Nicht zu feiern ist keine Alternative

Sicherheitsmaßnahmen beim Hurricane

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Das Polizeiaufgebot am Eichenring wurde deutlich erhöht. Wie viele Beamte im Einsatz sind, wird allerdings nicht gesagt.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Die Hurricane-Besucher – eine trunkene, pöbelnde Feiergemeinde? Mitnichten. Bereits bei der von Unwettern überschatteten Anreise zeigte sich: Die Festivalisten sind zumeist besonnen und geduldig. Die stundenlange Sperrung der Bändchenausgabestellen und des Geländes wurde am Donnerstagmittag ohne Proteste hingenommen. Aber wie sieht es mit den verschärften Sicherheitsvorkehrungen des Veranstalters nach Manchester und Rock am Ring aus?

Vor einigen Wochen hatte FKP Scorpio eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, darunter genauere Kontrollen, Taschen- und Beutelverbot auf dem zentralen Veranstaltungsgelände und das Verbot gefüllter Tetrapacks. Wir fragten bei den Hurricane-Besuchern nach, was sie davon halten.

„Das ist alles voll korrekt“, meint der angehende Fantasy-Autor Stefan Vogt. Der 25-jährige hat sich mit seinen Freunden auf Campingstühlen an der Westerveseder Landstraße niedergelassen, um hier die Schlangen am Ausgabezelt auszusitzen. Gedanken zur Terrorgefahr hat er sich schon gemacht, wie die meisten Besucher. „Passieren kann allerdings überall etwas“, meint der Hannoveraner, nicht mehr feiern zu gehen, sei keine Alternative. Das sieht auch Selina Jüngling aus Paderborn so. Sie verfolgt die „Jetzt erst Recht“-Strategie: „Wenn man nicht fahren würde, dann hätten die ja erreicht, was sie wollen“, sagt die Paderbornerin.

Besucher zum Sicherheitsgefühl beim Hurricane Festival

Besucher zum Sicherheitsgefühl beim Hurricane Festival

Was genau am Sicherheitskonzept nach den Vorfällen verändert wurde, dazu äußern sich weder die Polizei noch der Veranstalter genau. Nur einzelne Maßnahmen wurden bekannt gegeben. FKP Scorpio in einem Statement nach dem Attentat von Manchester: „Über einzelne Vorkehrungen im Konzept möchten wir keine Auskunft geben, da ein Baustein auch die Geheimhaltung der getroffenen Maßnahmen darstellt, um potenziellen Gewalttätern etwaige Planungen zu erschweren. Eine der Maßnahmen, die wir nennen können, sind die Body-Checks: Im Rahmen der Sicherheitsstrukturen werden bei allen unseren Veranstaltungen Body-Checks sowie intensive Taschen- und Rucksackkontrollen an allen Einlassbereichen durchgeführt“, heißt es darin.

Darauf, dass sie alle in den nächsten Tagen bei den Einlasskontrollen viel Geduld mitbringen müssen, sind alle eingestellt. „Das gehört halt dazu und dient ja auch unserer Sicherheit“, so Jüngling. Astrid (33) und Lena (37) sind sich noch nicht sicher, ob sie nicht doch genervt sein werden: „Noch sind wir ja nicht gefilzt worden – ich hoffe nur, dass die es nicht übertreiben mit den Kontrollen.“ Für die 37-Jährige ist es das erste Festival überhaupt. Direkt nach dem Attentat in London war sie in Hannover bei der „N-Joy Starshow“ – da hat sie sich schon Gedanken gemacht“, gibt sie zu. „Allerdings habe ich bei anderen Veranstaltungen wie dem Hamburger Schlagermove ein viel mulmigeres Gefühl – da kann schließlich jeder ganz ohne Kontrollen hinkommen!“ Beeinträchtigen wollen sie sich in ihrem Festivalverhalten auf keinen Fall lassen: „Wir regen uns nicht auf!“

Lob für Transparenz des Veranstalters

Das sieht auch Nomi Lichte (19) aus Bremen so: „Dann wird eben vorher auf dem Campingplatz etwas mehr getrunken und im Infield nur noch Wasser!“, so die Abiturientin. Jens Pröder hofft, dass es mit den kostenlosen Wasserausgabestellen klappt. Beim Rock am Ring sei dies auch versprochen worden, „das ist aber total in die Hose gegangen. Es gab nur eine Ausgabestelle. Erst, als die Leute reihenweise umgekippt sind, hat man die Hydranten aufgemacht“, erzählt der 26-Jährige aus Aachen.

Im Gegensatz zu den sozialen Medien, in denen die „Tetrapackregelung“ als Geldschneiderei bezeichnet wurde und einen Shitstorm hervorrief, zeigen die Besucher Verständnis auch für diese Maßnahme. Mehr als einmal wird der Veranstalter geradezu gelobt, und zwar für seine transparente Kommunikation: „Die haben im Vorfeld ganz klar gesagt, was Sache ist und warum – das finde ich gut“, so Moritz Klein aus Winsen. Besonders gelobt wird von Jens Pröder in diesem Zusammenhang die App, über die die Besucher aktuell informiert werden. Eine Sache, die die beiden Festivalistinnen aus Elmshorn beschäftigt, ist die Möglichkeit falscher Bombendrohungen: „Hoffentlich kommt kein ‚Witzbold‘ auf die Idee, fake News zu verbreiten.“

Diejenigen, die sich äußerten, gaben sich durchweg positiv. Doch nicht für alle ist die derzeitige Sicherheitssituation kein Festivalhemmnis: „Unsere 16-jährige Nachbarin durfte nicht kommen“, erzählt Rahel Lunemann aus Bremen, „ihren Eltern war das einfach zu gefährlich.“

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