Und täglich kommt die Müllabfuhr

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Sauber und ruhig: Trotzdem herrscht im Hurricane-Resort Festival-Stimmung

Scheeßel - Von Inken Quebe. Ein Pool, Sanddünen, Grills, Blockhäuser und Zelte zum Mieten – es klingt ein bisschen wie im Urlaub. In Wahrheit befinde ich mich aber immer noch am Eichenring auf dem Hurricane-Festival in Scheeßel. Nur eben im sogenannten Resort. Aber wer geht da eigentlich so hin?

Genau das möchte ich herausfinden, als ich mich auf dem Weg in das Luxus-Camp mache. Ich gehe durch das kleine Eingangszelt – der Einlass ist nur mit einem speziellen Bändchen möglich –, schon optisch ist der Unterschied deutlich zu merken. Hinter der Lobby mit Barhockern und Loungesesseln in Knallrot gibt es einen extra angelegten Weg aus Holzhackschnitzeln. Bunte Beleuchtung, alle drei Meter eine Mülltonne, Sitzgelegenheiten aus Palletten und sogar ein kleiner Pool. Witterungsbedingt nutzt diesen nur eine schwimmende Ente. Als erstes begegne ich Lisa, Maike und Steffi aus Münster. Die drei sind erst heute angekommen und haben eines der bezugsfähigen Zelte gemietet. „Da haben wir nicht so viel zu schleppen“, berichtet mir Maike. Ihre Schilderung hat nicht mehr viel mit Festival-Camping zu tun: „Es ist sauberer und ruhiger.“ Für die drei die angenehmste Lösung, scheint mir: Sie fühlen sich wohl.

Ein bisschen weiter: Strandkörbe vor einem riesigen Haufen Sand – Sylt lässt grüßen – und Grills. „Die wurden uns hier hingestellt. Wir dürfen die einfach nutzen. Das passt uns gut, denn wir haben keinen dabei“, erklärt mir Wiebke. Sie kommt aus Aurich und hat die rund 200 Euro ausgegeben, um mehr Ruhe zu haben, sagt sie. „Die Leute sind nicht so betrunken.“ Im Gespräch mit ihr merke ich, dass sie die Entscheidung für das Resort nicht bereut: Keine Dixies, sondern richtige Toiletten, richtige Duschen und einen Fön. Die 18-Jährige – zum ersten Mal auf dem Hurricane – ist begeistert: „Ich kann hier ruhig schlafen.“

Danach zieht es mich zu den Duschen. Die sind tatsächlich auch am Nachmittag gut frequentiert. Wie im Urlaub auf einem Campingplatz an der Ostsee kommen mir Menschen aus den Anlagen in Badelatschen und mit Handtüchern bewaffnet entgegen. Auch hier: Alles tiptop aufgeräumt und sauber. Trotzdem herrscht auch hier Festival-Stimmung: Auf dem Weg spielen Leute Flunkyball oder Wikingerschach, die Menschen lachen und sind bunt gekleidet. Und überwiegend eindeutig betrunken.

Als ich Daniel, Susanne und Anke – alle drei das erste Mal beim Hurricane - in ihrem Pavillon besuche, stellen sie mir zunächst ihre zwei aus Bier- und Sektdosen zusammen geklebten Hunde vor. „Der große heißt Beck’s, der kleine Bronko“, berichtet Susanne. Der Gruppe gefällt die ruhige Atmosphäre. „Wir stehen auf Qualität“, begründet der Bremer Daniel die Wahl ihrer Unterkunft. Ein weiterer Grund ist für sie, dass sie alle über 30 sind, wie sie mir erklären. „Wir wollen Festival, aber ein bisschen gediegener“, sagt die 34-Jährige, ebenfalls aus Bremen. Und vor allem wollen sie „normales Camping. Und das gibt es hier.“ „Drüben“ sei es dreckiger. Im Resort komme dagegen täglich jemand vorbei, um den Müll abzuholen. „Hier kotzt keiner ans Zelt“, erzählt Susanne und lädt mich im gleichen Zug zu einem Becher Erdbeerlikör ein. Die Gruppe hat sich selbst Zelte mitgenommen, aber wollte nicht auf den Komfort im Luxus-Camp verzichten. Daniel resümiert: „Die Investition hat sich für uns gelohnt.“

Bei meinem Rundgang habe ich festgestellt, dass sich meine Erwartungen zum großen Teil erfüllt haben. Einzige Überraschung: Die Hurricane-Luxus-Camper sind ja doch gar nicht so alt.

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