Warum Lagwagon so viele Shirts verkauft

"Weil wir so großartig sind"

+
Joey Cape (r.) im Interview mit Redakteur Pascal Faltermann.

Scheeßel – Joey Cape kommt entspannt den Gang herunter. Direkt neben dem Bandraum von Nofx, ist die Band Lagwagon im Backstage-Bereich auf dem Hurricane untergebracht. Eben schnell noch eine Umarmung für Nofx-Gitarrist Eric Scott Melvin und weiter geht es.

Cape ist müde, teilt er gleich zu Beginn mit. Legt aber trotzdem sehr munter los. Ein Interview von Mareike Bannasch und Pascal Faltermann.

Ich hab Sie dieses Jahr schon beim Groezrock in Belgien gesehen. Sind Sie seit Mai in Europa auf Tour?

Joey Cape: Nein, wir sind nur für das Groezrock hergeflogen. Wir waren vorher fünf Wochen lang in Europa auf Tour und sind danach erst mal wieder in die Staaten zurückgefahren. Jetzt sind wir also auf einer zweiten Europa-Tournee unterwegs.

Es gibt Ihre Band seit 28 Jahren, was hat sich in dieser langen Zeit verändert?

Cape: Keine Ahnung, wir haben einfach das Glück gehabt, dass wir weiter auf Tour gehen und das machen können, was uns Spaß macht.

Punk, das waren in den 90ern vor allem Irokesen-Haarschnitte und Nietengürtel, später Skateboards und Sneaker. Was macht Punk heute aus?

Cape: Es ist immer noch beides. Ich glaube, irgendwann begannen sich die Leute für Snowboarden und Skaten zu interessieren. Board-Sportarten spielten immer eine große Rolle im Punk, und es gab auch immer die Leute mit Iro und Nietengürtel, besonders im England der späten 70er und früher 80er. Diese Punker sieht man nach wie vor. Mir bedeuten dieses Symbole aber gar nichts, ich konzentriere mich lieber darauf, Musik zu machen. Trotzdem kann ich aber nachvollziehen, dass es da einen Zusammenhang zwischen Punk-Rock und diesen Sportarten gibt. Die Klänge sind oft sehr aggressiv und bilden so den passenden Soundtrack, daher macht die Verbindung schon Sinn.

Sie haben einmal gesagt, dass die Musik heute immer eintöniger wird. Warum?

Cape: Zum Einen können wir unsere Aufnahmen mithilfe der digitalen Bearbeitung noch mehr perfektionieren. Heute spielen wir zum Beispiel das Schlagzeug ein und übertragen es auf das Grib. Dann ist es genau im richtigen Tempo, ziemlich perfekt also. Viele Bands produzieren ihre Schlagzeugpassagen mittlerweile so. Ich finde aber, das nimmt den Stücken das Natürliche und Unperfekte. Also alles, was Kunst eigentlich aus- und einzigartig macht. Das trifft natürlich auch auf Gitarren, Schlagzeug und am Wichtigsten den Gesang zu.

Nimmt das auch Einfluss auf die Lautstärke?

Cape: Ja, auf jeden Fall. Der Wettstreit um einen satteren und lauteren Sound hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass immer mehr Menschen auf ihren Handys oder iPods zwischen den Künstlern hin und her springen. Niemand hört sich mehr ein Album am Stück an. Deshalb muss eine Band besonders laut sein, um aufzufallen. Darunter leidet allerdings die Dynamik der Songs. Durch all diese Dinge ist Musik leider weniger persönlich geworden.

Ihr aktuelles Album „Hang“ zeigt mehr denn je Einflüsse anderer Stilrichtungen, wie beispielsweise Blues oder Rock. 

Cape: Ja, sie waren eigentlich immer da, sind auf diesem Album aber vielleicht deutlicher zu hören. Kein Wunder, in unserer Band spielen schließlich viele verschiedene Menschen, die unterschiedliche Musik hören und von dieser inspiriert werden. Im Laufe der Jahre hatten wir lange einen Sound, der für alle funktionierte, aber wenn man älter wird, ändern sich auch die Vorlieben. Ich bin sehr zufrieden mit der Platte, weil sie zeigt, wer wir als Gruppe wirklich sind.

Einer Ihrer Songs ist dem verstorbenen Tony Sly von „No use for a name“ gewidmet, mit ihm haben Sie auch akustische Stücke aufgenommen. Werden sie weiterhin Songs in diesem Stile aufnehmen?

Cape: Ich habe direkt vor dem Beginn dieser Tour ein Album fertiggestellt, dass vermutlich im Herbst herauskommen wird.

Dieses Jahr noch?

Cape: Ja, in den Staaten am 15. September.

Egal, ob Sie Teil des Line-Ups sind oder nicht, die Festivalbesucher in ganz Deutschland tragen Lagwagon-Shirts. Wie erklären Sie sich diese Beliebtheit?

Cape: Weil wir so großartig sind (lacht). Nein, Scherz. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist. Besonders Mitte der 90er haben wir unglaublich viele Shirts verkauft. Vielleicht, weil unser Name, besonders auf Deutsch ausgesprochen, ziemlich witzig ist? Er klingt eigentlich auch recht Deutsch. Vielleicht war aber einfach das Timing richtig, ich weiß es wirklich nicht.

Was ist denn wichtiger für eine Band? Shirts oder Musik verkaufen?

Cape: Es ist natürlich nett wenn man Shirts verkauft, besonders als nicht so bekannte Band, die nicht so viele Platten verkauft. Da hilft es natürlich dabei, Geld zu verdienen um weiter zu arbeiten und auf Tour gehen zu können. Aber für mich fühlt sich dieser kommerzielle Aspekt immer noch komisch an, da konzentriere ich mich lieber auf meine Songs.

Der Zeltplatz nach dem Hurricane

Hurricane Festival: Bands am Samstag

Hurricane Festival am Freitag mit Parov Stellar bis Danko Jones

Hurricane am Freitagabend: The Gaslight Anthem bis Deadmau5

Headliner Placebo am Freitag beim Hurricane

Das könnte Sie auch interessieren

Bilder aus Kroatien: DHB-Team zittert sich zum Sieg 

Bilder aus Kroatien: DHB-Team zittert sich zum Sieg 

Werder-Wechsel zu Bayern

Werder-Wechsel zu Bayern

Eine Vision vom Wohnen von der IMM

Eine Vision vom Wohnen von der IMM

Zehn Dinge, die Sie im Bewerbungsgespräch sofort disqualifizieren

Zehn Dinge, die Sie im Bewerbungsgespräch sofort disqualifizieren

Meistgelesene Artikel

Kommentare