Inklusion und Festival

„Wir stehen erst am Anfang“

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Festival trotz Handicap? Kein Problem für die Delegation des Behindertenbeirats. n Foto: Röhrs

Scheeßel - Von Matthias Röhrs. Ein Festival für alle – das soll auch das Hurricane sein. Für manche hängt ein Besuch allerdings mit anderen Herausforderungen zusammen, als für die meisten der Festivalisten. Das ist auch dem Veranstalter FKP Scorpio nicht entgangen, und so hat er in diesem Jahr mit dem Behindertenbeirat des Landkreis Rotenburg (BBR) ein gemeinsames Pilotprojekt gestartet. Eine Delegation aus 14 behinderten Menschen und zehn Betreuern reiste am Samstag auf das Festival.

Ihr Auftrag: Spaß haben, und gucken, wie weit das Hurricane in Sachen Inklusion eigentlich ist und was sich noch verbessern lässt. „Wir machen heute eine Ist-Analyse“, erklärt Helmut Wilshusen, der Vorsitzende des BBR. In den nächsten Wochen werden er, seine Beirats-Kollegen Sascha Jansen und Uwe Lorenz sowie das Festival-Management sich zusammensetzen und die Anregungen des BBR besprechen. Ein erstes Treffen hat es bereits im Februar gegeben. „Das war klasse“, so der BBR-Vorsitzende. „Wir haben viel voneinander lernen können.“

Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Einrichtungen im ganzen Kreisgebiet – Musikfans aus beispielsweise den Rotenburger Werken wie auch den Lebenshilfen Rotenburg-Verden und Bremervörde-Zeven sind vertreten. Angereist mit dem Bus oder dem Zug, treffen sie sich an diesem Samstag am Scheeßeler Bahnhof. Der Blick in den Himmel zaubert ein Lächeln auf die Gesichter. „Das Wetter wird immer gut, wenn wir kommen“, sagt Wilshusen.

Er macht sich Gedanken, wie er die Bändchenausgabe für die große Gruppe koordiniert. „Ein Glück, dass heute kein Hauptanreisetag ist“, sagt er, „dann brauchen wir uns mit der Gruppe nicht in einer stundenlangen Schlange anstellen. Das ist Donnerstag und Freitag ein ganz anderer Schnack.“

Gut, oder zumindest nicht verkehrt, sei auch, dass die Delegation aus ihrem Ausflug eine Tagesfahrt gemacht hat. „Ein zweiter Tag wäre für manche von uns auch echt zu viel“, so der BBR-Vorsitzende. Auch die Behinderten sind neugierig, für die meisten ist das Festival etwas völlig unbekanntes – sie staunen über Männer, die an Zäune urinieren, Kinder, die leere Pfanddosen sammeln und die riesige Menschenmasse, die am Eingang eng gedrungen Einlass auf das Infield begehrt.

Was macht ein wirklich inklusives Festival aus? „Zunächst braucht es eine gute Zuwegung für Rollstühle“, erklärt Wilshusen. Auf dem Hurricane in diesem Jahr kein Problem. „Vielleicht, weil auch weniger Leute als sonst da sind“, mutmaßt der BBR-Vorsitzende. Kurze Wege und eine gute Beschilderung seien ebenfalls wichtig, hier könne sich Norddeutschlands größtes Festival verbessern. „Die sind noch nicht optimal“, so Wilshusen. Auch die Toiletten müssten größer sein, nicht nur für Rollstuhlfahrer. Manche brauchen einen Betreuer, für die muss auch genügend Platz vorhanden sein.

Die Festival-Besucher nehmen die Gruppe gut auf. Sprechen sie an, feiern mit ihr. „Alle haben das Gefühl, sie gehören dazu“, freut sich Wilshusen. Ein Schritt weiter gedacht wäre inklusives Camping auf dem Festival. „Das wäre schön, ist aber schwer umzusetzen“, sagt er. „Die meisten aus der Gruppe wollen ja einfach nur mit dabei sein. Aber die Versorgung muss gewährleistet sein.“ Bisher können beeinträchtigte Besucher und ihre Begleiter auf dem VIP-Campingplatz übernachten.

Cro und Alligatoah stehen an diesem Tag ganz hoch im Kurs. „Viele von uns kennen die Texte und können dementsprechend mitsingen“, so Wilshusen. Gegen 22.45 Uhr geht es dann wieder nach Hause. „Wir sind noch fit, aber man merkt schon, dass manche langsam müde werden“, sagt der BBR-Vorsitzende. Er und die anderen 23 Teilnehmer haben nun viele gute Eindrücke und Erfahrungen mit dem Festival gesammelt. „Darauf können wir aufbauen“, bewertet Wilshusen, vergisst aber nicht: „Wir stehen aber erst am Anfang.“

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