„Bisher haben alle dankend abgewunken“

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Unter dem Müll verstecken sich manche Schätze.

Scheeßel - Hurricane-Rückreise: Während die einen schon in der Warteschlange am Müllpfandstand stehen, vergnügen sich andere beim Zeltsteigenlassen, beim Baseball mit vollen Raviolidosen oder Klopapierrollen.

Die Zeltplätze: Wie immer ein Bild der Verwüstung. Zwischen Pavillons, Kühltaschen und Grills finden sich Campingstühle, Perücken oder ein ganzes Sofa. Olaf aus Hannover, auf dem Weg zum Bahnhof, meint: „Das Hurricane ist das dreckigste Festival überhaupt. Warum kriegen die das nicht in den Griff, so wie zum Beispiel beim Rock am Ring?“

Einige hundert Meter weiter formiert sich ein Trashmob, die Abschluss-Müllsammelaktion der knapp 500 freiwilligen Helfer des neu eingeführten Projekts 24/5. Einige Gruppen sammeln Glasflaschen, andere suchen recycelfähiges Material, wieder andere türmen Zelte, Campingstühle, Grills und anderen Sperrmüll zu riesigen Haufen. Ein junger Helfer ist fassungslos: „Wie kann man ein neues Zelt stehen lassen? Das hat doch mehr als 100 Euro gekostet!“

Der Rest vom Hurricane-Fest: Trashmob in Scheeßel

Das Problem ist bekannt: Vielen Festivalgästen ist der Rücktransport von Gepäck zu lästig. Dazu Veranstalter Folkert Koopmans: „Wir haben die Gäste über Facebook dazu aufgerufen, ihre Zelte bitte wieder mitzunehmen.“ Anscheinend vergeblich. Im Zuge des Nachhaltigkeitsgedankens bemüht der Veranstalter sich um größtmögliche Umweltverträglichkeit, wie beim 24/5-Projekt. Auch habe man bereits im Vorjahr Kontakt mit Hilfsorganisationen wie der Hamburger Obdachloseninitiative Hinz & Kunz aufgenommen, ob Bedarf am Sammeln von Zelten und Schlafsäcken bestehe. Bisher hätten alle dankend abgewunken – der Aufwand für das Einsammeln und Reinigen sei zu groß, einfacher sei es, Spenden zu sammeln und neues Material zu kaufen. „Schade, bei großen Festivals in England wie Leeds und Reading klappt es auch“, bedauert Koopmans. Festival-Organisatorin Ina Kahle ergänzt: „Wir sind weiterhin in Gesprächen mit Wohltätigkeitsorganisationen – wir freuen uns über alle, die an der Weiterverwertung interessiert sind!“

Hurricane-Festival: Regen, Boy Kraftklub und mehr

Koopmans Unverständnis gilt auch der mangelnden Akzeptanz für bereits etablierte Maßnahmen: „Seit einigen Jahren können die Besucher ihre vollen Dosen bei der Abreise für die Scheeßeler Tafel abgeben“, meint er kopfschüttelnd mit Blick auf volle Flaschen und Dosen mit Lebensmitteln, die auf dem Gelände verstreut sind. Ein Ansporn für den Veranstalter, die Maßnahmen zur größeren Umweltverträglichkeit weiter zu verbessern. „Wir stehen noch ganz am Anfang und lernen immer dazu“, so Koopmans, bevor er sich mit seinen „Trashmobbern“ den nächsten Zeltplatz vornimmt. n hey

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