Am schönsten ist der Tarzan-Song

Hurricane Festival: Das Rap-Trio 257ers ist nie ernst – auch nicht im Interview

Scheeßel - Von Inken Quebe. Im Interviewraum stehen nicht genügend Sessel? Kein Problem, Shneezin dreht ganz einfach den Mülleimer um. Ist ihm egal, wo er sitzt, er kommt ja aus dem Ghetto, berichtet er ohne Umschweife. Die 257ers geben sich so, wie es ihnen gerade passt. Da machen sie auch beim Hurricane-Festival in Scheeßel keinen Unterschied.

Sie sind frech, die drei Ruhrpottler Mike Rohleder, Kolja „Keule“ Scholz und Daniel „Shneezin“ Schneider, um keine Antwort verlegen. Mit ihnen ein ernsthaftes Gespräch zu führen, ist eine Herausforderung. Ist ihre direkte Art der Herkunft aus dem Ruhrpott – genauer: Essen-Kuperdreh – geschuldet?

Vielleicht. „Wir sind auf jeden Fall echte Ruhrpottler“, sagen alle drei beinahe unisono. Was das genau heißt? So richtig erklären können die 257ers, deren Bandname sich aus der Postleitzahl ihrer Herkunft (45257) ableitet, das nicht.

Der erste Eindruck von Scheeßel?

„Das Festivalgelände ist gigantisch. Von Scheeßel selbst haben wir leider gar nicht viel gesehen“, berichtet Mike. Und im Hintergrund zählt Shneezin auf: Schilder, Güllewagen und einen Bauernhof. „Es stinkt.“

Das müsste den drei Jungs doch eigentlich entgegenkommen. Schließlich heißt einer ihrer bekanntesten Songs „Baby, du riechst“. Darin geht es vorwiegend um Körpergerüche bei einer Party.

Keule stimmt zu: „Also geruchstechnisch ist es hier super.“ – „Die Auswahl ist groß. Aber das ist sie normalerweise auch immer. Denn die Leute, mit denen wir uns umgeben, waschen sich allgemein nicht oft“, ergänzt Mike.

Schon nach wenigen Fragen wird deutlich: So richtig ernst sein können – oder vielmehr: wollen – die drei Essener gar nicht.

Shneezin: „Dann muss man mit den Gangsterrappern reden.“ Auch privat seien sie nur selten ernst. Dadurch kommen sie zu ihren Texten. „Die denken wir uns genauso aus, wie den Scheiß, den wir quatschen, wenn uns jemand eine Frage stellt“, erzählt der Rapper weiter. Einen Vergleich mit anderen Rappern, die ebenfalls versuchen, mit Humor in ihren Texten zu überzeugen – wie Alligatoah oder Battleboi Basti – wimmeln sie gleich ab: „Außer uns ist keiner lustig.“ Und außerdem würden sie mit ihrer Musik gar nicht lustig sein wollen. Mike: „Das ist 100 Prozent Realtalk.“ Sie erzählen aus ihrem Leben, aber das Leben ist lustig, erklärt Keule.

So abgebrüht wie das RapTrio ist, stellt sich die Frage, ob sie sich denn eigentlich an irgendeinem anderen Künstler orientieren.

Shneezin: „Metallica.“ Mike: „Limp Bizkit auch ein bisschen, weil die auch ein bisschen mehr rappen.“ Und K.I.Z finden die drei nach eigener Aussage auch ganz gut. „Aber wir sind auf jeden Fall viel besser.“

Trotzdem: Ist es ein Wunsch von den 257ers einen Song mit K.I.Z aufzunehmen?

„Bis es soweit ist, müssen wir sicherlich noch ein paar ekligere Sachen machen“, glaubt Mike. Zusammenarbeiten möchten sie gerne mit Phil Collins, wie Shneezin erzählt. Das hat einen einfachen Grund: „Der Tarzan-Song war so schön.“

Ein bisschen ist ein Interview mit den 257ers so wie einer ihrer Songs. Eben nicht ganz ernst gemeint und völlig aus dem Bauch heraus. Sie reden, was ihnen gerade in den Sinn kommt – und ihnen ist egal, ob ihr Gegenüber damit etwas anfangen kann.

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