Pop aus Deutschland auf dem Hurricane – eine Bilanz

Dreht die Gitarren auf

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"Boy" auf dem Hurricane

Scheeßel - Von Mareike Bannasch. Wer heute Verkaufsschlager im deutschen Pop produzieren will, muss drei Dinge sehr gut verinnerlicht haben: leiden, leiden und – richtig - leiden. Und es scheint, dass die meisten Künstler, die aus Deutschland stammen und sich der Popmusik verschrieben haben, diese Lektion bereits bestens verinnerlicht haben.

Etliche von ihnen finden sich auch im Line-Up des diesjährigen Hurricane wieder. Doch funktioniert das überhaupt, nachdenklicher Pop auf einem Festival, wo es um Party und Unbeschwertheit geht? Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns die Auftritte von zwei Bands einmal genauer angesehen:

Gloria

Am Dienstag hat er sein Erfolgsprojekt Circus Halli Galli zu Grabe getragen, am Freitag steht Klaas Heufer-Umlauf nun mit seinen Jungs von Gloria auf der White Stage. Mit einem Jahr Verspätung. Denn eigentlich sollte dieser Auftritt bereits 2016 stattgefunden haben. Eigentlich, kurz vor dem Konzert hieß es damals: Eine Gewitterfront zieht auf, wir evakuieren. Doch zurück zum Jahr 2017: Dies Mal hat alles geklappt, zumindest mit Blick auf das Wetter.

Technisch allerdings gibt es offenbar Probleme, die Crew wuselt ungewöhnlich lange über die Bühne – und der Auftritt startet mit einiger Verspätung. Und auch als es endlich losgeht, müssen sich die dicht gedrängten Fans immer noch gedulden. Denn Heufer-Umlauf lässt sich Zeit. Auch als der Rest der Band bereits auf der Bühne steht, bleibt er einen Moment zurück und darf nun ganz allein im Jubel der Menge baden. Das mag reiner Zufall oder gewollte Planung sein, wirkt aber trotzdem unsympathisch. Zumal er ja auch eigentlich nur das Zugpferd der Band ist – und Mark Tavassol der musikalische Kopf. Den Fans, die durchweg der Blumenketten-, Seifenblasen- und Einhornfraktion angehören, ist das aber ziemlich egal, sie feiern den Auftritt trotzdem. Zu hören gibt es die für Gloria typischen nachdenklichen Töne, gepaart mit ruhigen Melodien, die in Scheeßel aber mit einer gehörigen Portion E-Gitarre überdeckt werden. Pop ist offenbar nur festivaltauglich, wenn er zumindest ein bisschen tanzbar ist.

Boy

Noch so ein Nachklapp aus dem Jahr 2016: Valeska Steiner und Sonja Glass sind damals aber gar nicht erst angereist, ihr Auftritt fiel von vornherein ins Wasser. 2017 soll nun also ihr Jahr werden, und die beiden Musikerinnen geben sich mit ihrer Band auch alle Mühe, die Songs an den Festivalbesucher zu bringen.

Ein Unterfangen, das zunächst nicht recht gelingen mag. Denn obwohl die Musik von Boy ohne Ecken und Kanten daherkommt und ohne Zweifel in die Kategorie „Easy Listening“ fällt, so richtig zünden will sie nicht. Warum ist nicht ganz klar, hat sich vor der Blue Stage doch eigentlich die Zielgruppe eingefunden – natürlich inklusive fransiger Kopfbedeckungen und jeder Menge Glitter im Gesicht. Aber selbst wenn sie die Songs von Boy auch mal zu Hause hören, der Auftritt in Scheeßel fungiert vor allem als Ruhezone. Dementsprechend ist die Stimmung dann auch. Allerdings nicht die ganze Zeit, beim Song „Boris“ gelingt den beiden dann doch noch das Kunststück, Beats zu produzieren, zu denen sich die Menge bewegen möchte. Auch gilt mehr denn je: Dreh einfach die Gitarren auf, dann klappt das schon.

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