Vier Debütanten auf der Bürgerweide

„Looping würde abschrecken“

+
Andreas Aigner ist mit dem Fahrgeschäft "Parkour" auf dem Bremer Freimarkt vertreten.

BREMEN - von Heinrich Kracke. Am heutigen Sonntag sitzt er noch in seinem Kommando-Stand auf dem Oktoberfest. Abschluss-Tag auf der Wies'n, noch einmal viel Publikum begrüßen.

In früheren Jahren war bis zu diesem Zeitpunkt schon die Entscheidung gefallen, ob das Jahr als wirtschaftlich erfolgreich in die Bücher eingeht, oder ob der Gürtel ein wenig enger geschnallt werden muss. In diesem Jahr ist alles anders. „Endlich hab ich 'mal eine Zusage aus Bremen erhalten,“ sagt der Münchner Andreas Aigner. Mit seinem „Parkour“ gehört er zu den vier großen Fahrgeschäften, die ihr Debüt beim größten Volksfest des Nordens geben, beim Freimarkt, der in knapp zwei Wochen beginnt, am 19. Oktober, und der die Bremer und Niedersachsen dann über die ganzen Herbstferien bis zum 4. November begleitet.

Eine Übersicht über alle Fahrgeschäfte gibt es hier

Fremd ist ihm die fünfte Jahreszeit im hohen Norden nicht. Seine Mutter stammt aus der Bremer Schausteller-Familie Renoldi und Robrahn, die mit großen Fahrgeschäften wie dem Höllenblitz, mit Autoscooter und einigem mehr auch in diesem Jahr auf der Bürgerweide vertreten ist, und Andreas Aigner, der Münchner mit der norddeutschen Akzent, gehört ebenfalls schon zum Inventar zwischen ÖVB-Arena und Bahnhof. „Jedes Jahr bin ich als Gast auf dem Freimarkt, diesmal endlich auch als Schausteller.“

Seit drei Jahren bereits tourt er mit dem „Parkour“ durch die Lande. „Wir haben uns damals sehr bewusst für ein Fahrgeschäft entschieden, das die Gäste mächtig durch die Luft schwingt, aber eben keine Loopings ausführt. Das Konzept kommt an.“ In Zeiten, in denen der Branche zwar immer neue Rekorde abverlangt werden, aber längst nicht mehr jedes Fahrgeschäft auch die Millionen-Investition wieder einspielt, wandte Aigner einen Trick an: Die „Sound-Factory“, mit der er zuvor über Jahre unterwegs war, sie wurde nicht etwa zuhause eingemottet. „Wir haben den Unterbau als Basis behalten und darauf ein völlig neues Fahrgeschäft mit moderner Elektronik installiert.“ Rund 1,2 Millionen kostete ihn diese Verjüngungskur, ein völliger Neubau hätte an die 2,5 Millionen Euro verschlungen.

Millionenbeträge freilich gelten längst nicht mehr als ungewöhnlich in der Branche. Das gilt auch für die drei weiteren Debütanten auf der Bürgerweide. Für den „Spinning Racer“, eine Art Weiterentwicklung der „Wilden Maus“, in der die Fahrgäste in drehenden Gondeln auf den Achterbahn-Rundkurs gehen. Ebenso den „Devil Rock“, mit dem die Hemelinger Schaustellerfamilie Hanstein Nervenkitzel verbreitet, und auch den „Big Spin“, den der Unnaer Ronny Deinert an die Weser bringt.

Für den „Big Spin“ eine wichtige Etappe in einem durchaus schwierigen Jahr. Rund eine Million Euro hat sich die Familie die 24 Sitzplätze an langen Greiferarmen kosten lassen – und musste zunächst warten. Erst mit einigen Wochen Verzug konnte der „Spin“ Ende März sein Debüt geben. „Seither erfüllt er die Erwartungen allerdings sehr gut,“ heißt es aus dem Hause Deinert.

Bremen sei dennoch ein Versuchsballon. „Den Freimarkt muss man sich erstmal leisten können.“ Die hohen Abträge, die Fahrtkosten, die allein mit 2000 Euro zu Buche schlagen, die „nicht gerade geringen Standgebühren“ und dann auch noch das Problem, dass der Freimarkt diesmal über das letzte Wochenende des Monats läuft, das unter Schaustellern als das jeweils umsatzschwächste gilt, all das führt nicht nur zu Vorfreude. „Wir blicken dem Ausflug mit gemischten Gefühlen entgegen, wir lassen uns überraschen.“

Wesentlich zuversichtlicher sind andere Schausteller. Vor der fünften Jahreszeit schraubte sich die Zahl der Interessenten in rekordverdächtige Höhen. 1141 Bewerbungen flatterten im Marktmeisterbüro auf den Schreibtisch, fünf Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Die Zahl der Zusagen änderte sich freilich nicht. Nur jeder vierte durfte sich über eine positive Antwort freuen, wie in den vergangenen Jahren werden sich 300 Schausteller auf der Bürgerweide verteilen. Das Angebot reicht vom traditionellen Freimarkt-Schmankerl wie den Schmalzkuchen oder den Gebrannten Mandeln über Exoten wie die Poffertjes oder den Gurken-Imbiss, den Spielgeschäften vom Dosenwerfen bis zur „Shooting Galllery“, den Theken-Hütten und dem Bayern-Zelt bis zu den Fahrgeschäften, von denen 34 die Zulassung erhalten haben. 16 Kinderfahrgeschäfte runden das Angebot ab.

Wichtigster Termin ist am 19. Oktober neben der Eröffnung um 16 Uhr des kleinen Freimarkts auf dem Marktplatz selbstverständlich der Fassanstich um 18 Uhr im Bayernzelt. Eine Woche später wird dann die ganze Stadt in Beschlag genommen. Am Sonnabend, 27. Oktober, schlängelt sich der Umzug quer durch die City. Die Zahl der Bewerber reicht auch hier in die Hunderte, exakt 146 Fußgruppen und Wagen haben bisher eine Zusage erhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Dem Föhn im Gesicht getrotzt: Kerber nun gegen Scharapowa

Dem Föhn im Gesicht getrotzt: Kerber nun gegen Scharapowa

Gebrochener Mann in Einzelhaft: "El Chapos" tiefer Fall

Gebrochener Mann in Einzelhaft: "El Chapos" tiefer Fall

Boxspringbetten werden vielseitiger und luftiger

Boxspringbetten werden vielseitiger und luftiger

Musikschul-Konzert mit Klavier im Rathaus

Musikschul-Konzert mit Klavier im Rathaus

Meistgelesene Artikel

Kommentare