Warnung vor Kauf an der Straßenecke

Karte gesucht - Was nun?

Wer jetzt noch sucht, hat kaum Chancen an

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Es ist schon bitter: Die 20. Auflage des größten norddeutschen Musikspektakels steht vor der Tür, mit einem Line-Up, wie es die Hurricane-Fans seit Jahren nicht mehr gesehen und gehört haben – und es gibt keine Karten mehr.

Ganz neu ist das Problem nicht; ist das Festival, das ab morgen bis Sonntag auf dem Eichenring steigt, doch bereits seit Februar ausverkauft; auch die wenigen hundert Karten „Nachschub“ waren ruckzuck vergriffen.

Die große Verzweiflung ist zumindest in Scheeßel selbst jedoch ausgeblieben. Routiniers haben gleich nach der letzten Auflage eine der begrenzten „Wild Cards“ zum Vorzugspreis erworben; viele andere regelmäßige Hurricane-Gänger hatten den Vorverkauf beobachtet und rechtzeitig die Notbremse gezogen. Eine von ihnen ist Vanessa Schulze: „Eigentlich wollte ich mit dem Kauf bis zu meinem Geburtstag Ende April warten – aber als es eng wurde, habe ich im Februar dann noch schnell zugeschlagen“, so die Anfang 20-Jährige.

Dennoch sind noch einige Möchte-Gern-Besucher auf der Suche. Was können sie tun? Wir fragten bei Katja Wittenstein, Marketing-Leiterin beim Veranstalter FKP Scorpio, nach.

Ihre Antwort ist ernüchternd: „Eigentlich kann ich nur sagen, was man auf keinen Fall tun sollte, nämlich Tickets an der Straßenecke, im Internet oder sogar Printout-Tickets zu kaufen. Da kann es zu bösen Überraschungen kommen, wenn wir Leute dann wieder nach Hause schicken müssen, weil die Karten gefälscht waren.“ Mit dem Schnäppchen auf dem „grauen Markt“, der im Vorjahr sogar die ein oder andere Kostenersparnis zuließ (kein Wunder, waren im Vorjahr gerade mal 65.000 Karten über den virtuellen Ladentisch gegangen), ist dieses Jahr wohl Fehlanzeige. Das zeigen auch die Preise auf einer großen deutschen Internet-Verkaufplattform. Dort sind Preise von 200 Euro aufwärts die Regel; aber auch Verkäufer, die mit Sofort-Kaufen-Preisen von 400 Euro ins Rennen gehen, sind dort vertreten.

Eine weitere Möglichkeit: Gewinnspiele. Der Eindruck, dass in diesem Jahr weniger Karten verlost werden, täuscht, wie Wittenstein versichert: „Wir pflegen langjährige Beziehungen zu unseren Kooperationspartnern. Die bekommen ein genauso großes Kontingent wie jedes Jahr.“ Das Problem, mal abgesehen von der Unberechenbarkeit von Fortuna: Oft reicht es nicht aus, irgendwo ein Kästchen „Ja, ich will gewinnen“ anzukreuzen. Bei einigen Verlosungen müssen die Teilnehmer richtig kreativ sein. So generiert sich auch gleich Content für die entsprechenden Seiten in den Sozialen Netzwerken. Bei einem Hersteller werden Fotos der schönsten Outfits gesucht, ein Fernsehsender fragt nach dem schönsten Festival-Geschichten oder peinlichsten Erlebnissen. Wer hätte da nicht die ein oder andere Geschichte beizutragen, doch: will man die unbedingt in den Massenmedien lesen?

Eine andere Option, auch für knappe Geldbeutel, war in den letzten Jahren die Teilnahme als Festivallotse. Die Freiwilligen, seit 2012 auf vielen Festivals des Hamburger Konzertveranstalters unterwegs und an ihren weiß-blauen Westen zu erkennen, schoben beim Einsammeln von Müll, beim Dekoration oder Einweisen der Autokolonnen ihren Dienst. Der Haken an der Sache: Anstatt zu feiern, ist jeder der freiwilligen Helfer verpflichtet, zu bestimmten Zeiten mit anzupacken und so die vorgeschriebene Anzahl an Stunden abzuleisten. Da kann es schon mal passieren, dass man seine Lieblingsband oder die Aftershow Party verpasst. Wer dennoch auf diese günstige Möglichkeit des Festivalbesuchs spekuliert hatte, guckt dieses Jahr in die Röhre: In diesem Jahr werden auf keinem der Festivals von FKP Scorpio Lotsen eingesetzt. Dazu Wittenstein: „Das war ein enormer Verwaltungsaufwand, den wir jetzt überdenken und gegebenenfalls neu organisieren.

Was bleibt? Der Blick über den seit einigen Jahren mit Bannern verhängten Zaun zum Eichenringgelände – oder die Hoffnung auf Ostwind, um die Konzerte im Kernort wenigstens von der Terrasse aus zu hören. (hey)

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