Glosse: Luxus-Camping beim Hurricane Festival

Lasst euren kuschelweichen Arsch zu Hause

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Muss das so aussehen? Für unsere Autorin hat so ein Bild wenig mit Festivals zu tun.

Von Mara Schumacher. Auf dem Hurricane Festival war ich zum ersten Mal 2008, da war ich 16. Nach drei Tagen Camping war ich zu einem neuen Wesen mutiert: Eine dreckige Mischung aus Urmensch, Stinktier und Dosenbier. Und ich war so glücklich und zufrieden wie nie zuvor. Aber genau dieses geile, brachiale Festival-Feeling verschwindet langsam.

Kein Wunder: Auf den Bühnen scheppert es nicht mehr so richtig, da stehen jetzt meistens irgendwelche blassen Typen, die was von Liebe und Gänseblümchen singen. Davor stehen größtenteils Mädels, die mit ihrem perfekten Instagram-Outfit und Blumenkränzen von H&M durch die Gegend hüpfen. Tja, die Nachfrage bestimmt das Angebot auf den Bühnen, und das Hurricane verliert an Windstärke. Sex, Drugs und Rock 'n' Roll haben die Segel gestrichen.

Befeuert wird diese Kuschelweich-Atmosphäre durch viele Festivalbesucher, die es offenbar nicht mehr schaffen, mal für drei Tage ihre Komfortzone zu verlassen. „Im Zelt schlafen? Neee. Dixi-Klos? Och nööö.“ Mimimimimi. Trotzdem wollen sie unbedingt aufs Festival, weil das ja sooo cool ist. Veranstalter fragen sich somit: „Wir kriegen wir die verwöhnte Bande auf den Platz?“ Und tadaaaa: Es hagelt bequeme Luxus-Angebote, die mit Camping überhaupt nichts mehr zu tun haben. 

Eichenring oder Wellness-Resort in Abu Dhabi?

In sogenannten „Resorts“, die teilweise mehr als 500 Euro pro Person kosten, kann fürstlich gepennt werden. Schnuckelige Lampions zieren den befestigten Hauptweg, der Rasen ist frisch gemäht, täglich kommt die Müllabfuhr, es gibt WLAN sowie Strom, Toiletten, Duschen, eine REZEPTION (???) und eine Lounge zum Entspannen.

Zur Hölle, wer fährt zu einem Festival, um sich dort zu entspannen? Ernsthaft Leute, wo sind wir? Auf'm Eichenring oder im Wellness-Resort in Abu Dhabi? Fehlt eigentlich nur noch ein Shuttlebus-Service zum Infield und ein Streichelzoo mit flauschigen Tieren.

Gibt es noch die Leute, die mit Ravioli in den Haaren aufwachen, im vollgekackten Dixi-Klo hinfallen, im halb zerstörten Zelt pennen, heimlich ein bisschen in den Ärmel kotzen, weil der Korn in der prallen Sonne doch nicht so gut war? Die, die Schlafanzug-Hose mit Gummistiefeln für ein super Outfit halten, mit Absicht in den Matsch springen und nicht bei jedem Regentropfen hysterisch werden? 

Die, die den ganzen Tag Dosenbier trinken und einfach mal einen Scheiß darauf geben, drei Tage lang nicht geduscht und Zähne geputzt zu haben? Die, die „Iron Maiden“-Shirts tragen, weil sie die Band auch wirklich lieben, und die, die nicht direkt kollabieren, wenn Instagram mal nicht funktioniert? Ich hoffe es.

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