Wenn nichts mehr geht

Anreiseweisewelle zum Hurricane macht Logistikfirma das Leben schwer

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Jedes Jahr das gleiche Szenario: Kilometerlange Blechlawinen schieben sich in Richtung Festivalgelände.

Scheeßel/Rotenburg - Von Lars Warnecke. Schleppend rollen die Blechlawinen in Richtung Eichenring. Wenn sie denn rollen. Jedes Jahr aufs Neue gerät die Anreisewelle zum Hurricane-Festival für all jene, die mit dem Auto kommen, zur Geduldsprobe. Oder für die, die einfach nur ihre Arbeit verrichten wollen – so, wie die Kraftfahrer der Firma Oetjen-Logistik in Rotenburg.

Deren Chef, Gerhard Böse, schüttelt noch immer verständnislos den Kopf, wenn er an das Stauaufkommen vom Vorjahr zurückdenkt. „So etwas haben wir in dieser Form noch nicht erlebt.“ Denn: Sein bundes- und europaweit auf Verteilerverkehre spezialisierte Logistikunternehmen liegt an der Bundesstraße 75, ausgerechnet also an jener Trasse, auf der am Donnerstag vor dem Festival der aus Richtung Bremen kommende Verkehr spätestens ab den Nachmittagsstunden zeitweise zum Erliegen kommt. Für das sogenannte Sammelladungsgeschäft, sagt der Waffensener, habe die „Nichts-geht-mehr“-Situation jedenfalls „katastrophale Folgen“.

Knappes Zeitfenster für die Lieferfahrzeuge

Ein von Oetjen bundesweit betriebenes Geschäft, das auch an Ausnahmetagen wie dem der Hurricane-Anreise keine Pause kennt. „Da hängt schon sehr viel dran“, meint Böse und klärt auf. So würden tagtäglich rund 100 von Oetjen eingesetzte Verteilerfahrzeuge das Firmengelände an der Hermann-Schlüter-Straße ansteuern. Geladen hätten diese Stückgutsendungen von Kunden aus ganz Norddeutschland, die von Rotenburg aus schließlich – nach dem Bestimmungsort gebündelt – noch am selben Abend die Weiterreise anträten. 

„Unsere Fernfahrzeuge machen sich dann mit den Paletten über Nacht auf den Weg nach Süddeutschland zu unseren Partnerspediteuren und zu Hauptumschlagsplätzen in Bad Hersfeld“, erläutert Böse das lediglich ein zweistündiges Zeitfenster zulassende Procedere. „Die allerspäteste Abfahrt erfolgt bei uns um 20 Uhr, die ersten Fahrzeuge müssen gegen 18 Uhr vom Hof fahren – dies setzt aber voraus, dass unsere Verteilerfahrzeuge aus den Regionen Hamburg und Bremen die Sendungen auch rechtzeitig bis 17, 18 Uhr anliefern.“

Firma sieht Schuld beim Festival-Veranstalter

Genau diese Taktung sei im vergangenen Jahr angesichts kilometerlanger Staus ab Stuckenborstel – Böse spricht von Verzögerungen über zwei Stunden – „gründlich in die Hose gegangen“. So hätten es bis 18 Uhr damals nur 20 der 100 Fahrzeuge über die B 75 auf das Firmengelände geschafft. Die Folge: Ein Großteil der Güter hätte seinen Worten nach gar nicht erst verladen werden können, „viele unserer Begegnungsfahrzeuge sind somit hier fast leer rausgefahren“. Kunden hätten durch Terminüberschreitungen entsprechend am Folgetag das Nachsehen gehabt. 

„Das gab damals einen Riesenärger!“, erinnert sich der Oetjen-Chef, der das Verschulden ganz klar in der Organisation des Festival-Veranstalters sieht. „Warum können die Leute mit ihren Autos nicht viel schneller auf die Parkplätze gebracht werden, sodass erst gar nicht diese langen Rückstaus entstehen?“, fragt sich Böse. Er hofft, dass die Abwicklung in diesem Jahr nun besser klappt.

FKP Scorpio hat Verkehrsplaner das Gesamtkonzept überarbeiten lassen

Davon sei wohl in der Tat auszugehen, heißt es aus dem Hause FKP Scorpio auf Nachfrage. „Dieses Mal haben wir, nachdem es 2016 auf der B75 wieder zu einem Stau durch einen Auffahrunfall gekommen war, unsere Verkehrsplaner und Ingenieure gebeten, das Gesamtkonzept zu überarbeiten – gerade auch im Hinblick auf ein mögliches Unwetter, das zuletzt vor drei Jahren in der Anreisezeit die Parkplätze hat unter Wasser stehen lassen“, erklärt Marketingleiterin Katja Wittenstein. Demnach würden erstmals die Wohnmobile schon beim Ticketkauf auf die vom Gelände aus östlich und westlich gelegenen Flächen verteilt. 

Durch Einbahnstraßen und doppelspurige Anfahrtswege in Scheeßel wolle man ferner eine stringente Trennung zwischen Autos und Wohnmobilen ermöglichen. „Dadurch“, so Wittenstein, „entstehen längere Rückstauflächen und mehr Pufferfläche unmittelbar am Festivalgelände, damit die Staugefahr auf der Bundesstraße zumindest minimiert wird.“

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