Ein Stück zusammengerückt

Tobias (l.) und Thorsten gehören zu den Genießern: Aufmerksam schauen sich die beiden Hurricane-Besucher in den Schaufenstern die Festivalbilder an. n Fotos: Warnecke

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Samstagmittag, 12 Uhr, Scheeßel: Während ein paar Kilometer weiter gerade die ersten Bands des Tages auf dem Eichenring aufspielen, hocken Alina und Diego auf dem Bürgersteig am Vahlder Weg, um ihr Frühstück einzunehmen. Es gibt Salat aus der Plastikschale und Dosenbier – gekauft im Supermarkt gegenüber. „Das ist hier auch viel günstiger, als auf dem Festivalgelände“, sagt Alina.

So wie das junge Hamburger Paar denken viele an diesem Wochenende. In den Mittagsstunden dominiert auf den Straßen emsiger Betrieb. Grillgut, Gerstensaft, vielleicht noch ein neues Paar Gummistiefel – wer den Geldbeutel schonen viel, der kauft im Beeke-Ort. Das war nicht immer so, erinnert sich Christina Wichmann vom Schuhgeschäft Schuhmann: „Letztes Jahr war es katastrophal, da hat sich überhaupt niemand mehr in den Ort verirrt“ sagt die Verkäuferin mit Blick Festival-Lidlmarkt, der damals hohe Wogen geschlagenen hat.

Einen Markt, den gibt es auch dieses Mal auf dem Hurricane – alles, was der Festivalgast für sein Leben zwischen Zelt und Bühne benötigt, inklusive. Allerdings zu deutlich teureren Konditionen.

Gummistiefel zum Spottpreis: Coco (l.) und Diana freut‘s.

Und so verschlägt es auch Coco und Diana in den Ort. Ein Paar Gummistiefel für wenige Euro? Da greifen die Freundinnen doch gerne zu. Und werfen hinterher noch einen Blick ins Schaufenster. Adam Yauch, inzwischen verstorbener Frontmann der Beastie Boys, posiert dort auf einem Foto. Auch seine Band war schon einmal auf dem Hurricane, damals im Sommer 2007. Coco und Diana werden neugierig. „Und so etwas haben die Scheeßeler auf die Beine gestellt?“, fragen sie. Haben sie. Die Idee hinter dem „Schaufenster Hurricane“ – einer Ausstellung der Gemeinde und des örtlichen Gewerbevereins in Kooperation mit dem Festivalveranstalter – finden die meisten einfach nur „cool“. „Unser Vermieter hat uns heute Morgen davon erzählt, da haben wir uns das mal anschauen wollen“, sagt Tobias aus Nürnberg, der mit seinem Kölner Kumpel Thorsten das Festival besucht. Erstmal gilt es aber für Thorsten, ein paar Mitbringsel für Frau und Kinder daheim einzukaufen. „Ich hätte nicht gedacht, dass Scheeßel so geile Shops hat“, schmunzelt er.

Von „geil“ kann Arvid Prohn, Inhaber vom „Fahrrad-Profi“ nicht gerade sprechen. Kein einziger Festivalgänger kommt auf die Idee, in seinem Geschäft einen Drahtesel zu kaufen. „Das würde mich auch sehr überraschen“, sagt er. Dennoch hat auch Prohn gerahmte Hurricane-Bilder in seinem Schaufenster hängen – und zählt damit zu den 50 hiesigen Gewerbetreibenden, die, wenn schon nicht mehr wie einst die Massen in den Ort gelockt werden können, wenigstens Flagge zeigen wollen. „Klar, die Ausstellung ist eine nette Idee, wirkliche Geschäfte sind damit aber sicher nicht zu machen“, gibt sich der bekennende Hurricane-Fan nüchtern.

Ähnlich sieht das Irene Tamke, Verkäuferin im Traditionskaufhaus Baden-Inspiration: „So ein bisschen Werbung kann ja nicht schaden“, meint sie. Vor allem viele Paare würden sich in dem Dekorations-Laden umschauen, gekauft werde von den Festivalisten aber nur selten etwas. „Dieses Jahr sind aber sonst wieder mehr Leute auf der Straße“, will auch sie festgestellt haben.

Ein paar Hausnummern weiter steht Klaus-Wilhelm Lütjen an der Kasse seines Modegeschäfts. So richtig rollen will der Rubel heute nicht. Man merke schon ein wenig, dass der Normalkunde den Ort an diesem Ausnahmewochenende meiden würde, sagt Lütjen. „Sicher spielt aber auch das schlechte Wetter ein Rolle.“ In 18 Jahren, in denen das Festival nun schon „nebenan“ über die Bühne geht, habe sein Bekleidungsgeschäft noch nie vom Hurricane profitiert. „Das ist Essen, Trinken, Musik und Feiern – alles andere interessiert die jungen Leute nicht“, so seine Einschätzung. Ein bisschen Festivalfeeling hängt aber auch in seinem Schaufenster. „Klasse Sache, man hätte das vielleicht aber noch mit einer Verkaufsaktion kombinieren können“, überlegt er.

Bis zum Nachmittag hat auch der letzte Ladeninhaber seine Tür abgeschlossen. Das Wochenende ruft. Im Beeke-Ort kehrt wieder vertraute Ruhe ein. Die Einkäufe der Festivalbesucher sind unter Dach und Fach gebracht. Scheeßel und das Festival – sie sind sich in diesem Jahr wieder ein Stück näher gekommen.

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