„Rock am Ring“ und „Rock im Revier“

Der Festival-Zoff

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Der Festivalsommer startet mit "Rock im Revier" und "Rockavaria". Unter anderem das "Hurricane Festival" folgt.

Scheeßel / Mendig - Von Pascal Faltermann. Er sprudelt, blubbert und brodelt – der Festivalmarkt in Deutschland ist kurz vorm Überkochen. Der Kampf der Konzertveranstalter um Besucher wird immer mehr zu einem Ringen um die großen Bands, die Headliner. Die Preise für die angesagtesten Musiker und Stars der Rock- und Popszene steigen. Zahlreiche neue Festivals sprießen aus dem Livemusik-Acker.

Das größte Gefecht liefert sich Konzertveranstalter Marek Lieberberg, Organisator des „Rock am Ring“ und „Rock im Park“, mit der Deutsche Entertainment AG (Deag). Die Deag erhöht die Konkurrenz zu Lieberberg mit drei neuen Festivals: „Grüne Hölle Rock“ am Nürburgring (jetzt „Rock im Revier“), „Rockavaria“ in München und „Rock in Vienna“ werden aus dem Boden gestampft.

Marteria kann beim „Hurricane“ beweisen, dass er ein Impulsgeber des deutschen Hip-Hops ist.

Dem vorausgegangen ist die Entscheidung, dass das Traditionsfestival „Rock am Ring“ nicht mehr am Nürburgring in der Eifel über die Bühne gehen soll. Der Grund: Macher Lieberberg konnte sich mit den Betreibern des Nürburgrings nicht auf eine Verlängerung des Pachtvertrags einigen. Er zog mit dem Namen der Veranstaltung im Gepäck rund 30 Kilometer weiter an den Flugplatz Mendig (5. bis 7. Juni). Die Großveranstaltung ist mittlerweile mit knapp 90 000 Tickets ausverkauft.

Am Ring sollte dann zunächst das Festival „Grüne Hölle Rock“ auf die Beine gestellt werden, der Vorverkauf war bereits gestartet. Lange Querelen an der Rennstrecke sorgten aber dafür, dass die deutsche Rockfestival-Szene um einen Traditionsstandort ärmer ist. Nach einem Kostenstreit zwischen der Deag und dem Rennstreckenbetreiber Capricorn Nürburgring GmbH (CNG) wechselte die Konzertagentur ins Ruhrgebiet. Der Veranstalter wirft der CNG Vertragsbruch vor: Sie habe sich nicht an den bisherigen Kosten etwa für Künstlergagen und Werbung beteiligt. Mit dem Nürburgring war ein Fünf-Jahres-Vertrag ausgemacht. Der CNG zufolge soll der Ticketverkauf am Ring hinter den Erwartungen zurückgeblieben sein.

Schwierige Suche nach den Headlinern

Dafür gibt es ein neues Drei-Tage-Event im Ruhrgebiet: Seit gestern wird unter dem Namen „Rock im Revier“ in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen gerockt. Deag-Chef Peter Schwenkow rechnet mit rund 45 000 verkauften Karten, Platz gäbe es aber für 48 000 Fans. „Rock am Ring“, „Grüne Hölle Rock“, „Rock im Revier“ – zwischenzeitlich blickte wohl kaum jemand mehr durch, welches Festival wo über die Bühne geht. Zusätzlich gibt es noch die jeweiligen Zwillings-Festivals „Rock im Park“ in Nürnberg (Lieberberg) und „Rockavaria“ in München (Deag).

Der Konkurrenzkampf der beiden Veranstalter erschwert 2015 das Booking für viele andere Festivals. Das Buhlen um internationale Bands lässt die Künstlergagen steigen. Folkert Koopmans, FKP-Scorpio-Geschäftsführer und damit Veranstalter des „Hurricane“ und des „Southside“, bestätigt im Interview, dass sich die Suche nach großen Bands mehr als schwierig gestaltet. Gruppen wie Muse oder Faith no More hätte er gerne als Headliner gehabt, sie sind jedoch zu teuer. Die Foo Fighters (spielen in London) oder Mumford & Sons (treten in Waverly in Amerika auf) sind zudem vom 19. bis 21. Juni nicht verfügbar. Beim „Hurricane“ begnügten sie sich mit Placebo, Florence and the Machine oder Farin Urlaub Racing Team. Es soll aber noch eine größere Band kommen. Die klangvollen Namen hat sich „Rock am Ring“ mit den Foo Fighters, Die Toten Hosen oder The Prodigy gesichert, das „Rock im Revier“ angelt sich Metallica, Muse und Kiss.

Eine Lücke scheint das „Deichbrand Festival“ in Cuxhaven, Nordholz (16. bis 19. Juli), gefunden zu haben. Im musikalischen Programm tummeln sich überwiegend deutsche Bands, von denen ein Großteil allerdings das Jahr zuvor beim „Hurricane“ in Scheeßel spielte – Fettes Brot, Kraftklub, Tocotronic, Marcus Wiebusch oder Thees Uhlmann. Unantastbar ist aufgrund des Metal-Schwerpunktes das Wacken Open Air. Keine zwölf Stunden dauert es, bis alle 75 000 Tickets nach dem Vorverkaufsstart weg waren – mehr als 100 Karten in der Minute gingen da über den virtuellen Ticketisch. Künstler standen bis dahin nur ganz wenige fest. Mittlerweile haben Größen wie Judas Priest, In Flames oder Savatage ihr Kommen zugesagt. Ebenfalls eher weniger Probleme scheinen Sparten-Festivals zu haben. Das „M’era Luna“ in Hildesheim setzt erfolgreich auf Genres wie Wave und Gothic. Das „Appletree Garden“ in Diep-holz hat mit unbekannten Perlen aus dem Indie und Elektro-Bereich Erfolg.

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