Frank Dreyer befördert Hurricane-Besucher von A nach B

Turbulente Tage hinterm Taxi-Lenkrad

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„Das ist mein bestes Wochenende.“: Frank Dreyer in seinem Taxi am Eichenring-Gelände.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Er selbst zählt sich zu den wenigen Einheimischen, die noch nie einen Fuß aufs Festivalgelände gesetzt haben. Dennoch ist Frank Dreyer (49) nah dran am „Hurricane“.

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Hurricane-Special

Als Taxifahrer befördert er die Besucher von A nach B – angesichts zehntausender Menschen im Ort eine Geduldsprobe, wie der Scheeßeler erfahren hat. Nein, so richtig vermisst habe er das Festivalluft-Schnuppern noch nie, sagt der Chef eines Scheeßeler Taxiunternehmens. „Obwohl, David Bowie und die Ärzte hätte ich mir schon ganze gerne mal angesehen.“ Zum 16. Mal wird der Scheeßeler Taxiunternehmer mitsamt seinen Fahrern beim diesjährigen Festival Spalier stehen. „Das ist unser bestes Wochenende, dann geht es wieder richtig rund“, sagt Dreyer, und er meint damit nicht nur die Tatsache, dass von den hunderten Taxis in der Region nur sehr wenige an den „tollen Tagen“ in der Garage bleiben.

Von Mittwoch an bis einschließlich Montag, bei der großen Abreisewelle, stehe sein Taxometer keine Minute lang still. Schwer bepackte Fahrgäste vom Scheeßeler Bahnhof einsammeln, im Schneckentempo durch die Massen und am Gelände kurz vor der Absperrung wieder absetzen – „und dann kommen ja auch noch diejenigen Leute, die aus dem Umland zum Festival gebracht werden wollen“, schmunzelt der 49-Jährige, auf dessen Wagenpolster eigener Auskunft nach noch kein einziger Festivalgänger seinen Mageninhalt verteilt habe. „Probleme gab es diesbezüglich noch nie, und auch sonst habe ich noch keinen Fahrgast bei mir sitzen gehabt, der auf Krawall gebürstet war.“

Einmal, erzählt der Vater eines 15-jährigen Sohnes, habe er zwei Teenager bis ganz ins ostfriesische Norden zurückgefahren. Ein Erlebnis, dass er bis heute nicht vergessen kann: „Die beiden haben die ganze Zeit über tütenweise Chips gefuttert, da konnte ich am Zielort erstmal mein Auto an der Tankstelle aussaugen.“

Ebenso in guter Erinnerung sei ihm das frisch vermählte Pärchen geblieben, das er vom Scheeßeler Standesamt zum Gelände rübergefahren hat. „Die haben sich mal beim Hurricane kennen gelernt und wollten unbedingt in Scheeßel heiraten“, schmunzelt er.

Und dann war da noch das vielleicht einprägsamste Erlebnis in Dreyers Berufsleben, welches sich gleich zu Anfang, anno 1997, zugetragen hat. „Damals haben wir die Musiker in Abstimmung mit dem Veranstalter noch höchstpersönlich in den Backstage-Bereich eskortieren müssen“, erinnert er sich. Da die Zuwegungen keinesfalls mit den heutigen zu vergleichen gewesen seien, habe er die Tourbusse mit seinem Taxi vom Beeke-Kreisel im großen Bogen über Lauenbrück, Vahlde, Ostervesede und Westervesede gelotst. „Andernfalls hätten die Künstler direkt durch die Menschenmenge von vorne durchgeführt werden müssen.“

Selbst prominente Zeitgenossen, erzählt Dreyer, würden hin und wieder mal auf seiner Rückbank sitzen – dann, wenn ihn der Auftrag ereilt, Künstler bis vors Hotel in Hamburg zu „kutschieren“. Welche das waren? Der Taxifahrer zuckt mit den Achseln. „Bei den ganzen Newcomern hat man ja auch nicht mehr den Durchblick, die sind für ein Jahr bekannt und dann wieder weg vom Fenster.“

Generell, erzählt der symphatische Endvierziger, habe er in den vergangenen Jahren eine stetige Verbesserung festgestellt, was das Organisatorische betrifft. „Anfangs grillten die Besucher noch direkt vor meiner Haustür an der B 75, diese Zeiten sind aber schon lange vorbei.“

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