Miet-Toilette bis Luxus-Ressort

Mit der Ravioli-Dose ins Federbett

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Wer dem Dreck entfliehen will, ist im Luxus-Resort mit Ententeich genau richtig.

Syke - Von Mareike Bannasch. Nachbarn, die an die Zeltwand pinkeln, hoch ambitionierte Nachwuchssänger, die auch morgens um vier Uhr noch alles geben und Müllberge, die den Weg zum randvollen Dixieklo versperren: Ein Campingerlebnis, das nicht für jeden einem Paradies gleichkommt.

Grund genug für die Festivalveranstalter der Republik, auch den gesitteteren Musikfans unzählige Angebote auf den Leib zu schneidern. Für die allerdings vor allem eins gefragt ist: Ein dickes Portemonnaie. Die mehr oder weniger mondänen Übernachtungsmöglichkeiten, zumindest eine kleine Auswahl davon, gibt es im Folgenden im Überblick.

Ein Angebot für alle Naturfreunde – und solche, die es noch werden wollen – ist das sogenannte „Green Camping“. Unter dieser Überschrift findet der meistens etwas ältere Festivalbesucher ein abgetrenntes Areal, auf dem vor allem drei Regeln gelten: Weniger Müll, weniger Lärm und mehr Rücksichtnahme auf die Nachbarn. Zwar gibt es keine Campingpolizei, die die Musikfreunde kontrolliert, aber dennoch hat so manches Festival ziemlich strenge Vorgaben. Beispielsweise das „Rock am Ring“: Hier heißt es um 1 Uhr Nachtruhe, bis 7 Uhr in der Früh sind Herumbrüllen und lautstarke Partys tabu.

Mag „Green Camping“ auch nach Luxus klingen, ist dieses Angebot immer noch etwas für den kleinen Geldbeutel beziehungsweise kommt ohne einen Mehrpreis aus. Ganz im Gegensatz zu etlichen anderen Möglichkeiten, seine Tage im Zelt so angenehm wie möglich zu gestalten. Da ist so ziemlich für jeden etwas dabei: Lauffaule, Gesellige oder Aufbauverweigerer. Freunde kurzer Wege werden zum Beispiel beim „Rock im Park“ fündig.

Unter dem Schlagwort „Center-Stage-Camping“ sind es nur wenige, Meter bis zur Hauptbühne und was noch viel wichtiger ist, zum Parkplatz. Wer keine Lust hat, Bier, Schlafsack und Ravioli-Dosen kilometerweit durch die Pampa zu schleppen, ist auf dem Zeltplatz an der Center Stage genau richtig.

Sauber sieht irgendwie anders aus: Ein Blick auf einen der Zeltplätze des „Hurricane-Festivals“ in Scheeßel.

Das mag schon nobel klingen, ist aber noch steigerungsfähig. Wie genau, zeigt sich beim „Hurricane Festival“ auf dem Eichenring in Scheeßel. Abseits vom normalen Zeltplatz und „Green Camping“ muss der Besucher zunächst einmal eine richtungsweisende Entscheidung treffen: Komfort oder gesellige Gemütlichkeit. Je nach den eigenen Vorlieben ist das Wolfsrudel- oder Ruf-der-Eule-Resort die richtige Wahl. Letztes wartet mit Liegestühlen direkt am extra angelegten See auf, die zum Ausruhen zwischen den Konzerten einladen.

Eine aufgeschüttete Düne inmitten von Strandkörben soll im Juni dann zum Treffpunkt der Wölfe werden. Kleine Unterschiede in ansonsten ziemlich ähnlich ausgestatteten Camps. Zum Paket gehören als Standard die tägliche Müllabfuhr, eine 24-Stunden-Rezeption, viel Platz rund um das eigene Zelt und Schließfächer für die Wertsachen. Ziemlich dekadent, aber immer noch nicht das Nonplusultra. Zusätzlich zum Platz im Resort gibt es nämlich noch vier weitere Pakete.

Für Einsteiger bietet sich das Bronze-Package an. In Zusammenarbeit mit der Internetplattform „Mein Zelt steht schon“ wartet auf die Musikfreunde ein doppelwandiges Tunnelzelt mit einer Schlafkabine für drei bis vier Personen inklusive Moskitonetz vor dem Eingang und einem Vorraum für das Gepäck. Um sich zwischendurch entspannen zu können, sind Camping-stühle Teil des Angebots, das für 299 Euro zu haben ist – Festivalticket inklusive.

Wer schon immer mal durch die Urwälder Afrikas streifen wollte, sollte sich für das Silver Package entscheiden. Immerhin ist hier die Übernachtung in einer komfortablen zehn Quadratmeter großen Safari-Unterkunft für zwei Personen Teil des Angebots. Außerdem muss sich der Luxuscamper nicht im schnöden Schlafsack betten, stattdessen gibt es Einzelbetten mit Decken und Kissen, einen Campingstuhl pro Person und Innenbeleuchtung. Hier muss sich niemand im Licht der Taschenlampe umziehen. Was der Spaß kostet? Schlappe 449 Euro pro Person, das begehrte Bändchen inbegriffen.

Bilder vom Hurricane 2014

Hurricane-Festival am Sonntag: Mit Wiebusch, Bonaparte, Franz Ferdinand

Seeed und Fettes Brot zum Abschluss des Hurricane

Ein Problem lösen aber auch diese Luxusbehausungen nicht: versiffte Dixie-Klos. Wer darauf keine Lust hat, wird auf dem „Wacken Open Air“ fündig. Nicht nur das Metal-Fans in dem schleswig-holsteinischen Örtchen Wohnmobile und Zelte mieten können, nein, auch an die Notdurft der Musikbegeisterten ist gedacht. „Toilet to go“ heißt das ungewöhnlichste Angebot des Festival-Sommers und umfasst eine Kompakttoilette mit 20-Liter-Tank. Für einen Preis von 58 Euro für drei Tage sind auch noch drei Rollen spezielles Klopapier mit dabei. Super Idee, doch wo soll das stille Örtchen stehen? Wer seine Notdurft verständlicherweise nicht in den eigenen vier Zeltwänden verrichten möchte, auch für den gibt es in „Wacken“ Hilfe. Die Lösung ist denkbar simpel: ein Toilettenzelt. Für schlappe 44 Euro buchbar, garantiert es Abschottung. Damit das Festival zumindest nicht an schmutzigen Klos scheitert.

Der Festival-Zoff: Weil zwei sich streiten, leiden andere wie das "Hurricane Festival"

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