Elliphant im Zelt der White Stage

Frau sein, frei sein, Mann sein

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Elliphant spielt beim Hurricane Festival auf der White Stage.

Scheeßel - Von Vivian Krause. Die Kurzhaarfrise, Kreolen und das Outfit – ein Mix aus Sportmode und sexy Rückenausschnitt – machen die Rolle der Rapper-Braut auf der Bühne glaubwürdiger, als der im Gegensatz dazu eher unschuldige Look mit langer, blonder Mähne. Frau sein, frei sein und dabei doch ein wenig Mann sein, so die Devise der Schwedin.

Das unterstreicht sie bei ihrer Performance auf der White Stage beim Hurricane-Sonntag durch den für Männer typischen Griff in den Schritt und ein Bier in der Hand. Im nächsten Moment lässt sie ihre Hüften Kreisen, funktioniert den Mikrofonständer in eine Striptease-Stange um, haut dann aber Worte wie „fuck“ oder „shit“ raus. Definitiv eine Künstlerin, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Nicht nur in ihren Texten, auch ihre Fans fordert sie mit „you suck“ zu mehr Ausgelassenheit auf. Mit Erfolg. Die Schwedin verwandelt das Zelt in eine Disco und das Publikum in eine bebende Menge.

Ellinor Miranda Salomea Olovsdotter, wie Elliphant mit richtigen Namen heißt, präsentiert den Fans nicht nur Songs aus ihrem ersten Album, sondern auch neue Beats der zweiten Platte „Living Life Golden“. Passend zum sommerlichen Wetter, das sich am Festival-Sonntag doch noch blicken lässt, performt die 30-Jährige die Single „Love Me Badder“. Die Devise: Augen zu und an Reggae-Sounds, Palmen und Joints erinnern. Schon reißt die Schwedin das Publikum aus den Träumen und zeigt ihre toughe Seite. Warum stehen die Leute in dem noch immer mit Pfützen übersäten Zelt der White Stage, statt endlich die Sonne zu genießen, fragt sich die Künstlerin. Als Antwort gibt es einfach den nächsten Track.

Schwingende Ärsche und jamaikanische Sounds

Wäre die Fläche der White Stage nicht ohnehin klitschnass, hätte sicherlich bei einem etwas längeren Gig der Schweiß von der Decke getropft. Denn: Wer bei diesem Sound stillhält, ist selbst schuld. Die Stimmung erinnert etwas an das Video zu „Get Busy“ von Sean Paul. Schwingende Ärsche, jamaikanische Sounds und aufgeheizte Körper. Was fehlt, sind nur noch Handtücher oder Shirts, die durch die Luft gewedelt werden.

Die Künsterlin performt Songs aus ihrem neuen Album "Living Live Golden".

Ohne Lyrics in der Hand sind die Worte zeitweise jedoch erstaunlich schlecht zu verstehen, erschwert durch den jamaikanische Akzent. Jeder, der mit dem Sound von M.I.A. oder Santigold etwas anfangen kann, kommt um die Dame aus Stockholm dennoch nicht drumherum. Elliphant präsentiert einen Mix auf Pop, Electro und Dancehall. Ohne einen Blick auf die Bühne zu werfen, könnten dort auch mehrere Künstlerinnen stehen, denn die Stimme wechselt zwischen schön, schneidend, rauchig, laut und leise. Mitreißende Performance, nur mit rund einer Stunde Spielzeit leider viel zu kurz – wo die Festivalisten doch ohnehin auf rund 50 Prozent der Acts verzichten mussten.

Über das neue Album

Am 25. März veröffentlichte Elliphant ihr erstes internationales Album und damit ihre zweite Platte „Living Life Golden“, von dem sie beim Auftritt beim Hurricane mit „Spoon Me“ oder „Love me Badder“ die Stimmung aufheizte. Als Feature-Gäste hat sich die Schwedin Musikgrößen wie Skrillex, die Rapperin Azealia Banks oder Major Lazor geholt.

Hurricane - der Sonntagabend auf und vor der Bühne

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