Umweltschützer prüfen Auflagen

Wie viel Festival verträgt die Natur?

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Begehung im Grünen: Nabu-Vorsitzender Roland Meyer (2.v.l.) und Festivalleiter Jasper Barendregt gehen das festivaleigene Naturschutzprogramm durch.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Das Hurricane und der Zaun – das eine geht nicht ohne das andere. Auch und vor allem aus Naturerhaltungsgründen. Denn was im Eifer des alljährlichen Trubels gerne vergessen wird: das weitläufige Festivalgelände tangiert artenreiche Biotope sowie Schutzgebiete.

Und die, darin sind sich die Arbeitsgemeinschaft der Naturschützer im Landkreis und der Veranstalter FKP Scorpio einig, gilt es von den feiernden Besuchermassen außen vor zu lassen. Wenngleich das auch nicht immer gelingt.

Ein kühler Juni-Abend vor Festivalbeginn. Am Rande vom Scheeßeler Holz steht eine zehnköpfige Gruppe beisammen. Unter ihnen: der hiesige Nabu-Vorsitzende Roland Meyer und Festivalleiter Jasper Barendregt. Auch Vertreter der Jägerschaft sowie eine Handvoll weiterer Umweltschützer sind zugegen. Man lacht, pflegt einen lockeren Umgangston miteinander. Der Anlass allerdings, der die Beteiligten zusammengeführt hat, ist ein ernster – das betont Meyer.

„Wenn hier mehr Menschen zusammenkommen, als im Südkreis Rotenburg wohnen – und das auf wenigen Quadratkilometern –, dann geht das nicht ohne Belastungen ab“, sagt der Wittkopsbosteler mit Blick auf die Natur rund um das Festivalgelände. Ganz ausräumen könne man dieses Problem zwar nicht, doch was die Kooperation mit Scorpio und damit die Einhaltung von Naturschutzauflagen betrifft, sei man auf einem guten Weg.

Das war nicht immer so. Jahrelang fristete der Umweltgedanke hinter den Kulissen eher ein Schattendasein. Noch Anfang dieses Jahrzehnts, so Meyer, habe es zwischen beiden Seiten keinen echten Gesprächsfaden gegeben. „Früher sind wir als Bürger herumgestreunt und haben mit der Fotokamera das Schadensausmaß dokumentiert“, erinnert er sich. Tausende Bilder seien zusammengekommen. „Inzwischen werden wir sogar offiziell eingeladen und können unsere Bedenken gleich vor Ort äußern“, nennt Meyer den Wandel. Eine Entwicklung, zu der maßgeblich der früherere Polizeisprecher Detlev Kaldisnki, selbst Scheeßeler, beigetragen habe. „Er kennt die Scorpio-Leute gut, er kennt mich gut – so ist man wieder zusammengekommen“, sagt Meyer.

Der Veranstalter, freut sich der Nabu-Chef, nehme die von ihm und seinen Mitstreitern in Vor- und Nachbesprechungen vorgebrachten Anregungen mittlerweile sehr ernst – einiges sei schon in die Tat umgesetzt worden, an vielem müsse man aber noch arbeiten.

Mitarbeiter bringen die Sicherheitsschellen an.

Die Gesprächsebene zu erreichen, im Einvernehmen die wichtigsten „Baustellen“ anzugehen – das sei laut Jasper Barendregt der erste große Schritt gewesen. Und so hat der Festivalleiter auch an diesem Abend ein offenes Ohr für die Umweltschützer. Die monieren gleich zu Beginn, dass die für das Festival ihre Felder zur Verfügung stellenden Landwirte nicht – wie mit ihnen vertraglich vereinbart – von innen nach außen, sondern in genau umgekehrter Vorgehensweise das Getreide gemäht hätten. Für Wildtiere eine lebensgefährliche Situation.

Ralf Gerken von der Jägerschaft platzt der Kragen: „Seit drei Jahren wird erzählt, man macht es anders, aber es passiert nichts!“, empört er sich lautstark.

Auch die Tatsache, dass ein Großteil der von FKP Scorpio inzwischen angeschafften Akustikwarngeräte nicht an den Mähmaschinen zum Einsatz gekommen seien, stößt bei allen Beteiligten auf Unverständnis. „Vielleicht müssen wir da hingehen, dass auch Pachtgelder gekürzt werden“, bringt sich Roland Meyer in die Diskussion ein. „Schließlich investiert der Veranstalter in eine Leistung, die offenbar nicht erbracht wird.“ Barendregt nickt zustimmend. „Wir halten die Agrarreform zu 100 Prozent ein, wir geben ein Heidenvermögen aus, und die Bauern schaffen es nicht, von innen nach außen zu mähen – das ärgert mich!“ Im kommenden Jahr, beschließt die Gruppe, will man den Landwirten noch mehr auf die Finger schauen. Meyer: „Anders geht es offenbar nicht.“

Für die Teilnehmer der Begehung ist festes Schuhwerk unerlässlich: Zu Fuß ging es querfeldein über das Gelände – hin zu einem auf einer Ackerfläche gelegenen Teich, der während des Festivals von Tausenden Campern umringt sein wird. Um die dortige Vegetation vor „Wildpinklern“ zu schützen, ist das Feuchtbiotop von planenbedeckten Bauzäunen umringt. „Eine gute Maßnahme“, befinden die Naturschützer einhellig – auch, da man das Ufergras in seinem ursprünglichen Zustand habe stehen lassen.

Hurricane 2015: Anreisewelle rollt

Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © Heyne
Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © Heyne
Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © Heyne
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Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © H eyne
Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © Heyne
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Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © Heyne
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Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © Heyne
Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © Heyne
Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © Heyne
Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © Heyne
Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © Heyne
Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © Heyne
Die Hurricane-Anreisewelle rollt! © Heyne

Weiter geht es zum sogenannten Neddel, einem vegetationsreichen Waldstück mit altem Baumbestand, zu dem sich noch im vergangenen Jahr hunderte Festivalbesucher unerlaubt Zutritt verschafft hatten – und das, obwohl auch dort bereits Zäune zum Einsatz gekommen waren. „Die wurden mit entsprechendem Werkzeug durchbrochen“, denkt Roland Meyer mit Schrecken zurück. Um das Problem in den Griff zu bekommen, hat Scorpio auch dort mittels Planen für Blickdichte gesorgt. Und, wie auch andernorts, neuerdings Sicherheitsschellen zwischen den einzelnen Modulen anbringen lassen.

Günstig, betont Jasper Barendregt, seien diese Anschaffungen im Sinne des Naturschutzes für den Veranstalter natürlich nicht. „Das sind aber Kosten, die wir gerne auf uns nehmen.“ Ganze 23 Umwelt-Verstöße, rechnet der Festivalleiter vor, hätten er und seine Veranstalterkollegen 2014 registriert – Verstöße, die mit der Androhung eines Platzverweises geahndet worden seien. Allerdings sei die Dunkelziffer derer, die sich in unerlaubten Bereichen aufgehalten hätten, wohl weitaus größer gewesen. „Ein paar Hundert werden es wohl gewesen sein.“

Hurricane-Aufbau am Mittwoch

Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne
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Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne
Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne
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Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne
Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne
Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne
Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne
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Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne
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Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne
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Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne
Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne
Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne
Hurricane: Mit Hochdruck wurde heute an der Fertigstellung von Infield und Gelände gearbeitet. © Heyne

Barendregt beteuert: Man werde auch in Zukunft am Umweltschutzkonzept arbeiten, es verbessern und aus den Erfahrungen lernen. Ein Versprechen, das Roland Meyer und seine Mitstreiter gerne hören.

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