Ein nicht ganz ernst gemeinter Blick

Sponsoring beim Hurricane: Wenn das Rad durchdreht

+
Regenhaut gefällig? Otto wird am Wochenende sicher etwas zu bieten haben. 

Scheeßel - Große Festivals sind Kommerz. Wer zu dieser Aussage energisch das Haupt schüttelt, gehört vermutlich zur Generation derjenigen, bei denen auf selbigem nicht mehr viel wächst. Machen wir uns nichts vor, so weh es auch tut: Die Zeiten von Woodstock sind vorbei. Keiner kocht mehr für 70.000 Besucher, weil der Veranstalter sich verschätzt hat und ein paar Tausend mehr Menschen am Start sind, die nach dem ausgiebigen Gebrauch bewusstseinserweiternder Substanzen Kohldampf schieben.

Ohne Sponsoring geht es einfach nicht mehr. Das ist aber nicht erst seit gestern so. Wer hätte auch etwas gegen einen namhaften Whisky-Hersteller als Sponsor einzuwenden? Alkohol und Musik: Das passt, prost, hoch die Tassen! Da ist es nur konsequent, das Rad immer weiter zu drehen: Waren es in den vergangenen Jahren unter anderem H&M, die der Jugend und den Junggebliebenen schöne Momente mit Glitzer und Batik im Bastelzelt bescherten, ist es in diesem Jahr Versandhaus-Riese Otto. Otto? Zugegeben, der Spruch „Otto versaut Hamburg“ stammt eigentlich von Otto Waalkes, und versaut wurde in den 80ern höchstens das Kopfkino seiner Jünger. Nichtsdestotrotz wird er sich wohl spätestens am Montag bewahrheiten, wenn sich ein guter Teil der gut gemeinten Give-aways (Strohhüte? Regenhäute? Glasperlen?) in den Müllmassen der Hinterlassenschaften wiederfindet.

Aber wer wird denn alles so negativ sehen wollen? Das Rad des Sponsoring-Konzepts lässt sich doch noch viel weiter durchdrehen! So würden die Besucher der Dixi-Klos sicher gern mit einem Stück echtem Klopapier „Danke“ sagen. Und auf dem Gaffer-Tape, das praktisch alles zusammenhält, was zusammengehört (Pavillons, Zelte, die Tragegurte am Pappkarton mit Mische), könnten die drei Buchstaben des Bauhausriesen prangen – oder warum nicht gleich den putzigen orangenen Biber zum Wappentier des nächsten Festivals küren?

„Schöner Wohnen“ auf dem Hurricane

Während auf den Campingplätzen für das gemeine Volk die Addilette zum stylishen „Must-have“ der Fußbekleidung erhoben werden könnte, geht es im „Schöner Wohnen“-Resort gediegener zu, nämlich mit Weber-Grills – auf Wunsch gleich mit Kursus vor Ort, damit die Combi-Wurst fachgemäß ihren Bräunungsgrad erreicht.

Hurricane-Ticker: Alles News vom Festival im Blick

Und auch das zweifarbige schwedische Möbelhaus, schon seit vielen Jahren heimlicher Kooperationspartner des Hurrikane, könnte endlich aus der Deckung kommen, sind die Riesen-Tragetaschen doch längst zu dem Transportmittel Nummer eins auf dem Weg zum Festivalgelände avanciert. Selbiger wird in diesem Jahr (Achtung, mal kurz Satire aus) übrigens von mehreren Kilometern Lichterketten illuminiert, sponsored by? Genau, Osram! Sie haben Ihren Satireschalter wieder eingelegt? Gut, denn einen hätten wir noch: Damit die Festivalisten ihren Stellplatz nach getaner Feierei besser wiederfinden, werden die Lichtmasten mit Symbolen versehen. Kennen wir irgendwoher? Richtig, vorgemacht hat‘s Parkhausgigant Brepark, allerdings eher mit Zitrone, Banane, Erdbeere. Für Festivalisten gibt es statt Obstsalat allerdings standesgemäß ein Orchester. Trompete, Trommel, Triangel – das klingt doch stark nach einem weiteren Sponsor, oder?

Dabei sein:

Es gibt noch Kombitickets für 189 Euro und Tageskarten für je 99 Euro unter hurricane.de

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Frankreichs Regierung verteidigt Rentenpläne

Frankreichs Regierung verteidigt Rentenpläne

Richtungskampf beim SPD-Parteitag

Richtungskampf beim SPD-Parteitag

Was bringt Ridepooling wirklich?

Was bringt Ridepooling wirklich?

Streiks in Frankreich gehen in neue Runde

Streiks in Frankreich gehen in neue Runde

Kommentare