Einstand mit leichten Längen: AnnenMayKantereit spielt zum ersten Mal in Scheeßel

Bloß nicht 30 sein

In der Not hilft auch ein Beatles-Cover: Henning May und seine Band geben auf dem Eichenring ihren Einstand. - Foto: Menker

Schessel - Von Mareike Bannasch. Sie sind überall: Um ihre neue und erste Platte bei einem großen Label, namentlich Universal, zu bewerben, hetzen AnnenMayKantereit durch die Lande. Geben Interviews, sind Teil von großen Artikeln im Spiegel und stellen Songs aus ihrem Album „Alles Nix Konkretes“ vor. Klar, dass da auch ein Auftritt beim größten Festival in unseren Breitengraden nicht fehlen darf. Natürlich bekommt die wohl am meisten gehypte Band des Jahres keine Spielzeit mit allen anderen Nachwuchsmusikern zugeteilt. Nein, es darf schon etwas größer sein.

So ist es dann die Blue Stage, auf der die Jungs am Freitagabend stehen. Aus den drei Gründungsmitgliedern sind mittlerweile vier Musiker geworden, die doch recht beeindruckt auf die dicht gedrängten Massen blicken und erst einmal tief durchatmen müssen. Offenbar hat der PR-Marathon seine Wirkung nicht verfehlt – oder die Leute wollen nach der Unwetterpause einfach nur irgendetwas sehen. Wie dem auch sei, nach ein paar Atemzügen singt Frontmann Henning May von Beziehungen, die am Boden liegen, von Trinkgelagen in der WG oder Freundschaften, die dem Zahn der Zeit nicht gewachsen waren. Themen, die die Musiker vor allem im Moll ausdrücken und die sich beim Publikum verfangen, es singt laut und ausdauernd mit. Offenbar sucht die Jugend nicht nach Lösungen für die Probleme dieser Tage, sie hat stattdessen einen Hang zu Selbstmitleid und Melancholie. Jedoch ohne recht zu wissen, wo sie denn nun wirklich hin will. Nur eines ist klar, wie May in der ab und an mit rockigen Zügen versehenen Nummer „21, 22, 23“ deutlich macht: 30 will hier keiner werden. Über das Warum lässt der Text den Zuhörer leider im Unklaren. Probleme mit den Nachbarn oder das Ende aller Reihenhaus-Träume können es wohl nicht sein: Wenn man der Band Glauben schenken darf, hat man diese Sorgen doch eigentlich schon mit Mitte 20.

Der besondere Reiz von AnnenMayKantereit ist also offenkundig nicht die Logik ihrer Texte, doch was bleibt dann noch? Zunächst einmal die wirklich außergewöhnliche Stimme Henning Mays, die sich irgendwo zwischen zu viel Jack Daniels und Kettenraucher verortet und trotzdem einige sanfte Momente zulässt. So wie beispielsweise in der doch recht ruhigen Nummer „Barfuß am Klavier“. Wie der Name bereits vorgibt, sitzt May am Klavier und arbeitet eine gescheiterte Beziehung auf. Klar, dass das nicht ohne bittere Worte abgeht, die aber doch ziemlich leichtfüßig und mit einer eingängigen Melodie versehen daherkommen.

Ein Einstand auf dem Hurricane, der zwar handwerklich gut gemacht ist, dennoch die rechte Leidenschaft und Abwechslung vermissen lässt. Dass das Konzert dennoch mit einem versöhnlichen Eindruck endet, hängt zu einem Großteil mit der Songauswahl zusammen. Indem AnnenMayKantereit mit „Wohin du gehst“ schon zum Einstieg einen Hit bringt, gibt die Band ihrem Publikum direkt bekanntes Material zum Mitsingen an die Hand, das auch über die nicht zu verleugnenden Längen des Konzerts trägt. Und wenn gar nichts mehr hilft, gibt es einfach ein gut gemachtes Beatles-Cover wie „Come together“. Da lässt sich dann auch eine Erkenntnis leichter ertragen: dass man doch irgendwann 30 wird. Ob man will oder nicht.

Hurricane - der Sonntagabend auf und vor der Bühne

Bosse auf dem Hurricane 2016

Hurricane Festival aus der Luft

Hurricane-Konzerte am Freitagnachmittag

Hurricane öffnet Tore mit Verspätung

Wassermassen auf dem Hurricane-Festival

Donnerstag auf dem Hurricane

Hurricane-Zeltplatz am Donnerstag

Klare Statements und skurille Untersätze zur Hurricane-Anreise

Drogenkontrolle bremst Hurricane-Anreise aus

Hurricane 2016: Die Campingplätze füllen sich

Anreisewelle zum Hurricane rollt

No-Go's beim Hurricane 2017 - von der Designerjeans bis zum Stage-Wechsel

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