Auftakt zum Hurricane-Festival: Dem heißen Start folgt eine nasse Unterbrechung

Den Turbulenzen zum Trotz

Endlich Festival: 75.000 Musikfans aus ganz Deutschland bevölkern an diesem Wochenende den Scheeßeler Eichenring. - Foto: Menker

Scheeßel - Von Matthias Röhrs und Lars Warnecke. Kieken, klönen, köpen. Das Motto, mit dem Scheeßel seine Besucher am Ortseingang begrüßt, ist natürlich auch gleichzeitig ein Motto des Hurricane-Festivals. Dort findet seit Donnerstagmittag nicht nur der alljährliche Zeltplatz-Wahnsinn aus Unwetterwarnungen, Matsch, Dosenbier und Flunkiball statt. Dort sahen am Freitag, dem ersten Programm-Tag, auch mehr als 75.000 Besucher Live-Shows von Turbostaat, The Hives und Rammstein. Im Regen und im Sonnenschein – und mit Unterbrechungen.

Der Tag begann denkbar schlecht. Ab 2 Uhr in der früh wütete ein schweres Unwetter mit Starkregen und Gewittern über den Eichenring und hinterließ jede Menge Schlamm, zahlreiche zerstörte Pavillons und lange Gesichter bei den bereits etwa 50.000 angereisten Festivalbesuchen. Dort, wo sie Tags zuvor nach der Anreise noch bei Hitze ausgelassen gefeiert hatten, kauerten sie sich am Morgen danach – in Ponchos, Jacken und Müllsäcke gehüllt – unter den Überresten ihrer Pavillons. Die White-Stage, wo eine Warm-up-Party stattfand, musste evakuiert werden.

Auch das Veranstaltungsgelände war über Nacht stark in Mitleidenschaft gezogen worden. So musste Wasser aus dem White-Stage-Zelt abgepumpt und eine Fläche von 2.000 Quadratmetern zusätzlich abgeschottert werden. Die Red-Stage trug starke Schäden davon, sodass der Veranstalter FKP Scorpio das Programm dort kurzfristig ändern, beziehungsweise die Konzerte der Bands The Stanfields und Good Riddance komplett absagen musste.

Dementsprechend verzögerte sich der Einlass auf das Gelände um etwa eine Stunde. Um 15.30 Uhr konnten die Besucher, die in der Zwischenzeit die meisten Schäden an ihren Camps behoben hatten und wieder guter Dinge waren, das Gelände betreten. Die Konzerte auf der Green- und der Blue-Stage konnten zu dem Zeitpunkt noch wie geplant stattfinden.

Notunterkünfte in der Hinterhand

Teilweise in skurrilen Kostümen und mit Gummistiefeln an den Füßen strömten die Musikfreunde auf das sogenannte Infield. Fast schon trotzig zelebrierten sie das Erlebte der Nacht, tanzten zur Musik von Chefket, Royal Republic und Co. durch Pfützen und Matsch. Die Sonne, die seit dem späten Vormittag wieder strahlte, leistete ihr Übriges, sodass schnell wieder Hoffnung auf einen normalen Festivalverlauf aufkeimte.

Doch einige Stunden später zogen schon wieder dunkle Wolken am Horizont auf. Kurz nach 18 Uhr setzte der Regen ein und die ersten Blitze zuckten. Die Organisatoren zogen die Reißleine und evakuierten das Gelände. Die Besucher waren aufgefordert, Schutz in ihren Autos zu suchen. Den ganzen Tag über hatte eine Koordinierungsgruppe aus Vertretern von Scorpio, Polizei, Feuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz das Wetterradar beobachtet und gesehen, wie eine weitere Unwetterfront auf Scheeßel zurollte. Man zog die Konsequenzen.

Also begaben sich die Besucher in Richtung der Ausgänge. Durch den Regen trotteten sie zu den völlig aufgeweichten Parkplätzen. Nicht alle waren mit dieser Entscheidung zufrieden. „Das ist Rock-am-Ring-Panik“, machte ein Besucher seiner Enttäuschung Luft. Und tatsächlich: Der Blitzeinschlag bei Deutschlands größtem Festival hat alle Verantwortlichen sensibilisiert. Im Ort wurden schon am Morgen – nach dem schweren Gewitter in der Nacht – Notunterkünfte, beispielsweise in Turn- und Fabrikhallen, hergerichtet, um auf das Schlimmste vorbereitet zu sein. Noch bis in den späten Abend hinein beriet sich die Koordinierunggruppe.

Bis auf einige Blitze und Schauer blieb der Eichenring von einem erneuten Unwetter verschont. Etwa ab 19 Uhr kehrte wieder Ruhe ein. Auf den Park- und Campingplätzen ging die Party deshalb schnell weiter. Um 20.30 Uhr dann die Entwarnung: Die Schleusen am Eingang wurden geöffnet und das Festival mit neuem Ablauf fortgesetzt, sodass alle Hauptacts spielen konnten. Die Gemeinde Scheeßel hatte dafür per Sondergenehmigung die Ruhezeit nach hinten verschoben. Auch für Headliner Rammstein sollte so trotz einer Stunde späterer Startzeit ein Konzert in vollem Umfang ermöglicht werden.

Wassermassen auf dem Hurricane-Festival

Donnerstag auf dem Hurricane

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