Wasser aus dem Infield wird abgepumpt

Hurricane-Samstag abgesagt - Sonntag soll stattfinden

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Zwischen Resignation und Optimismus: Die Musikfans auf dem Hurricane Festival kämpfen mit den Wassermassen.

Scheeßel - Von Matthias Röhrs, Johanna Müller und Vivian Krause. Ein Déjà-vu erleben derzeit die 75.000 Besucher des Hurricane-Festivals. Wie schon am Freitag zuvor wurde der Eichenring in Scheeßel am Samstagvormittag erneut von Starkregen und Gewitter heimgesucht.

Update 21 Uhr: Nach mehreren Versuchen, doch noch ein paar Bands spielen zu lassen, wurde das Hurricane Festival nun für Samstag komplett abgesagt. Am Sonntag soll das Festival hingegen stattfinden. Dazu teilt der Veranstalter mit:  HURRICANE-SAMSTAG ABGESAGT / HURRICANE SONNTAG FINDET STATT!!! Liebe Gäste, mit sehr, sehr viel Bedauern, müssen wir Euch mitteilen, dass unser Veranstaltungsgelände die zusätzlichen Wassermassen nicht bewältigen konnte. Hiermit informieren wir Euch, dass die Gefahrenabwehrbehörde zusammen mit allen anderen involvierten Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, das Gelände heute Abend nicht für den Spielbetrieb freigeben konnte. Diese Entscheidung tragen wir als Veranstalter mit. Wir werden die ganze Nacht versuchen mit dem THW und der Feuerwehr das Veranstaltungsgelände wieder Spielbereit zu bekommen. Die erwarteten Niederschlagsmengen für Sonntag sind sehr gering und wir gehen davon aus, dass mit den vorhandenen Mitteln das Programm planmäßig stattfinden kann. Wir bedauern das sehr und bedanken uns bei Euch für die Geduld, den Behörden und Crews für ihren unermüdlichen Einsatz und bei allen Bands, die sehr gerne für Euch aufgetreten wären.

Die Veranstalter von FKP Scorpio haben eine weitere Unwetterwarnung herausgegeben, die Gäste, die sich auf ein Wochenende voller Musik gefreut haben, sollten ihre Autos und Zelte aufsuchen, anderen Schutz gewähren.

In der Zwischenzeit hat sich auch der Einlass auf das sogenannte Infield um mehrere Stunden nach hinten verschoben. Gegen Mittag hieß es, dass es frühestens ab 15 Uhr weitergehen kann. Die Auftritte von De fofftig Penns, Herrenmagazin, „DMA’S“, Tüsn, The Devil Makes Three, Vauus, Rat Boy & Elle King wurden abgesagt.

Derweil haben die ersten Fans kapituliert und sind abgereist. Auf den Campingplätzen wachsen Pfützen zu kleinen Seen an, alles ist voller Schlamm. Diejenigen, die die Hoffnung auf ein versöhnliches Ende des Festivals noch nicht aufgegeben haben, harren in ihren Camps und Fahrzeugen aus und warten auf Besserung.

Das Infield soll stark vom Regen betroffen sein. „Hier schwimmt alles“, berichtet ein Polizeisprecher. Ob das Festival weitergehen kann, ist unklar. Die Gemeindeverwaltung Scheeßel schweigt sich aus, der Veranstalter FKP Scorpio war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Regen, Schlamm und Abreisewelle

Festivalbesucher optimistisch

Sonja und Nicole Oltmanns aus Rethem sind am Donnerstagvormittag mit ihrem VW Bus auf dem Wohnmobilstellplatz zwei angekommen - dass sie im Trockenen schlafen, war den Schwestern somit von vornherein klar. Dass sich jedoch vier weitere Festival-Besucher mit in ihren Bus gesellen, nicht unbedingt. "Die könnten auch alle hier schlafen", macht Sonja ein großzügiges Angebot. Und folgt damit der Bitte des Hurricane "helft euch gegenseitig, nehmt andere Besucher in euren Fahrzeugen auf".

Via Radio und Facebook halten die sechs sich auf dem Laufenden, mit Bier und Alster die Feierlaune aufrecht. Die Enttäuschung ist da und deutlich in den Worten der 20-Jährigen zu hören: "Aber es ist schon gerechtfertigt". Dennoch: Die Sechser-Crew, die mittlerweile in einen Wohnwagen zu anderen fünf Musikfans ungezogen ist, sagt deutlich: "Wir bleiben auf jeden Fall". Zumindest solange es die Sicherheit zulässt. Sollte ein Blitz einschlagen oder Personen verletzt werden, würde Sonja auch einen Abbruch des Festival wie beim "Southside" verstehen. Bis jetzt ist diese Bilanz der Verluste durchs Unwetter bei den Schwestern glücklicherweise gut: Nur ein Sonnenschirm hat es nicht geschafft. Und der Optimismus beherrscht den VW Bus: "Morgen ist ja auch noch ein Tag!"

Ebenso optimistisch bleibt die Gruppe um Daniela Patraustzky: "Wir sitzen aneiandergekauert unter dem Pavillon und genießen die frische Luft", berichtet die 25-Jährige Nienburgerin. Ab und zu würden sie mal das Wasser wegschubsen, aber ansonsten geht es ihnen bei Bier und Dosen-Ravioli gut. Auch einen netten Ausblick haben die fünf, die direkt gegenüber eines Duschcontainers sitzen. Dort wird sich mittleweile im Regen eingeseift, das Abspülen geht dort wie von allein.

Nach Hause wollen sie vorerst nicht. "Mit Sonne wäre es besser, aber so geht's auch", sagt Christoph Müller aus Balge. Noch besser wäre es allerdings, wenn auch bald ein paar Bands spielen würden, ergänzt sein Zwillingsbruder Christian. Doch auch aus der aktuellen Situation machen sie das Beste. Bei der guten Stimmung hat sich gerne Ico Helms aus Düsseldorf der Truppe angeschlossen. Denn seine Freunde sind wieder abgereist. "Wir sind am Donnerstag elf Stunden hierher gefahren und nach zwei Stunden haben die wieder zusammengepackt", sagt er. Das Gewitter war ihnen zu viel. Doch Ico hält durch. Der 29-Jährige bleibt, schließlich hat er dafür auch viel Geld bezahlt. "Da will ich auch Spaß haben - und den habe ich hier."

Zu viel Wasser: Hurricane säuft ab

Campingplatz leert sich langsam

Dass bereits viele abgereist sind haben auch die vier Freunde aus dem Landkreis Nienburg bemerkt. "Wir bekommen immer mehr Material. Drei Pavillons haben wir schon", sagt Julian Schneider, der sich über die Hinterlassenschaften freut. Ihre Sachen zum Auto tragen am Samstagmittag Christoph Mestemacher, Torben Lekeke (beide 19) und Hauke Bosch (18) aus Hameln. "Es wird ja weiter regnen, da haben wir keine Lust mehr drauf", sagt Christoph. Etwas enttäuscht sind die Freunde, doch sie haben zumindest die Acts gesehen, die sie gerne live erleben wollten.

Ist ein Abbruch nötig?

Die Gruppe aus Nienburg auf dem Campingplatz findet, dass ein Abbruch zur Zeit nicht notwendig ist. Und bei dem Wetter haben sie auch keine Lust abzubauen. Bedroht fühlen sie sich noch nicht. Sie verstehen jedoch, dass die Veranstalter Angst haben, dass mehr passieren könnte.

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Donnerstag auf dem Hurricane

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