Pastorin Karin Klement im Interview über die Notfallseelsorge auf dem Eichenring

„Die Energie muss manchmal einfach heraus“

Karin Klement und ihr Team haben auf dem Hurricane-Festival für jeden ein offenes Ohr. - Foto: Heyne

Scheeßel - Von Matthias Röhrs. Wer beim Hurricane-Festival im großen Hauptbehandlungszelt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Hilfe sucht, findet nicht nur medizinische. Auch ein Team der Notfallseelsorge ist vor Ort, um den Besuchern bei ihren Nöten zur Seite zu stehen. Die Visselhöveder Pastorin Karin Klement ist die Koordinatorin dieser Gruppe. Im Interview mit der Kreiszeitung spricht sie über ihre Arbeit auf dem Festival.

Frau Klement, Sie engagieren sich zum dritten Mal beim Hurricane-Festival. Wenn man nicht selber Rock-Musik-affin ist, dann geht das doch gar nicht, oder?

Karin Klement: Das trifft auf mich vielleicht zu, dass ich nicht ganz Fan dieser Musik bin. Meine Kollegen sind da allerdings schon versierter und schauen sich zwischendurch auch mal Konzerte an. Wenn wir nachmittags mit einer Gruppe da sind, dann können auch mal zwei über den Platz gehen.

Aus was für Menschen besteht Ihr Team?

Klement: Ich selber zähle zu den älteren. Die jüngsten von uns sind aber auch gar nicht mehr so jung, das ist schon um die Ende 40 rum. Aber es gibt ja auch Gäste in dem Alter, die dann mit ihren jugendlichen Kindern sozusagen daran teilnehmen. Ist ja auch noch die Generation, die sich gerne Rammstein anhört.

Wie groß ist Ihr Team und wer ist alles dabei?

Klement: Dieses Mal sind wir sieben Personen. Das sind nicht nur Pastoren, sondern auch Psychologinnen, die auch schon seit einigen Jahren dabei und auch immer hilfreich sind, gerade in sehr unangenehmen Situtationen – wenn beispielsweise der Verdacht besteht, dass eine Frau vergewaltigt wurde. Dann ist es immer gut, wenn man eine richtige Psychologin dabei hat, mit der sich die Frauen besprechen können.

Wer kommt denn alles so zu Ihnen?

Klement: Die Hauptzahl sind sind die, die von Freunden halb getragen werden müssen, weil sie zu viel Alkohol getrunken haben. Wenn sie dann etwas klarer werden, fließen auch mal die Tränen, beispielsweise wegen Liebeskummer. Dann hört man einfach zu und leistet Beistand.

Also kommen die Menschen auch eher zu zweit oder in Gruppen als alleine?

Klement: Ich bin ganz positiv überrascht, dass wirklich die Freunde, mit denen sie auf dem Festival sind, sie unterstützen, wenn sie sich beispielsweise den Fuß verletzt haben. Die Freunde bringen die Menschen zum DRK-Zelt, wo Pfleger und Ärzte sie behandeln können.

Was für Sorgen und Nöte vertrauen die Besucher Ihnen denn an?

Klement: Das ist natürlich vertraulich. Meistens sind es aber Konflikte mit dem Freund. Es gibt auch schlimmere Fälle, wo jemand ausrastet, weil Alkohol enthemmt und er nicht mehr zu bändigen ist. In diesen Fällen ist es wichtig, dass jemand da ist und beruhigend einwirken kann, sodass diese Fälle nicht nur medizinisch behandelt werden, sondern auch jemand Zeit hat, dabei sitzt und ein Auge auf sie hat.

Kommen Menschen aller Glaubensrichtungen zu Ihnen, oder nur Christen?

Klement: Danach fragen wir gar nicht. Es ergeben sich manchmal Glaubensgespräche, wenn mal einer nachfragt, wer hinter der Notfallseelsorge steckt. Wenn ich dann sage, dass ich Pastorin bin, dann spricht man manchmal über theologische Fragen, aber wir fangen von uns aus nicht damit an. Wir sprechen darüber, was ihnen gerade das Herz schwer macht, und entlasten dadurch auch die Helfer im DRK-Zelt.

Sie haben es gerade schon angesprochen: Manche trinken zu viel Alkohol und sind dementsprechend auch mal aggressiv. Wie gehen Sie persönlich damit um?

Klement: Wenn, dann sind sie nur verbal aggressiv. Ich kann das aber ganz gut aushalten und versuche erst einmal, überhaupt in ein Gespräch zu kommen. Wenn jemand so geladen ist, dann steckt da eine Energie in der Person, die einfach herauskommen muss. Wenn diese Energie erst einmal weg ist, kann man auch wieder ruhiger miteinander reden – auch darüber, was die Person gerade quält.

Nun war das Hurricane in diesem Jahr geplagt von Unwettern. Ist diese besondere Situation für das Festival auch eine besondere Situation für Sie?

Klement: Es ist schon eine größere Belastung, weil auch mehr Verletzungen passieren. Da ist spürbar, dass es Stressphasen gibt. So etwas ist auch für die Helfer vor Ort eine Belastung und dann haben wir nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Pfleger und Ärzte ein offenes Ohr.

Wie ist denn Ihr Eindruck von den Besuchern?

Klement: Ich war überrascht über die Disziplin. Als es beispielsweise darum ging, dass das Festival unterbrochen wird und die Leute in ihre Autos gehen sollen. Das fand ich schon beeidruckend, dass es kaum Protest gab, schließlich wollten wir alle gerne ein schönes Festival erleben.

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