„Man kriegt doch alles auf dem Gelände“ / Festival nur gut fürs Image

Hurricane: Kaum finanzieller Gewinn für den Einzelhandel

Festivalbesucher, die sich im drei Kilometer entfernten Kernort mit Lebensmitteln versorgen – ein Bild der Vergangenheit? · Foto/Archiv: Heyne

Scheessel - In den kommenden Wochen laufen im Beekeort wieder die Vorbereitungen für eines der größten deutschen Rockspektakel, das Hurricane-Festival. Im Rathaus kommen Gemeinde, Polizei und Veranstalter zu letzten Sicherheitsbesprechungen zusammen, Tausende von Helfern, darunter Ehrenamtliche von Feuerwehr und DRK, planen ihre Einsätze.

Viel Arbeit für Organisatoren und die gastgebende Gemeinde. Doch welchen Nutzen zieht man im Beekeort konkret von den mehr als 70 000 Gästen?

„Für unseren Ort ist das Hurricane-Festival zunächst ein enormer Imagegewinn“, betont Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele. Und darüber hinaus? Die meisten Fans verlassen das einige Kilometer vom Kernort gelegene Gelände nur zur An- und Abreise. Eine weiter gehende Einbindung der Gemeinde hält die Rathauschefin weder für denkbar noch wünschenswert. Immerhin: Seit Jahren hat Dittmer-Scheele immer wieder durchgesetzt, dass der öffentliche Weg durch das Festivalgelände zum benachbarten Ortsteil Westervesede für Fußgänger und Radfahrer offen bleibt: „Viele Bürger bummeln gern am Eichenring-Gelände vorbei und sehen sich das bunte Treiben an“, weiß sie, „wenn das nicht mehr möglich wäre, hätte das bestimmt Auswirkungen auf die Toleranz der Bürger gegenüber die mit dem Besuch so vieler Gäste verbundenen Einschränkungen!“

Auf den konkreten wirtschaftlichen Vorteil des Hurricanes angesprochen, winkt auch der örtliche Einzelhandel ab: „Unsere Umsätze stagnieren, hier kommen kaum Gäste vorbei“, meint Bernd Kolkmann vom örtlichen Kaufhaus, und Hartmut Viets, Inhaber eines Getränkemarkts im Kernort, geht sogar noch weiter: „Das dritte Wochenende im Juni ist bei uns seit Jahren das schlechteste im ganzen Jahr – durch die ausgeklügelte Verkehrsführung kommen die Festivalgäste nicht hier vorbei, und die Bevölkerung hat sich wegen der zu erwartenden Staus schon vorher eingedeckt.“ Die Getränkestände auf dem Gelände seien fest an nicht-lokale Anbieter vergeben und mit Verbesserung der Infrastruktur sei auch mit der Würstchenbude auf dem Weg kein Geld mehr zu machen: „Seit man auf dem Geländesupermarkt alles vom Grill bis zur Raviolidose kaufen kann, ist es mit dem Zuverdienst vorbei“, so die einhellige Meinung der meisten örtlichen Gewerbetreibenden.

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Das Gleiche gilt auch für die private schnelle Mark, die in den Anfangszeiten floss. Abgesehen vom privaten Gepäcktransport durch Jugendliche mit Fahrradanhängern und Dinocars gibt es kaum noch Einnahmequellen. Das war früher anders, erinnert sich die Westervesederin Kerstin Brockmann: „In den ersten Jahren, als es mit der Anreise noch nicht so glatt lief, haben wir schon mal bis tief in die Nacht mit den Leuten im Auto auf der Straße gefeiert. Da ist auch der ein oder andere mit Kaffee und Grillwurst am Stau vorbei gezogen.“ All dies ist mit steigender Professionalisierung der Infrastruktur weggefallen. Ein Geschäft machen Schlachter Hollmann und Tankstellenbesitzer Evers – allerdings nicht mit Laufkundschaft, sondern mit dem Catering oder dem schnellen Brötchen für Polizei und Helfer. · hey

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