Wie Festivalbesucher auf das Hurricane blicken

(K)eine Frage des Alters

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Scheeßel - Von Lars Warnecke. Markus (51) trägt einen Strohhut – wie so viele auf dem Hurricane. Sein Bart und seine schwarzen Haare gehen schon in einen leichten Grauton über. Bei den Festivals, die er sonst besucht, gelten 20-Jährige als Kinder. Hier, auf dem Eichenring, gehört Markus zu den Senioren. Wer zum Hurricane gehen will, muss mindestens sechs Jahre alt sein, Kinder und Jugendliche bis 15 brauchen außerdem eine volljährige Begleitung. Eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht– auch nicht für die Gruppen, die hier auftreten.

Für den 52-jährigen Tim Armstrong und seine Bandkollegen von Rancid ist das gut. Die jüngsten sind die amerikanischen Punkrocker nämlich nicht mehr – aber dennoch ein Höhepunk des dreitägigen Festivals.

Heute ist das Hurricane, dessen Altersdurchschnitt um die Mitte 20 liegen dürfte, nicht nur ein Festival für die Generation Casper, Clueso und Co. Auch auffällig viele Ältere mischen mit. Sie wollen dabei sein – und stoßen so nebenbei auf Bands, die vielleicht auf dem Schulhof „der nächste geile Scheiß“ ist.

Markus wird nach dem fast zweistündigen Auftritt von Rancid sagen, dass ihn die Anfang der Neunziger gegründete Band zurück in seine Sturm- und Drangzeit katapultiert hat. Nur optisch hätten sie sich verändert – wie er selbst. Armstrong reißt die Hände hoch und klatscht. Die Menge folgt gehorsam. Armstrong ruft der Menge zu. Die Menge ruft zurück.

Nie zu alt für Punkrock und Festivals

Für Punkrock und für Festivals ist man nie zu alt. Dass man sie auf ihr Alter anspricht – für Peter und seine Kumpels, alle um die 40 Jahre, grenzt das an Unverschämtheit. Man fühle sich noch jung, beteuert Peter. Dafür haben sie sich lustige, neongelbe Badeanzüge angezogen. Man könne ja nicht wissen, ob hier bald wieder alles unter Wasser steht, sagen sie.

Auf dem Campingplatz beim Hurricane

Beste Stimmung auf dem Campingplatz beim Hurricane

Bei einigen Besuchern der älteren Generation macht sich das Alter doch bemerkbar: Tobias (49) und Uwe (54) sitzen auf dem Wall hinter der White Stage. Beide sind mit ihren Harleys gekommen, beide stellen fest, dass alle Sitzbänke rund um die Uhr belegt seien. Musik, Freundschaft und Stimmung – das sei es, warum sie immer wieder die 120 Kilometer hier her fahren. Uwe sagt: „Hier lernt man Gleichaltrige, Jüngere und ganz Junge kennen, das ist immer wieder was Besonderes.“

Aber: Nicht alles, was die Jüngere beim Hurricane treiben, können die Älteren auch nachvollziehen. Uwe nervt die Garderobe der jungen Leute. „Denen geht es doch nur darum, aufzufallen, rennen hier oben ohne durch die Gegend, das muss doch wirklich nicht sein.“ Als er jung gewesen sei, hätte man sich nicht entblößt. Auch als Krümelmonster, Superhelden oder Einhorn müsse man sich nicht verkleiden.

Uwe steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Doch das Hurricane ist ein Festival der generationenübergreifenden Verständigung. Basti und Flo, beide 19, haben sich als Ernie und Bert verkleidet. „Warum braucht es nur so ein Kostüm?“, will ein Mann von den beiden wissen. „Auffallen ist nun mal Pflicht“, meint Basti. So würde man auch viel besser Frauen kennenlernen“, ergänzt Flo. Der ältere Mann nickt zustimmend, die beiden grinsen. Na also, es geht doch.

Hurricane-Bands am Samstag

Auf dem Campingplatz beim Hurricane

Beste Stimmung auf dem Campingplatz beim Hurricane

Hurricane Festival: Walking Acts heizen ein

Hurricane-Festival: Konzerte am Freitag

Camping-Bilder vom Freitag

Hurricane-Konzerte und Infield-Stimmung am Freitag

Der Auftakt beim Hurricane - die Tore sind offen

Das Hurricane von oben

Donnerstag „Montreal“ auf der White Stage und Motor-Booty-Party

Hurricane Campingplatz am Donnerstag

Der Campingplatz ist eröffnet

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