Hurricane-Festival: Folkert Koopmans über die schwierige Suche nach Top-Acts

„Hätten gerne noch einen starken Headliner“

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Für viele Fans eine Überraschung: Die Festivalmacher „befördern“ den Deutsch-Rapper Marteria in diesem Jahr zum Headliner.

Scheeßel / Hamburg - Von Lars Warnecke. Zwei Wochen noch, dann wird auf der grünen Wiese wieder gerockt. Das „Hurricane“ und damit Norddeutschlands größtes Open-Air-Festival steht vor der Tür. Vieles, was die Mega-Veranstaltung aufbietet, wird sich vertraut anfühlen.

Bei weitem nicht selbstverständlich, hatten sich die Vorbereitungen für Veranstalter FKP Scorpio in einigen Bereichen doch als gewaltiger Kraftakt erwiesen. Im Interview mit der Kreiszeitung spricht Festivalchef Folkert Koopmans (51) über Booking-Probleme, enttäuschte Fans und neue Projekte.

Herr Koopmans, das Line-up für dieses Jahr steht. Doch viele Fans sind dieses Mal mit Blick auf die Auslese enttäuscht, im Internet ist sogar ein Shitstorm ausgebrochen. Zurecht?

Folkert Koopmans hat das Festival vor 19 Jahren ins Leben gerufen.

Koopmans: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Keine Frage – auch wir hätten gerne noch zumindest einen weiteren starken Headliner verpflichtet, der uns in diesem Jahr fehlt. In Frage würde ich allerdings stellen, ob ein Festival-Programm mit mehr als 100 Acts durch einen Headliner von gut zu schlecht und genauso in die andere Richtung mutieren kann. Ich denke, wir haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass wir in der Lage sind, ein sehr vielseitiges und abwechslungsreiches Programm zu buchen, das neben bekannten Acts auch ein gutes Händchen für vielversprechende Newcomer und zukünftige Senkrechtstarter beweist. Das ist uns meiner Meinung nach auch in diesem Jahr gelungen – aber wie gesagt: Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Vor wenigen Wochen noch meinten Sie, man sei auf der Suche nach einem noch nicht bestätigten dritten Headliner. Jetzt hat sich herausgestellt: Der Headliner heißt Marteria und der war bereits mit der zweiten Bandwelle als „normaler Act“ bekannt gemacht worden. Was ist da schief gelaufen?

Koopmans: Falsch war unsere Einschätzung vor sieben Wochen, dass wir noch einen neuen Headliner bestätigen können. Zu diesem Zeitpunkt gab es sehr konkrete Verhandlungen mit mehreren potenziellen Acts, die sich bis dahin sehr positiv entwickelt hatten. Wir waren zu diesem Zeitpunkt der festen Überzeugung, dass es uns gelingen wird, einen davon zu verpflichten. Leider haben sich diese Hoffnungen in den letzten Wochen aus verschiedensten Gründen wieder zerschlagen, ohne dass wir Einfluss darauf hatten. Dennoch haben wir mit der Bestätigung von Casper für den Sonntag und einem noch geheimen Special Guest am Samstag zwei weitere tolle Highlights verpflichten können.

18 weitere Bands haben seit Montag ihren Weg auf das Ankündigungsplakat gefunden. Wie schwer war es für FKP Scorpio, auch diese Künstler fürs Festival an Land zu ziehen. Immerhin haben die Fans ungewöhnlich lange auf die letzten Bestätigungen warten müssen.

Koopmans: Primärer Grund für die späte Bestätigung war unsere Suche nach einem weiteren Headliner, den wir gemeinsam mit der letzten Bandwelle bekanntgeben wollten. Ein Großteil der 18 Bands hätte sonst schon früher veröffentlicht werden können, die Verhandlungen haben sich nicht von denen, die wir mit früher bestätigten Künstlern geführt haben, unterschieden.

Das Mitbewerber-Festival „Rock am Ring“ geht an diesem Wochenende an den Start. „Grüne Hölle“ ist bereits Ende Mai über die Bühne gegangen. Ihr Fazit?

Koopmans: Ich konzentriere mich lieber auf unsere eigenen Festivals und andere Projekte und deren stetige Weiterentwicklung, als mir den Kopf über die möglichen Probleme der Kollegen zu zerbrechen.

Eine wesentliche Neuerung in diesem Jahr ist das Armband für bargeldloses Bezahlen während der drei Festivaltage. Was versprechen Sie sich persönlich davon?

Koopmans: Das lässt sich mit „schnell, sicher, bequem“ zusammenfassen: Das Ziel sind deutlich reduzierte Wartezeiten am Einlass und an den Gastronomieständen, eine nahezu hundertprozentige Fälschung- und Diebstahlsicherheit sowie bequemes bargeldloses Zahlen durch das integrierte Cashsystem. Darüber hinaus haben wir durch das RFID-System zum ersten Mal die Möglichkeit, ein völlig neues Gastronomiesegment auf dem Hurricane zu implementieren – weg von der klassisch auf Masse und Gewinnmaximierung ausgerichteten Festival-Systemgastronomie, hin zu kleinen, aber feinen Individual-Anbietern hochwertiger Speisen und Produkte.

Gibt es weitere nennenswerte Innovationen, die den Aufenthalt der Festivalbesucher noch angenehmer gestalten?

Koopmans: Jedes „Hurricane“ beinhaltet Hunderte von Neuerungen – von denen viele dem Besucher verborgen bleiben, weil nicht alle so sichtbar sind wie das Riesenrad, Green-Camping oder das neue RFID-Bezahlsystem, aber für einen störungsfreien Ablauf des Festivals und größtmöglichen Besucherkomfort eine wichtige Rolle spielen. Den Besuchern wird in diesem Jahr sicherlich unser neues Foodkonzept mit einem qualitativ hochwertigen und abwechslungsreichen Angebot von Speisen und Produkten aus der Region auffallen und schmecken. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass sich viele der Neuerungen der vergangenen Jahre – wie das Ressort-Konzept oder „Grüner Wohnen“ – nach anfänglicher Skepsis erfolgreich bei den Besuchern etabliert haben und heute dankbar angenommen werden – ja, zum Teil auch von unseren Mitbewerbern dankbar aufgegriffen wurden. Aber es liegt wohl in der menschlichen Natur, dass man Neuerungen erst einmal skeptisch gegenüber steht.

Was erhoffen Sie sich bei den Hurricane-Planungen für das kommende Jahr?

Koopmans: Da sich die Jahre, in denen sich die Verpflichtung von Headlinern schwieriger gestaltet, zwar zyklisch aber in relativ großen Abständen wiederholen, hoffe ich, dass 2016 auch das Besetzen der oberen Positionen wieder einfacher wird – schließlich ist es das 20. Hurricane und dafür wünschen wir uns natürlich ein richtiges Jubiläums-Line-up.

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