Drei Tage Festival

Band-Bilanz des Hurricane 2018: Tiefpunkte unvermeidbar

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Impressionen vom Hurricane: Die Mighty Oaks.

Von Mareike Bannasch. Drei Tage, Zehntausende Musik-Fans und mehr als 100 Auftritte. Logisch, dass da für so gut wie jeden Musikgeschmack etwas dabei ist. Und genauso logisch, dass manch ein Gastspiel dann doch nicht den Ansprüchen standhalten kann.

Wir haben uns am Wochenende etliche Konzerte angesehen, immer auf der Suche nach Höhepunkten. Dabei lässt es sich natürlich nicht vermeiden, den ein oder anderen Tiefpunkt zu hören. Im Folgenden eine kleine Auswahl.

George Ezra

Freitag, 19.15 Uhr: zwar kein Headliner-Platz im Line-up, aber spät genug, dass die Festivalmeute es rechtzeitig vom Zeltplatz schafft. Allerdings könnte George Ezra wohl auch um 13 Uhr spielen, die Fans würden trotzdem kommen. Immerhin ist der Brite nicht nur in seiner Heimat bekannt, auch wenn er auf dem Eichenring bisher keinen guten Eindruck hinterlassen hat. 

Vor drei Jahren war der Singer-Songwriter aus Bristol nämlich schon einmal in Scheeßel zu Gast – und spulte seinen Auftritt lustlos ab. Ganz anders in diesem Jahr: Die Menge vor der Bühne erlebt einen tiefenentspannten Ezra, der nicht nur neue Lieder singt, sondern auch fabelhafte Bläser mitgebracht hat. Gemeinsam schaffen sie einen fetten Sound.

London Grammar enttäuscht

Wie gesagt: Es kann nicht nur Höhepunkte geben, wie London Grammar wenig später zeigt. Die britische Indie-Pop-Band ist sehr angesagt. Warum, erschließt sich nach dem Scheeßeler Auftritt allerdings nicht. Nicht nur, dass Sängerin Hannah Reid immer wieder Probleme hat, die Töne zu treffen, der psychedelische Synthesizer-Sound passt auch nicht zu einem abendlichen Auftritt vor großem Publikum. Vor allem, wenn die Songs auch noch konturlos ineinanderwabern.

SXTN

Zwei junge Frauen, die „Fick dich, fick dich, Hurensohn“ brüllen und dafür bejubelt werden? Auch das gibt es auf dem Hurricane – und zwar beim Auftritt von SXTN. Angesichts dieses Niveaus mag sich mancher angewidert abwenden und mit der Verrohung der Jugend hadern. 

Aber wären wir nur halb so schockiert, wenn statt Juju und Nura zwei junge Männer vor sich hin pöbelten? Nein. Denn auch im Rap ist der Blick von Rollenzuschreibungen geprägt. Frauen fallen da mit ihren Texten am besten nicht negativ auf – gutes Aussehen reicht. Über Letzteres verfügen Juju und Nura ohne Zweifel, ihr Auftritt hat aber noch mehr zu bieten – zumindest für den, der mal kurz die Entrüstungsbrille ablegt. 

Denn Vergewaltigungsfantasien und derbe Flüche sollen natürlich schockieren, haben aber auch Methode: Indem sie sich die Sprache anderer Vertreter des Battle-Rap aneignen, zeigen die Musikerinnen, mit welchem Weltbild manch ein Kollege so durch die Gegend läuft. Eine Interpretation, die der weiblichen Antwort auf Die Atzen vielleicht zu viel Bedeutung beimisst. Ihr Auftritt lässt sich so aber leichter aushalten.

Benjamin Clementine: Ein Fall fürs Musikfest

Nicht auszuhalten derweil das Gastspiel von Benjamin Clementine: Umgeben von weißen Schaufenster-Puppen steht der Brite am E-Piano auf der White Stage und klimpert vor sich hin. Wirre Tonfolgen sind zu hören, ab und an von E-Gitarre, Drums oder elektronischen Verzerrungen unterbrochen. Eine musikalische Darbietung, die eher ins Programm des Musikfests Bremen passen würde. 

Zumindest so lange, bis Musikfetzen vom Auftritt der Kooks auf der Green Stage ins Zelt wabern. Nachdem er seinen Drummer aufgefordert hat, spontan die Melodie der britischen Indie-Popper nachzuspielen, kann Clementine, der seit seinem Debüt 2013 von der Kritik landauf, landab gefeiert wird, nicht umhin, sich an der Konkurrenz abzuarbeiten. Zu elektronischen Klängen, die langsam die Drums überlagern, brüllt er immer wieder „Scheiße“ ins Mikrofon. 

Ah ja. Jetzt weiß auch der Letzte, wie der Brite zu The Kooks steht. Oder will er einfach zeigen, wie groß sein Wortschatz ist? Denn nun wechseln sich minutenlang die Wörter „Ja“, „Nein“ und „Ach so“ ab. Die überschaubare Zuhörerschaft im weißen Zelt ist größtenteils amüsiert – oder nutzt die herbeigesehnte Regenpause zur Flucht.

Mighty Oaks: Wie ein vertontes Lagerfeuer

Ihre Musik klingt wie vertontes Lagerfeuer: ziemlich gemütlich. Und damit wie geschaffen für einen Auftritt auf dem Hurricane. Dort stehen die Mighty Oaks am frühen Sonntagnachmittag auf der Bühne – und vor ihnen eine für den Nachmittag doch recht große Heerschar junger Damen. Klar, es gibt auch versprengte männliche Zuhörer, aber die Musik der Band richtet sich vor allem ans weibliche Geschlecht.

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Beim Blick auf die Bühne wird schnell klar, warum: Diese Jungs verkörpern mit jeder Faser den Stereotyp vom introvertierten Mann, der mit strubbeliger Frisur an der Gitarre klimpert und von allen Frauen angehimmelt wird. Natürlich ohne es zu bemerken. Apropos klimpern: Die Musik ist leichte, melodisch eingängige Kost. Dass die Songs oft sehr ähnlich klingen? Egal, so kann sie immerhin jeder mitsingen.

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