir gehört, dass dieses Crowdfunding-Ding so riesengroß ist. In Europa hat das noch kaum eine Band genutzt. Wir wollten es ausprobieren, warum auch nicht? Wenn wir fair etwas anbieten, damit die Leute auch etwas Wertiges bekommen und für Jedermann etwas dabei ist, soll er sich das nehmen. Es hat wunderbar geklappt, wir waren nach vier Tagen schon bei 100 Prozent. Das war eine runde Sache und alle, die teilgenommen haben, waren super zufrieden.

Sie spielen nächstes Jahr seit 20 Jahren Konzerte, jetzt die Tour durch Amerika. Haben Sie noch einen Wunsch, wo Sie gerne spielen würden? Ein besonderes Festival, ein Fußballstadion in Brasilien oder einen ungewöhnlichen Ort?

Knollmann: Brasilien wäre natürlich nicht schlecht. Das hört sich jetzt so nach Klischee an, aber mein größter Wunsch wäre, dass ich das ganze so nochmal 20 Jahre lang machen kann, denn es war ein Höllenritt. So spezielle Sachen, weiß ich gar nicht. Vielleicht in der Gilman Street in Berkeley (Kalifornien), da kommen eine ganze Menge Bands her, die ich mag. Das soll aber auch nur ein abgeranzter Schuppen sein. Für meine Haben-Seite wäre das aber schön.

Wie viele Konzerte sind es mittlerweile, die Sie mit den Donots gespielt haben?

Knollmann: Wir haben eine Liste, ich bezweifle aber, das die vollständig ist. Wir haben erst vor ein paar Jahren angefangen, diese zusammenzusetzen. Ich würde sagen, wir sind so bei 1000, eher bei mehr als 1000 Konzerten.

Laut Wikipedia haben sich die Donots 1993 gegründet. Feiern Sie somit dieses Jahr das 20-Jährige?

Knollmann: Wir rechnen das innerhalb der Band ein bisschen anders: Wir hatten am 16. April 1994 unseren ersten Auftritt, das ist also der Bandgeburtstag. 1993 im Oktober oder November haben wir aber schon an den ersten Sachen rumgebügelt.

Frank Turner, Kettcar, Bela B oder Millencolin schreiben auf Ihrer Homepage großartige Dinge über die Donots. Was würden Sie noch gerne über sich lesen oder hören?

Knollmann: Eine ehrliche und ohne Geld bestochene Ansage hätte ich gerne mal. Den Leuten auf unserer Seite haben wir einen Zwanni zugesteckt, damit sie was Gutes sagen (lacht).

Ohh ... Bela B. braucht Geld?

Knollmann: Haha, ja..., Bela B. braucht den 20er auf jeden Fall, der ist immer so knapp bei Kasse. Nein, mal Spaß beiseite. Diese Sachen schmeicheln uns natürlich. Ich würde gerne mal die Sicht von einem Typen haben, der zum ersten Mal zu einer Donots-Show kommt ohne, dass er uns oder unsere Geschichte kennt. Nach über 20 Jahren ist man ja auch mal betriebsblind.

Erinnern Sie sich noch an die Premiere beim Reload-Festival 2006?

Knollmann: Wir haben letztens noch darüber geredet und haben alle gute Erinnerungen. War das nicht mit Dog eat Dog? Das war ein knorke Ding. Meistens ist es ja schön, wenn man wiederkommt und Leute erneut trifft. Und dieses Jahr spielen dort großartige Bands – Slime sind da – das ist doch super. Ich hoffe, wir spielen mit ihnen an einem Tag.

Oder auch Marathonmann. Mit denen haben Sie doch gemeinsam etwas in Oldenburg aufgenommen.

Knollmann: Ja, da habe ich auf der Platte mitgesungen. Eine großartige Band, super Leute.

Auf ihrer Seite steht das Bukowski-Zitat: „Ich hab nichts gegen Menschen – ich fühle mich nur besser wenn keine da sind.“ Meinen Sie das im ernst so?

Knollmann: Nein, ganz so ist es nicht. Ich habe nur gerne hin und wieder meine Ruhe. Also zum Beispiel auf der Tour hast du außer unter der Dusche oder auf dem Klo 24 Stunden Leute um dich herum. Und ich bin sehr Fan davon, auch mal mit mir rumzuprödeln, mal nicht reden müssen. Ich bin aber kein Menschenhasser wie Bukowski.

Was kommt als Nächstes bei den Donots? Tour, Festivals und dann?

Knollmann: Wir sind schon an einem Album am rumorgeln, was nächstes Jahr zu unserem Jubiläum erscheinen soll. Eigentlich hangelt sich unsere Zeit um Konzerte und dem Schreiben von Lieder herum. Außerdem haben wir in Osnabrück in der Gorilla Bar unser Abschlusskonzert. Da wird meistens gut ausgeschenkt, das letzte Mal sind mir da die Füße abgefallen.

Reload-Festival 2013: Das Line-Up

Caliban © 
Emil Bulls © 
Eskimo Callboy © 
Hatebreed © 
Die Münchener Band Marathonmann © 
Monsters of Liedermaching © Foto: Martin "Armadillo" Huch
Red Fang © 
Sick of it all © 
Skinbread © 
Terror © 
Vanna © 
A Traitor Like Judas © 
Betontod © 
Donots © Patrick Runte
Pascow © 
The Gaslight Anthem © 
Fiddlers Green © Carsten Bunnemann
At the Gates waren in den vergangenen 17 Jahren nur zweimal in Deutschland. © 
Die Nachwuchsband Bonez © 
Die Herren von Kmpfsprt © 
Einer der Headliner: Papa Roach © 
Slime © 
Spitfire sind beim Reload-Festival dabei- © 
The Sword © 
Vitja © 
Into the Wild qualifizierten sich über einen Contest in Osnabrück für das Reload. © 
Quiron aus Bremen qualifizierte sich über den Contest in Bremen. © Pascal Faltermann
Airbourne ist neu für Motörhead dabei. © ©Martin Philbey

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