Pinsel statt Nadel auf dem Hurricane

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Vivian lässt sich tätowieren

Scheeßel - Von Vivian Krause. Die Luft ist feucht, Zigarettenrauch und Biergeruch durchströmen den lichtdurchfluteten Raum, laute Musik dröhnt aus den Boxen und mittendrin sitzt er: Der Tättowierer meiner Wahl. Was fehlt: Das gewohnte Surren der Maschinen, die ich bei einem Besuch in einem Studio erwarte. In diesem Fall geht es nicht unter die Haut - sondern nur drauf. Und der lichtdurchflutete Raum ist ein Pavillion. Und das Werkzeug keine Nadel sondern ein Pinsel.

Bevor ich auf dem Stuhl Platz nehmen darf, muss ich mich für ein Motiv entscheiden. Zugegebenermaßen habe ich mir im Voraus nicht sonderlich viele Gedanken zu meinem Wunschmotiv gemacht, ist ja auch eine ganz spontane Aktion. Also blättere ich durch die Mappen und bestaune die Kunstwerke an den Wänden: Vögel, Tribals, Blumenranken und auch Genitalien zieren sie. Tja, wir sind hier nun mal immer noch auf dem Hurricane Festival. Äußerst beliebt auch: Glitzernippel. Ein ganz besonderer Bonus der Künstler und mit ein Grund, warum mir dieses Studio immer sympathischer wird. Nicht wegen der anzüglichen Zeichnungen und Bildern an den Wänden, nein, weil es Glitzer gibt.

So lasse ich meinen Blick noch einmal über die Auswahl schweifen und schon bleibt er kleben. An einer Feder die sich in etliche Vögel verwandelt - abstrakt, surreal und vor allem ein bisschen Hipster. Gekauft! "Eines der häufigsten Motive", erklärt mir der Semi-Künstler Gidon Bromer. Er und sein auf dieser Veranstaltung sechsköpfiges Team orientieren sich lieber an Vorlagen, denn Zeichnen ist nicht ganz so ihr Ding.

Mit ihrem mobilen Tattoo-Studios reisen sie von Festival zu Festival und das sogar in ganz Europa. Beim Hurricane haben sie zwei Stände: Einen auf dem Campingplatz, einen im Infield. Und Kunden gibt es immer - sogar bei schlechtem Wetter. Etwa 100 am Tag, die sich für zehn bis 20 Euro eine Erinnerung stechen - äh - malen lassen. Am Samstag bin ich die erste Wagemutige und werde vermutlich auch die Letzte bleiben, kein Wunder - das Infield ist für die Camper nicht geöffnet.

Nachdem ich mich nun für die Vogel-Feder-Variante entschieden habe, wird es ernst. Bromer klebt mir die Vorlage auf den Unterarm. Dann dreht er sich zu seinem Arbeitstisch und schnappt sich seine Utensilien: Pinsel und Farbe. Er malt mit hyperallergener Farbe, wie er mir versichert, die Freiräume der Vorlage aus. Tut gar nicht weh und hält sogar fünf bis sieben Tage. Aber Sonnencreme, Alkohol auf meiner Haut und ungewöhnlich starkes Einseifen beim Duschen sind tabu. Ersteres ist bei dem Blick auf die Wetterlage kein Problem, zweiteres bei einem Festival zeitweise schwierig und letzteres doch ohnehin zweitrangig beim Hurricane. Dennoch, ich bin mächtig stolz auf mein neues Tattoo, dass ich die erste Kundin war (ich war noch nie die Erste bei etwas) und dass ich nun mal testen kann, ob eine Vogel-Feder-Hipster-Tätowierung was für mich ist.

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