Ganz ohne Müll geht es nicht

„Grün rockt” auf dem Hurricane: Kann ein Festival nachhaltig sein?

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Pia Achenbach (v.l.), Lena Bohn und Nadja Nohr aus Sylt testeten an einem Cocktailstand die Strohhalme aus Pappe statt Plastik. „Der Geschmack ist gleich”, findet Lena. Nadja hat festgestellt: „leider wird der Stiel schnell sabschig.” Ihr Tipp: „Schnell trinken und nicht zu viel nuckeln!”

Fridays for Future, der Klimawandel und Plastikverzicht. Diese Themen machen auch vor dem Hurricane Festival nicht Halt. Mit Slogans wie „Plastik raus!” und „Grün rockt!” führt der Veranstalter eine Reihe von nachhaltigen Ideen ein. So wurden zahlreiche Einweg-Plastikprodukte durch biologisch abbaubare Stoffe ersetzt, die Kompost-Toiletten von Goldeimer „spülen” mit Einstreu und viele Initiativen von Sea Sheperd bis zur Naturschutzjugend (NAJU) präsentieren sich auf dem Gelände.

Nichtsdestotrotz sind die Wege auf dem Campingplatz oft noch mit Müll gesäumt und auf dem Gelände werden im großen Stil Einweg-Dosen und PET-Flaschen verkauft. Festgehalten werden muss jedoch, dass zumindest die Dosen in vielen Fällen noch eine Aufwertung durch anspruchsvolle Kunst erfahren.

Deutlich aufgeräumter geht es auf den Sonder-Campingplätzen zu. Ganz vorne mit dabei: das Grüner-Wohnen-Areal. Dort ist es nicht nur deutlich leiser, auch die Menge an umherliegendem Müll ist deutlich geringer. Das war auch einer der Hauptgründe für Rieke und ihre Freunde, sich für das Grüner Wohnen zu entscheiden. Die Hamburger haben sich schon zum zweiten Mal für das nachhaltige Campen entschieden. „Wir wollen einfach weniger Müll hier rumliegen haben”, erzählt Rieke. Dass es auf dem Campingplatz auch ruhiger ist und gesitteter zugeht, war für sie dabei nicht primär entscheidend. Sie versichert aber: Auch auf dem Grüner-Wohnen-Camp kann man sehr gut zelten und feiern.

Müll kann man auch aufreihen - anfallen tut er trotzdem.

Für Arja und ihre Freundinnen aus Hannover hingegen war es nicht nur der sorgsamere Umgang mit dem Thema Müll, der sie dazu bewegt hat, dort ihre Zelte aufzuschlagen. Zwar hängen auch in ihrem Camp, genau wie bei Rieke, Mülltüten an den Pavillon-Stangen, aber für sie ist noch eine andere Sache sehr entscheidend: Sie findet, die Leute auf dem Campingplatz gehen deutlich respektvoller miteinander um. Wenn es um das Thema Lärm geht, scheint dies auf jeden Fall zuzutreffen.

Das Hurricane Festival zeigt sich in diesem Jahr somit von einer deutlich nachhaltigeren Seite als noch vor einigen Jahren. Dennoch ist und bleibt ein Festival generell eine große Müll- und CO2-Schleuder. Gut, dass es nun immer mehr Vorstöße gibt, das zu ändern. Vor allem kleine Projekte wie etwa das vom Kinderhospiz Löwenherz überzeugen dabei. Die Ehrenamtlichen haben im vergangenen Jahr zurückgelassene Gegenstände wie Gummistiefel oder Campingstühle eingesammelt, gereinigt und verkaufen sie dieses Jahr für den guten Zweck wieder an die Festivalbesucher.

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