Nicht nur was für Mädchen: Bosse, James Bay und Mumford & Sons auf dem Eichenring in Scheeßel

Tanzbär trifft auf Hut-Träger

Alles andere als Mädchenmusik spielt James Bay am Nachmittag. - Fotos: Guido Menker

Scheeßel - Von Mareike Bannasch. Als der Mond schließlich über dem Festivalgelände aufgeht, die ersten Sterne zu sehen sind und Marcus Mumford zur Akustik-Gitarre greift, sind auch die letzten Musikfans versöhnt. Nachdem sie tagelang auf schlammgefluteten Zeltplätzen ausgehalten haben, gibt es für die Hurricane-Besucher zumindest am Sonntag einen Festivaltag aus dem Bilderbuch. Blauer Himmel und Schäfchenwolken inklusive.

Doch nicht nur aus meteorologischer Sicht erfüllt der letzte Tag auf dem Eichenring endlich die Erwartungen, musikalisch lohnt er sich ebenfalls. Kann der Veranstalter mit Acts wie Tom Odell, Wanda, James Bay und nicht zuletzt Mumford & Sons doch mit einem starken Programm aufwarten.

Marcus Mumford und seine Band sorgen unter sternbedecktem Himmel für einen versöhnlichen Festival-Abschluss.

Ein Line-Up, das für Mädchenherzen zugeschnitten zu sein scheint. Allerdings nur auf den ersten Blick, wie der Auftritt von James Bay am frühen Abend auf der Green Stage eindrücklich beweist. Den meisten ist der Hut tragende Brite sicher vor allem als Interpret des Schmachtfetzen „Hold back the river“ bekannt. Ein Song aus dem Soundtrack des Schweighöfer-Films „Der Nanny“ – Also genau das Richtige für Festivalbesucher mit Blümchenketten im Haar, die Seifenblasen über das Gelände pusten?

Nicht ganz, denn James Bay ist meilenweit vom Pop-Einheitsbrei entfernt. Stattdessen gibt es bei strahlendem Sonnenschein wummernde Bässe, krachende Gitarrenriffs und eher Rock denn Pop zu hören. Natürlich stammt dabei das Meiste von der ersten Platte des Briten „Chaos und Calm“, aber eben nicht nur. Während seines Auftritts spielt er auch Perlen wie die Schaufelrad-Dampfer-Hymne „Proud Mary“, die bei Bay zu einer temporeichen, gitarrenlastigen Mithüpf-Einladung mutiert – perfekt für einen Festivalnachmittag.

Den Tanzreigen hatte zuvor aber bereits ein Musiker eingeläutet, der sich vor allem als energiegeladener Tanzbär einen Namen gemacht hat: Bosse. Der gebürtige Braunschweiger hat richtig Bock auf den Auftritt beim Hurricane, und macht dies ab dem ersten Song deutlich. Angefeuert von Sprechchören und einer Menge, die meterweit ins Infield reicht, arbeitet er sich vor Schweiß triefend durch alte und neue Hits.

Los geht's: Bosse ruft zum Engtanz auf.

Natürlich nicht, ohne dabei das Durchhaltevermögen der Massen zu loben und zu den obligatorischen Sprechchören aufzurufen. Dass das alles nicht allzu routiniert und aufgesetzt daherkommt, hat auch mit der unprätentiösen Art des Sängers zu tun. Ein Musiker, der seine Energie nicht nur bis in die letzte Reihe seiner tausenden Zuhörer zu tragen vermag, sondern ganz nebenbei auch noch Werbung für den Auftritt von Deichkind auf der Blue Stage macht. Die Hamburger Hip-Hopper, die fast schon so etwas wie alte Bekannte auf dem Eichenring sind, enttäuschen am späten Abend dann auch nicht und belohnen all jene die nach dem verregneten Samstag ausgeharrt haben mit einer wie immer gelungenen Mischung aus tanzbaren Beats und schrillen Kostümen.

Headliner sind aber andere, nämlich die britische Folk-Rock-Band Mumford & Sons. Nach ihrem Auftritt im Jahr 2012 stehen die Musiker wieder auf dem Eichenring, dieses Mal als grandioser Abschluss eines Festivals, das so schnell sicher niemand vergessen wird. Nicht nur wegen der Wetterkapriolen, sondern auch wegen des Auftritts von Marcus Mumford und Co. Scheinbar mühelos verbinden sie den früher für die Band so charakteristischen Sound von Kontrabass, Fiddle, Bläsern und Akustikgitarre mit den härteren Klängen des aktuellen Albums und versöhnen so manchen mit ihrem Sprung in den Mainstream.

Denn mögen die Stücke aus „Wilder Mind“ auf der Platte auch beliebig und austauschbar daherkommen, live entwickeln sie dennoch ihren Reiz. Und als sich die Menge vor dem sternenklaren Himmel selig in den Armen liegt und Marcus Mumford zu einem spontanen Ausflug in die Massen startet, da lächelt dann auch Veranstalter Folkert Koopmans zufrieden. Manchmal wird eben doch noch alles gut – so abgedroschen es auch klingen mag.

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