Hurricane-Festival-Chef Folkert Koopmans über das erbitterte Buhlen um große Namen im Line-up

„Wir haben uns solide verhalten“

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In prominenter Gesellschaft: Folkert Koopmans (Mitte) letztes Jahr im Festival-VIP-Bereich mit Fernsehkoch Tim Mälzer (rechts) und dem Hamburger Medienmogul Frank Otto.

Scheeßel/Hamburg - Von Lars Warnecke. „Es kann nur Verlierer geben“, prophezeite Folkert Koopmans schon kurz nach dem letztjährigen Hurricane hinsichtlich des auf dem deutschen Festivalmarkt ausgetragenen Preiswettkampfs um die ganz großen Bands.

Schon damals war der FKP-Scorpio-Geschäftsführer, der hinter dem Festival auf dem Scheeßeler Eichenring steht, überzeugt: Die Auswirkungen der Konkurrenz von der Marek Lieberberg Konzertagentur (MLK) und der Deutschen Entertainment AG (Deag) würde auch das Hurricane zu spüren bekommen. Und in der Tat gestaltete sich die Suche nach klangvollen Namen im diesjährigen Headliner-Bereich mehr als schwierig. Im Interview spricht der 51-Jährige über das knallharte Business, persönliche Zuversicht und wie viel ihm überhaupt eine Band wert ist.

Herr Koopmans, Hand aufs Herz: So richtig rund ist das Band-Booking für dieses Jahr nicht gelaufen, oder?

Folkert Koopmans: Man muss schon sagen, dass sich das dieses Mal äußerst schwierig gestaltet hat. Das Problem ist, dass wir im Headliner-Bereich nicht die Bands bekommen haben, die wir gerne auf dem Hurricane gesehen hätten. Zunächst hatten wir kein Glück bei den von uns betreuten Foo Fighters und Mumford & Sons. Beide Gruppen sind zwar im Sommer in Deutschland auf Tournee, stehen aber leider am Festivalwochenende nicht zur Verfügung. Ja, und dann kam noch das Pech dazu, dass unsere Favoriten uns von der Konkurrenz quasi weggeschnappt wurden. Wir hätten auch gerne Muse als Headliner gehabt, oder Faith no More – aber wenn da überhöhte Gagen gezahlt werden, haben wir bereits frühzeitig entschieden, dass wir passen.

War das eine kluge Entscheidung?

Koopmans: Langfristig betrachtet ja. Wenn man sieht, in welch ein wirtschaftliches Desaster die Deag vielleicht hineinsteuern könnte, glaube ich, ist das der einzig richtige Weg. Letztlich bin ich 25 Jahre im Geschäft – und das ohne Insolvenz. Für mich ist das in dem Fall wichtiger. Bei dem sonstigen Programm sind schon viele gute Acts dabei, aber sicher: Im Headliner-Bereich hätten wir gerne noch etwas Stärkeres gehabt. Dafür wird das nächste Jahr wieder besser.

Welche Rolle spielen überhaupt heutzutage die Big-Players für ein Festival?

Koopmans: Was den Ticketverkauf angeht, eine sehr große. Wir könnten das letztendlich nicht fünf Jahre so machen, wie dieses Mal. Wahrscheinlich werden wir auch nicht komplett ausverkauft sein – dann stehen wir halt bei 68000 statt den sonst üblichen 73000 Besuchern. Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend. Irgendwann werden wir sicher die Foo Fighters und Mumford & Sons im Line-up präsentieren können. Dafür muss aber der richtige Zeitpunkt sein. Jetzt müssen wir uns auf das Festival als solches besinnen.

Soll heißen?

Koopmans: Wir haben im Mai noch ein paar schöne Ankündigungen, was Innovationen auf dem Gelände betrifft. Also alles, was das Festival für die Besucher noch angenehmer macht. Daher glaube ich, dass das Ganze dann ganz okay wird.

Wird es denn keine weiteren Bandbestätigungen mehr geben? Oder tut sich doch noch etwas im Line-up?

Koopmans: Es wird noch eine letzte Bandwelle mit rund 15 Künstlern geben, und auch noch einen Headliner. Wir haben dahingehend aber noch nicht zu Ende verhandelt. Die Gruppen wollen wir bald bekannt geben, aber zwei, drei Bestätigungen fehlen uns noch, da warten wir noch ab. Am Ende wird das Line-up genauso umfangreich sein wie in den Vorjahren.

Hohe Gagenzahlungen an die Bands führen zu hohen Eintrittspreisen – das bleibt den Hurricane-Besuchern dann wohl erspart.

Koopmans: Sicher, und das war ja auch unser Bemühen, die Preise stabil zu halten. Hätten wir bei den Top-Bands mitgeboten, wäre uns das sicher nicht gelungen. Dann hätten wir unsere Eintrittspreise um 30 bis 50 Euro anheben müssen. Wir sind jetzt bei 139 Euro und wollen immer unter der magischen 150-Euro-Grenze bleiben. Und mal ehrlich: Wenn wir dieses Jahr auf die Gagen eingestiegen wären, hätte es auch für uns kein Zurück mehr gegeben, dann wäre das Problem auch im nächsten Jahr da. Insofern müssen wir da langfristiger denken. Die Zukunft wird zeigen, ob die Deag-Festivals, wenn sie in einem Monat stattfinden, als Erfolg dastehen werden, was der Veranstalter derzeit durch entsprechend positive Meldungen und deutlich rabattierte Tickets zu erreichen versucht. Nach meiner Meinung wird da zur Zeit sehr viel Geld riskiert. Es ist ja auch der Punkt, dass die Leute hohe Eintrittspreise irgendwann nicht mehr akzeptieren. Wie gesagt: Man muss langfristig denken. Ich glaube, dass wir wirtschaftlich grundsolide dastehen und uns grundsolide verhalten – und wir uns trotzdem sehr um unsere Besucher kümmern.

Wann ist denn für Sie beim Geldausgeben für Künstler die Schmerzgrenze erreicht?

Koopmans: Da gibt es keine wirkliche Grenze: Jeder ist das wert, was er zieht. Keine Frage, wenn Rage Against The Machine kommen würde, würde ich schon auf einen hohen mehrstelligen Betrag gehen – aber das wäre wirklich nur eine Ausnahme. Es kommt natürlich immer auf den Künstler an. Wenn man weiß, dass einer 3000 Leute zu seinem Konzert zieht, dann aber 500000 Euro fordert, dann steht das nicht mehr im Verhältnis. Der würde beim Festival dann vielleicht 100000 Euro bekommen, was auch schon das Doppelte wäre, als wenn er in einer 3000er-Halle spielen würde. Wenn er aber von Mitbewerbern das Vielfache geboten bekommt oder aber er selbst diese Summe verlangt, dann lassen wir die Finger davon. Und das haben wir getan.

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