Das älteste Fahrgeschäft entführt in vergangene Zeiten

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Helmut Mondorf ist stolz auf sein Nostalgiekarussell aus dem Jahr 1898.

Bremen. Zu einem richtigen Märchenkarussell gehören natürlich die Bremer Stadtmusikanten - zumal, wenn sich das Nostalgiegefährt auf dem Freimarkt dreht. Also hat Helmut Mondorf kurzerhand eine Stadtmusikanten-Skulptur vor seinem Fahrgeschäft aufgestellt.

"Sie glauben gar nicht, wie viele Leute stehenbleiben und die Figuren fotografieren oder sogar anfassen", freut sich der Schausteller über die anziehende Wirkung der vier Tiere. Mit seinem Karussell aus dem Jahr 1898 steht Mondorf auf dem kleinen Freimarkt mit Blickrichtung auf das historische Rathaus. "Bis in die 70er Jahre hinein war meine Familie regelmäßig mit dem Märchenkarussell in Bremen zu Gast", erinnert sich der Schausteller. "Aber dann kamen neue Fahrgeschäfte in Mode und das Karussell wurde eingelagert."

Seit dem Ende der 90er Jahre durften sich die hübsch bemalten Pferdchen und Kutschen dann immerhin auf dem Oldenburger Lambertimarkt die Hufe vertreten. Nun verhilft der Ausfall eines anderen Karussells dem nostalgischen Gefährt zu einem Wiedersehen mit dem Freimarkt, sehr zur Freude der Besucher. Vor allem Mädchen drehen Runde um Runde auf den Pferdchen, deren Schweife übrigens aus echtem Rosshaar bestehen. Dabei fällt auf, dass sich auch zwei Exoten unter die Reittiere gemischt haben. "Die Giraffe und das Zebra waren die letzten Figuren, die für meine Urgroßeltern vor dem zweiten Weltkrieg noch ausgeliefert wurden", berichtet Mondorf. Exoten, um die Konkurrenz auszustechen - das war damals der Plan.

Der Erhalt der Holzfiguren - ob Pferde, Zebras oder das zurzeit Urlaub machende Schwein - ist aufwändig. Kleinere Reparaturen erledigen die Mondorfs selber, größere Arbeiten werden an Spezialwerkstätten delegiert. Zu tun gibt es immer etwas. So musste zwischenzeitlich der Boden ausgetauscht werden. "Da war der Holzwurm drin", schmunzelt Mondorf. Auch die Figuren müssen regelmäßig gepflegt und beispielsweise mit neuen Anstrichen versehen werden. Doch die Mühe lohnt sich, findet der Besitzer. "So ein Karussell ist ein Kultur- und Industriegut", betont Helmut Mondorf. "Das muss erhalten werden."

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